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Sieben Schritte zu Windelfrei

Windelfrei hilft bei Blähungen, unruhigen Babys und wunden Popos – und es stärkt die Kommunikation zwischen Eltern und Kind. Aber wie macht man das? Ist das nicht total viel Stress? Hier der Weg, wie ihr entspannt anfangt – und dann selbst entscheidet, wie und wieviel ihr weitermacht.

# Schritt 1: Lernen Sie den Rhythmus Ihres Babys kennen.

Wir können entweder das Baby einfach mal ohne Windel lassen und beobachten. Besonders wenn sie noch ganz klein sind und wir einen warmen Raum haben, ist das leicht – es kommt ja noch nicht viel aus dem Kind heraus! Wir haben unser Baby also auf dem Bauch oder einer wasserfesten Unterlage zu liegen. Wie oft scheidet es aus? Welche Laute oder Körperzeichen macht es vorher? Wie lange nach dem Füttern oder Schlafen dauert es, bis unten etwas herauskommt?

Wenn das Kind keine Windel anhat und wir es auf dem Arm haben, werden wir automatisch aufmerksamer – es ist als würde etwas in uns „anspringen“, das seit Jahrtausenden sagt: Ich will auch nicht nass werden :). Und plötzlich merken wir – ups, im Babybauch tut sich was. Dann halten wir das Kind ab oder legen etwas unter den Popo.

Machen Sie es das am Vormittag, mal am Nachmittag. Nachmittags scheiden die Babys seltener aus als vormittags, es ist also gut, dann anzufangen, wenn das geht.
Bald kennen wir den Rhythmus des Babys im Verhältnis zum Stillen und Schlafen.

Tricks: Viele Säuglinge machen in den ersten Monaten beim Stillen, später direkt nach dem Stillen. Die meisten Kinder müssen zudem – auch später noch – direkt nach dem Aufwachen.

# Schritt 2: Wählen Sie zum Abhalten eine Position. Sie soll für Sie und das Baby gleichermaßen entspannend und sicher sein. Hier haben wir Abhaltepositionene für kleine Windelfrei-Babys gebloggt mit Fotos. Schauen Sie mal hier bei YouTube, da sieht man, wie man beim Stillen abhalten kann:

 

# Schritt 3: Wählen Sie ein Signalgeräusch.
Machen Sie das Geräusch immer, wenn das Baby sich entleert, zum Beispiel: »Ssssss.« Ein Säugling assoziiert nach wenigen Tagen das Geräusch mit dem Gefühl, das er beim Loslassen hat. Im Umkehrschluss weiß er bald, wenn er das Geräusch hört, dass er »machen« kann. Sie können auch ein Zeichen machen – der Windelfrei-Coach Lucia Pichler aus Düsseldorf hat das hier sehr schön zusammengefasst: „Windelfrei und Babyzeichen – hilf mir, es selbst zu sagen!“

# Schritt 4: Wählen Sie zum Abhalten einen warmen Ort und ein Gefäß. Seien Sie kreativ und probieren Sie einfach aus, was für sie passt: ein Baby-Töpfchen (zum Beispiel Asia-Topf, s.u.), Badewanne, Waschbecken, ein Eimer, das Bidet, eine Stoffwindel, Wegwerfwickelunterlagen. Viele Babys mögen das Waschbecken, weil sie sich dann im Spiegel sehen können. Für Mütter mit kleinen Jungs ist die Badewanne anfangs gutes Übungsgebiet, um »Treffen« zu lernen.

# Schritt 5: Üben sie gemeinsam.

Ihr Baby wird nach einigen Tagen loslassen, wenn Sie das Signal-Geräusch machen, das Handzeichen geben oder es in die Abhalte-Position bringen. Machen Sie das Handzeichen oder das Geräusch, wenn sie glauben, dass das Baby mal muss: „Hey, ich glaube, du musst mal. Komm, wir halten dich ab.“
Halten Sie das Kind ab mit einem freundlichen »Ssss«. Reagiert das Kind nicht innerhalb von ein bis zwei Minuten, wehrt es sich oder ist es unentspannt, muss es nicht. Versuchen Sie es einfach später noch einmal.

Das Baby wird ebenfalls Zeichen geben, die Eltern sehr schnell zu lesen lernen. Es macht einen bestimmten Gesichtsausdruck, einen bestimmten Laut oder eine bestimmte Bewegung, bevor es ausscheidet. Hier gibt es ein Video mit Signalen.

Nur keine Hektik – Babys können warten, bis sie ausgezogen und ins Bad gebracht worden sind. Seien Sie nicht frustriert, wenn es nun trotzdem nicht macht – Sie lernen beide eine neue Sprache, Missverständnisse gehören dazu.

Hier erklären wir es nochmal im Video „Windelfrei – wie fange ich an?“:

Zeugnistag – für alle Kinder

Zeugnistag

Ihr Kinder um mich herum,
in meinen Dorf, in dieser Stadt…

…ich wünsche mir,
dass keines von euch heute Angst hat,

nach Hause zu kommen,
weil ihr wisst, dass man euch in Liebe erwartet;

…ich wünsche mir,
dass kein Kind Angst hat

vor der Bewertung der anderen,
weil ihr wisst, wie wertvoll ihr seid;

…ich wünsche mir,
dass jedes Kind auf der Erde jemanden hat,

der es in den Arm nimmt und sagt:

Du bist schön. Du wirst geliebt.
du bist voller wunder. Du gehörst zu mir.

Und ich werde immer für dich da sein.
Ganz egal, was auf irgendeinem Zettel steht.

nicolaschmidt.de

 

 

 

Zeugnistag

Wir ziehen jetzt durch, das Kind muss auch mal funktionieren!

Ist es nicht unser Job, unsere Kinder zu schützen?
Ist es nicht unser Job, unsere Kinder zu schützen?

Heute Morgen habe ich mich wirklich schrecklich über meinen artgerechten Sohn geärgert. Wieso geht der nicht einfach zur Schule, wie alle anderen? Was soll das Theater am Morgen? Verflixt, war das doch nicht so gut mit der Gleichwürdigkeit und der Bedürfniserfüllung? Das Kind FUNKTIONIERT einfach nicht!

Durchziehen – um welchen Preis?

Wie ihr wisst, bin ich jemand, der sehr viel auf soziale Regeln hält. Und ich finde auch, dass jedes Familienmitglied – Bedürfnisse hin oder her – seinen Beitrag zum Zusammenleben leisten muss. Irgendwie.

Mein erstes kleines Artgerecht-Baby ist mittlerweile zehn Jahre alt. Heute Morgen verkündete er, er werde heute nicht in die Schule gehen. Dazu muss man wissen, dass er sich beim Basketball die Hand verstaucht hat, aber gestern eigentlich damit gut in der Schule war. Ich verstand also nicht, was heute das Problem sein sollte. „Wir schreiben heute eine Arbeit.“ „Ja, aber dann solltest du doch gerade in der Schule sein!“ „Nein, ich gehe nicht! Meine Hand tut weh!“ „Gestern tat sie doch auch nicht so weh? Was ist passiert? Du gehst!“

Ich war sauer. Ich fühlte mich veräppelt. Ich wollte lostoben.

Dann dachte ich an das artgerecht Kleinkinderbuch, das ich gerade geschrieben habe (kommt im Mai 2018). Und an das Kapitel über Kommunikation und so.

Runterfahren, hinhocken, fragen

Okay, also, ich riss mich zusammen, hockte mich auf den Boden und fragte: „Okay, erzähl mal, was ist los?“ Dann kam es: Mein Kind wollte nicht die Arbeit schwänzen. Mein Kind hatte Angst, dass seine Hand der Belastung einer Klassenarbeit nicht stand halten würde. Und statt dass die Lehrerin den Druck raus nimmt und sagt: „Du versuchst es und wenn es nicht geht, holen wir das nach“, hatte die Pädagogin nach Aussage meines Sohnes gestern zu ihm auf seine Sorgen hin gesagt: „Du schreibst morgen mit. Egal wie. Wenn es rechts nicht geht, schreibst du eben mit links!“ Das Kind war verzweifelt – mit links? Das würde doch niemand lesen können!

Ich kenne die Frau nicht. Wahrscheinlich hat sie es weder so radikal gesagt noch gemeint wie mein Sohn es gehört hat. Aber mein Kind war voller Angst.

Egal, der Junge muss in die Schule! sagte mein Verstand streng. 
Der Junge muss gar nichts! sagte mein Herz sanft.

Wir schützen unsere Kinder – das ist unser Job

Ich sah mein kleines Baby, das nicht alleine schlafen musste, weil es dann Angst gehabt hätte. Ich sah meinen kleinen Sohn, der sich von niemandem anfassen lassen musste, wenn er das nicht wollte. Ich sah mein Grundschulkind, das fröhlich und freudig loszog, um endlich schreiben zu lernen. Dieses Kind stand jetzt vor mir, mit Tränen in den Augen und hatte – Angst. Angst vor der Schule.

Da begriff ich. Nicht das Kind funktioniert heute morgen nicht. Die Schule funktioniert nicht. Es ist nicht Aufgabe meines Kindes, an einen Ort zu gehen, vor dem es sich fürchtet. Es ist unsere Aufgabe als Erwachsene, dafür zu sorgen, dass er sich nicht fürchtet. Dass er gerne lernt. Es ist meine Aufgabe, ihn zu schützen, für ihn das zu sein, den Stress zu reduzieren und Lösungen zu finden. Nach meinen Klassenarbeiten hat niemand jemals gefragt. Aber das Gefühl, von meinen Eltern verstanden und bei Bedarf auch geschützt zu werden – das hat mich ein Leben lang geprägt.

Jetzt sitzt er – freiwillig – am Klavier und übt. Es ist nicht so, dass er nicht gerne lernt. Aber er funktioniert nicht unter Druck. Und nicht mit Drohungen. Auch nicht mit kleinen. Also bleibt er heute zu Hause.

Eigentlich wäre ich mitgegangen und hätte mit der Lehrerin das Missverständnis aufgeklärt. Ich finde den persönlichen Kontakt immer noch am besten und dann hätte er auch in die Schule gehen können. Aber ich habe heute Morgen keine Zeit gehabt. Daher treffe ich sie jetzt am Montag und das Kind bleibt bei mir.

Kinder wollen kooperieren -immer 

Auch wenn ich es mir selbst manchmal nicht glaube: Kinder wollen kooperieren. Immer. Wenn sie nicht kooperieren, dann müssen wir hinter das Verhalten schauen und das Bedürfnis finden. Mein Sohn ist anstrengend – weil er immer den Finger in die Wunde legt. Weil er immer „ausschert“, wenn etwas für ihn nicht stimmt. Er ist der Kanarienvogel in der Kohlenmine, der umso lauter singt, je unwohler er sich fühlt. Mein Signalhorn für falsche Situationen. Er zieht nicht durch. Er sagt: Stopp!. Er sagt: Schau hin! Er sagt: Sieh mich!

Er funktioniert nicht.
Ja, ich finde dieses Kind manchmal anstrengend.
Ja, ich liebe dieses Kind.

Und oh mein Gott – ich kann so viel von ihm lernen.

/nicola

Artgerecht essen – so gehts!

Artgerecht essen – so gehts!
„Satt heißt nicht, dass keine Schokolade mehr rein passt“

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Schokoreiswaffeln mit Wildkräuterblättern- warum nicht?

Immer fragen mich Eltern: Nicola, warum sagst du nie was zu Ernährung? Was wäre artgerechtes essen? Und wie sollen Eltern sich verhalten, wenn Kinder nur noch Nudeln essen oder es ständig zu Streit um Tischmanieren kommt?

Bisher habe ich mich in Bezug auf essen immer zurück gehalten (vegan? paleo? was ist richtig? wer entscheidet das?), doch für das artgerecht Kleinkinderbuch habe ich das Thema recherchiert. Und ich habe festgestellt: Ja, es gibt artgerechtes Essen! Und es ist ganz einfach!

Artgerecht essen – die einen sagen sofort: „Paleo – Ernährung“! Die anderen rufen „Veganismus“! Die dritten plädieren für gesunde Mischkost. Jeder denkt, er hätte die eine, richtige Ernährung gefunden. Und wisst ihr was? Das ist auch so! Er oder sie hat die richtige Ernährung für sich selbst gefunden – für den eigenen Körper, die eigenen Gewohnheiten, das eigene Leben. Aber eben nur das.

Die richtige Ernährung für alle gibt es nicht

Denn Fakt ist: Die eine, richtige Ernährung gibt es nicht. Kann es auch nicht geben. Denn der Homo Sapiens hat sich vor allem deshalb so prima auf diesem Planeten ausbreiten können, weil Babys auf den subtropischen Inseln der Seychellen als erstes Papaya kriegen – und gut vertragen – im kalten, nördlichen Alaska Jahrhunderte lang vor allem Fisch gegessen wurde – und das auch gut vertragen wird.

Hinzu kommt, dass jeder Mensch wahrscheinlich ganz anders auf Essen reagiert. Wem was bekommt, ist individuell verschieden – die einen werden wirklich wirklich dick von Fett, die anderen werden dick von Kohlenhydraten. So wie es von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, wie Medikamente wirken oder eben nicht.

Für uns heute ist also die Frage weniger, was absolut gesehen „richtig“ ist, sondern was und wie wir essen wollen.

Und darauf gibt es eine klare Antwort aus artgerecht- Sicht:

Artgerecht zu essen heißt vor allem regional, saisonal, vielfältig, wild, gemeinsam – und entspannt!

Regional – Steak aus Andalusien, Amaranth aus Indien, Bananen aus Costa Rica – wir können fest davon ausgehen, dass das sehr neu in der Menschheitsgeschichte ist. Wir haben Jahrtausende das gegessen, was eben dort wuchs, wir wir lebten. Ganz einfach.

Saisonal – Erdbeeren im Winter? Wir essen längst nicht mehr das, was im Angebot ist, weil es gerade auf den Feldern oder im Wald wächst. Das wäre auch schwieriger, je nördlicher man kommt. Ob es aber wirklich Erdbeeren im Winter sein müssen, daran darf gezweifelt werden.

Vielfältig – unsere Vorfahren haben sich von hunderten von verschiedenen Nahrungsmitteln ernährt, die Kost der Menschen in der Frühsteinzeit und selbst noch von Jäger und Sammler-Völkern unserer Zeit war ausgesprochen vielfältig.

Eine Studie zur Ernährung der Aborigines in Grothe Eiland und der Doydji Region zeigt, dass die Gruppen zwischen 100 und über 300 verschiedene Nahrungsmittel kannten, darunter Landtiere, Reptilien, Vögel, Fische und zwischen 22 und 130 verschiedene Pflanzen (Atoll Anderson et al: Historie of old ages. Essays in honour of Rhys Jones. Australien National University, gefunden auf: http://www.culturalsurvival.org.au/…/In%20search%20of%20the…).

Wir hingegen beschränken uns trotz der Vielfalt unserer Supermärkte auf einen Bruchteil dieser Auswahl.

Wild – Domestiziertes Obst und Gemüse hat heute nicht mehr viel mit seinen wilden Vorfahren gemeinsam. Wildkräuter wie Brennnessel, Giersch oder Gänseblümchen enthalten wichtige Nährstoffe. Es lohnt sich also, sie in den Essenplan zu integrieren. Im artgerecht Kleinkindbuch erzähle ich, was sie können und wann und wie man sie ernten sollte.

Lindenblätter - lecker!
Lindenblätter – lecker!

Gemeinsam – Menschen haben immer gemeinsam gegessen, in vielen Kulturen ist es ein festes Ritual.

Entspannt – entspannt am Familientisch, dass sollte oberste Priorität haben. Studien zeigen, dass entspannte Eltern Kinder mit weniger Essproblemen und -Störungen haben. Maßnahmen wie Sitzenbleiben, Tellerleeressen, Süßigkeitenverbote sind nachweislich schädlich (alles frei zu geben aber leider auch).

Was das konkret heißt? Hier soviel:

Eltern bleiben idealerweise vor allem entspannt, sie vertrauen ihren Kindern, was die gerne essen mögen und bieten eine gesunde Auswahl an Nahrung, aus der sich die Kinder aussuchen können, was sie wollen. Eltern bleiben cool, auch wenn das Kind ein paar Wochen lang nur Nudeln isst, das geht nämlich vorbei. Eltern sind Vorbilder beim Essen, besonders bei Tischmanieren – dann lernen die Kinder sie in der Regel von ganz alleine. Eltern wissen, dass „satt“ nicht heißt, dass keine Schokolade mehr reinpasst 🙂. Eltern übernehmen Verantwortung und stellen sich auch den Konflikten, die Essen mit sich bringen kann – nein, nach sechs Wochen mag ich keine Nudeln mehr kochen, probiere bitte mal den Reis.

Wie man es im Alltag im Detail macht, erzähle ich im neuen artgerecht Kleinkinderbuch, das im Mai 2018 erscheint (Vorbestellungen hier). Und ich bin mir klar darüber, dass es ein großes kontroverses Thema ist. Daher freue ich mich (auch für das neue Buch über Geschwister!) über euren Input – welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Was hilft euch, entspannt zu sein? Wie ist es mit dem Essen bei Geschwistern – lernen sie voneinander? Streiken sie gemeinsam? Essen sie gemeinsam Nudeln?

Bis dahin – Bon Appetit!

🙂
Eure Nicola

Mehr ab Mai 2018 in artgerecht - das Kleinkinderbuch
Mehr ab Mai 2018 in artgerecht – das Kleinkinderbuch

Kooperationskontingent – ab 16h ist Schluss!

2016-04-09 10.38.03Kinder wollen kooperieren. Immer. Ich glaube fest daran. Aber es gibt einen Punkt, da können sie nicht mehr. Und wir Eltern müssen mitkriegen, wann es so ist.

Ich stelle mir immer vor, dass meine Kinder so eine Art Kooperationskontingent haben. Das ist die Menge an Kooperation, die den Kindern an diesem Tag von ihrem Gehirn zugeteilt worden ist (und ich hab das auch). Jedes Mal, wenn ich „Komm jetzt bitte“ sage und sie kommen, nehmen sie etwas von dieser Menge weg. Und irgendwann nachmittags gegen 16-17 Uhr ist es alle.

Je jünger Kinder sind, desto früher werden sie in der Regel abends müde. Mit dem Kooperationskontingent ist das ähnlich. Je jünger sie sind, desto früher ist es erschöpft. Und dann ist’s Essig mit Kooperation. Sie kommen nicht mehr, wenn ich darum bitte. Sie werden laut. Sie schmeißen mit Zeug. Sie streiten sich. Sie ziehen sich nicht die Schuhe an.

Für mich heißt das: Je jünger Kinder sind, desto eher antworte ich auf diese Situation mit Entgegenkommen. Ich gehe hin und hole die Kinder freundlich ab, statt sie zu rufen. Ich füttere sie. Ich trage sie (auch wenn sie schon sechs Jahre  als sind). Ich ziehe ihnen die Schuhe an. Und weiß: Kinder wollen kooperieren. Aber gegen halb sechs nach einem langen Tag an frischer Luft können sie es oft einfach nicht mehr.

Und dann gehen wir halt auch ungeduscht ins Bett, dann gibt es Turbo-Abendessen und wenn ich es total verplant habe, ist auch Zähne putzen am Ende nicht mehr so wichtig. Wichtig ist – Ruhe, Kuscheln, Körperkontakt, Mama-Da-Sein.

„Ab 16h sind sie kochgar“, sagte mir eine Interviewpartnerin kürzlich. Das trifft es gut. Dann hilft nur: Nachgeben, sanft sein, wie Wasser sein, loslassen, Full Service. Und morgen neu.

🙂

nicola

 

UPDATE: Mehr dazu ab Mai 2018 im artgerecht – das andere Kleinkinderbuch 

https://www.randomhouse.de/Buch/artgerecht-Das-andere-Kleinkinderbuch/Nicola-Schmidt/Koesel/e531749.rhd
Mehr ab Mai 2018 in artgerecht – das Kleinkinderbuch

Eltern, gebt euch nicht selbst auf – schaut hin

Attachment Parenting hat mit Selbstaufgabe nichts zu tun. Wenn Eltern nicht auf sich achten, hat das andere Ursachen. 

In der Zeit erscheint von Caroline Rosales (UPDATE: bekannt vom Stadtlandmama-Blog – seit 3 Jahren nicht mehr dort aktiv – daher hier gestrichen) einen Artikel mit der verführerischen – und völlig korrekten – Überschrift „Eltern, gebt euch selbst nicht auf“.  Ich gehe da voll mit – bis zum Ende der Überschrift. Zum Rest des Textes ist so einiges zu sagen. Er sagt viel über den Prenzlauer Berg (ich bin selbst Berlinerin, Amen), aber wenig über Attachment Parenting. Es fängt an mit einer berührenden Selbsterkenntnis der Autorin, zum Zeitpunkt der Erzählung erschöpfte Mutter:

„Ich war isoliert und selbst schuld daran.“ Genau. Tut mir leid, Caroline, aber so ist es. Wir sagen das im Artgerecht-Projekt immer wieder: ALLEINE kann man das nicht schaffen. Das sage ich. Das sagt Herbert Renz-Polster. Das sagt die gesamte anthropologische Forschung zum Thema. Hast du sicher schon gelesen, Stichwort: „kooperativ aufziehende Art“.

Weiter gehts. Caroline benennt die Quellen – aber hat sie sie auch gelesen? „Der Begründer dieser Methode war der amerikanische Kinderarzt und achtfache Vater William Sears.“ Korrekt. Und der hatte mit Selbstaufgabe wenig im Sinn. Der schrieb auch darüber, wie man einen dauerstillendes Kind auf andere Gedanken bringt. Und zwar konsequent. Wie man genug Schlaf kriegt. (siehe „The Fussy Baby Book“).

13221705_1010025792384077_7529947437792757133_nEr schreibt in seinem Standardwerk „The Babybook“ über liebevolle Flaschenfütterung (ab S. 200). Auf S. 416-428 geht es darüber, wie Mütter Arbeit im Büro und AP verbinden können. Notabene: In den USA gibt es 12 (!) Wochen Maternity Leave, nicht 12 Monate Elternzeit.

„Eine komplette Symbiose mit seinem Kind einzugehen ist jedoch nicht nur unnötig anstrengend für die Eltern, sondern in den Augen von Kinderpsychologen schlicht pathologisch.“ Natürlich ist das so. Wer hätte daran gezweifelt? Aber wo steht, dass AP eine „komplette Symbiose“ mit dem Kind erfordert? In meinem Artgerecht-Babybuch nicht. Bei Julia nicht. Bei Nora nicht. Bei Herbert nicht. Liebe Caroline Rosales, Quellen bitte!

Und natürlich sind Babys auch anstrengend. Partner übrigens auch. Sogar mein Mac ist manchmal anstrengend. Das gehört einfach dazu. Das Problem ist nur, dass wir unter Umständen leben, die Babys EXTREM anstrengend werden lassen können. Aber das liegt nicht an den Babys. Und nicht an AP. Sondern an den Umständen.

Für wen AP „die Einstiegsdroge, das Ticket in die Hölle der Selbstoptimierung“ ist, der hat kein Problem mit AP. Sondern mit Perfektionismus. Und für diese Menschen ist AP sicher keine gute Idee. Das schreibe ich auch. Für diese Menschen ist aber auch glutenfreie Ernährung, Planking oder Yoga keine gute Idee. Sie übertreiben nämlich gerne mal alles. Das hat nix mit AP zu tun. Sondern mit der inneren Einstellung.

Und doch kenne auch ich das: „Ich erinnere mich an unzählige toxische Zusammenkünfte“ – ja, ich mich auch.  Und deshalb habe ich auch schon vor fast 10 Jahren geschrieben, dass AP nunmal nicht automatisch glücklich macht.

AP-MamaDie Erkenntnis aus all dem kann nicht sein: Yoga ist böse, weil man sich damit, wenn man es falsch betreibt, auch weh tun kann. Auch nicht: Veganes Essen ist oberböse, weil Eltern ihre Säuglinge mit Buchweizen zu ernähren versuchen und so umbringen.

Die Erkenntnis muss sein, was die alten Griechen schon vor 2000 Jahren wussten: Μηδὲν ἄγαν.Mēden agān.„Nichts im Übermaß!“

Das ist nur eine der drei apollonischen Weisheiten von Delphi. Die zweite ist Εἶ. „du bist“. Genau. Und deshalb dürfen auch Mütter mal alleine aufs Klo gehen. Oder eben ins Kino. Oder sogar arbeiten (zum Beispiel Bücher schreiben…weia…).

Die dritte apollonische Weisheit lautet übrigensΓνῶθι σεαυτόν „Erkenne dich selbst!.  Und hier liegt am Ende auch der Schlüssel für gesundes, maßvolles, bindungsfreundliches Attachment Parenting und eine gesunde Reflexion über das Thema. „Wir wohnten damals in Berlin-Prenzlauer Berg, der Papa kam erst spät abends nach Hause, und mein Sohn besuchte mit drei Jahren noch keinen Kindergarten“ – wenn ich merke, dass mir das zuviel ist, dann sollte ich mit meinem Mann sprechen, umziehen oder Kinderbetreuung an den Start bringen. Aber mich nicht über eine Methode beschweren, die für meine persönlichen Entscheidungen und fehlenden Grenzziehungen nichts kann. Denn am Ende sind wir für unser Leben alle selbst verantwortlich.

Deshalb steht im Artgerecht-Babybuch auf der letzten Seite: „Wer alles glaubt, was er liest, sollte besser nicht lesen.“ Wir müssen unseren Kopf selbst benutzen.  Hilft ja nix. Und dann findet euren Weg. Und lasst anderen ihren Weg.  Toleranz und Pluralismus – auch dafür plädiere ich schon lange.  Auch dafür steht in meinen Augen AP.

Eure Nicola

Was ist eigentlich „artgerecht“?! – Clan, Toleranz, Umweltschutz – und gesunde Babys

Herbert Renz-Polster hat auf seinem Blog diese Frage gestellt und da er unseren Begriff und unsere Bewegung ja sogar ins neue Menschenkinder-Buch aufgenommen hat, geht auch an uns die Frage: Was ist eigentlich artgerecht?

Artgerecht klingt für viele nach Dogma, nach Ideologie, nach Perfektionismus und Besser-Machen-Wollen. Wer mich – und uns – kennt, weiß, dass das nicht weiter entfernt von der Wirklichkeit sein könnte.

Ich habe schon vor sieben Jahren einen Artikel geschrieben zum Thema „Attachment Parenting funktioniert nicht“, der viel gelesen und kommentiert wurde. Dort steht genau das, was Herbert auch schreibt:

Es gibt keine Knöpfe, die wir drücken können und dann kommt ein perfektes Kind heraus. Attachment Parenting Germany hat in diesem Facebook-Beitrag über die „Haltung“ AP geschrieben – die ja auch nah an Artgerecht ist: Dass es eben eine Haltung ist – die ganz klar Toleranz beinhaltet, nämlich die Toleranz, dass jeder seinen Weg findet. Meine geschätzte Kollegin und Freundin Nora Imlau hat dazu bezüglich Stoffwindeln in diesem Blogbeitrag schön geschrieben, durch welche Emotionen wir Mütter gehen, wenn wir perfekt sein wollen. Und dass der Mittelweg häufig für alle viel gesünder ist als die Perfektion. Das vertreten wir auch hier bei Artgerecht. Windelfrei? Habe ich schon immer mit Windeln gemacht. Warum auch nicht? Und meine Kollegin Susanne Mierau schreibt auf ihrem Blog eine Hymne auf die „Alles -egal“-Freundinnen, die uns lehren, was wirklich wichtig ist.

Aber warum dann „artgerecht“? Warum dieses doch sehr klare Wort?

Weil es alles zusammenfasst, was wir tun:

Artgerecht hat als Ziel gesunde Kinderseelen:

Artgerecht - das andere Babybuch
Artgerecht – das andere Babybuch

Wir nehmen keine Säuglingspflege- oder Erziehungstipps an, ohne uns zu fragen: Was ist optimal für die mentale und körperliche Entwicklung unserer Kinder? Worauf sind sie evolutionär vorbereitet, was wird ihrer Art gerecht? Mir ist der erste Teil davon sogar noch wichtiger als der zweite. Denn es fragen ja ohnehin alle, was GESUND für die Kinder ist, meinen aber immer in erster Linie ihren Körper. Was aber ist mit der Seele? Könnte eine Woche ohne Zähneputzen zwar schädlich für den Körper (Karies!), aber gut für die Seele (kein Zahnputzkampf) sein? Bei Artgerecht ist es also immer eine Abwägung aus beiden – das ist mir sehr wichtig.

 

Artgerecht heißt, es gemeinsam zu tun:

Artgerecht Camp
Artgerecht Camp – Kreis der Frauen

Artgerecht heißt, dass wir eine kooperativ aufziehende Art sind – so sagt es die große Anthropologin Sarah Bluffer Hrdy schon seit vielen Jahrzehnten. Bisher waren ihre Worte wenig beachtet, bis Herbert und ich angefangen haben, das in die Breite zu tragen: Ihr müsst es nicht alleine schaffen! Dafür seid ihr nicht gemacht! Im Artgerecht-Projekt ist uns der Clan wichtig (deshalb bieten wir auch Wildniscamps an). Wir wollen Eltern helfen, zu verstehen, dass sie es nicht alleine schaffen müssen und die Möglichkeit geben, sich zu vernetzen, damit sie es auch nicht alleine schaffen müssen!

Artgerecht heißt, unser Zuhause zu schützen:

KINDBAUMArtgerecht heißt für uns auch, dass wir alles, was wir tun, auch daran messen, wie gut es für unseren Planeten ist. Egal wie gut ein neues Babyprodukt für das Kind sein mag – wenn es den Planeten schädigt, schädigt es langfristig auch dieses Kind. Daher legen wir immer großen Wert darauf, dass wir den Planeten im Blick behalten. Das heißt nicht, dass meine Kinder kein Lego bekommen. Aber das heißt, dass meine Kinder in Wildniscamps und am Wochenende im Wald lernen, dass alles zusammen hängt. Dass wir Teil eines Ökosystems sind, das wir schützen müssen, wenn wir überleben wollen.

Das ist artgerecht im Artgerecht-Projekt: Mentale Gesundheit in Familien, gemeinsames Großziehen der Kinder und Scutz des Planeten. Und wir wissen, dass Eltern in Grönland und Eltern in der Kalahari auch schon 10.000 Jahren ganz unterschiedliche Dinge mit ihren Babys gemacht haben. Das macht nichts. Menschenbabys kommen prima damit klar. Es gibt keinen Goldstandard. Aber ihre ureigensten Bedürfnisse müssen erfüllt sein. Dazu gehört auch, dass wir Erwachsenen ihr Zuhause schützen, in dem sie mal ihre Kinder großziehen.

Deshalb steht auf unseren T-Shirts von Anbeginn auch: Happy Families, Happy Planet.

Für Dogmatismus, Ideologie und Perfektionismus ist da kein Platz. Das würde uns nur behindern. Wenn wir wissen, dass jedes Familie ihren Weg finden muss. Wir wissen, dass jede Generation nur einen Schritt weiter gehen kann.

Aber das reicht. 4+ ist ausreichend! Wir müssen nicht perfekt sein. Ich bin es auch nicht.

Gut genugJulia ist es nicht. Keiner ist das. Und das macht nichts. Um es mit meinem Freund Lienhard Valentin zu sagen: Achtsam sein ist völlig ausreichend.

 

Eure Nicola

Pampers gibt Erziehungstipps – rechtswidrig und grausam

lonely-604086_1280„Kinder im Stress brauchen kein Time-Out, sie brauchen allenfalls ein Time-In – einen Rückzug aus einer für sie belastenden Situation MIT einer Bezugsperson, die ihnen hilft, ihre starken Gefühle zu regulieren, die für sie da ist und ihnen Sicherheit gibt.“

Pampers gibt Erziehungstipps – aus Artgerecht-Perspektive ist dazu zu sagen: Was da empfohlen wird ist nicht nur grausam, es ist schlicht rechtswidrig und gesundheitsschädlich.

Pampers empfiehlt „leicht Form der Isolation“ als Erziehungmethode

Die Website ist schon aus dem Netz genommen, aber hier ist sie – hoffentlich noch immer im Cache „Kinder richtig bestrafen: Auszeiten“ und ansonsten ist hier ein PDF: Pampers über Auszeiten.

Aida S. de Rodriguez hat auf Elternmorphose bereits einen Artikel zur Grausamkeit dieser Empfehlungen veröffentlicht.
Herbert Renz Polster hat auf dem Kinder-verstehen-Blog ebenfalls Stellung bezogen: „Pampers erzieht jetzt mit“.

Der Artikel empfiehlt „Auszeit“ als Erziehungsmethode und beschreibt sie so: „Während der Auszeit findet keinerlei Kommunikation zwischen dem Elternteil bzw. der Aufsichtsperson und dem Kindstatt. Die Auszeit ist als eine abgeschwächte Form von Isolation zu verstehen.“

Pampers‘ Isolation von Kindern ist grausam – und gesetzwidrig

Kinder zu isolieren ist nicht nur grausam, menschenverachtend und keinen Kind zumutbar – es ist auch meiner Auffassung nach schlicht rechtswidrig: Im §1631 BGB „Inhalt und Grenzen der Personensorge“ steht klar und deutlich:
„(2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

Soziale Ausgrenzung ist für das Gehirn wie eine körperliche Bestrafung: Sie tut weh. Neurophysiologisch gesprochen: Sie aktiviert die gleichen Gehirnregionen. Im Spiegel-Artikel „Ausgrenzung tut weh“ nachzulesen. Warum reagiert unser System so „panisch“? Weil soziale Ausgrenzung als existenzielle Bedrohung wahrgenommen wird – besonders bei Kindern hinterlässt sie massive Schäden (hier ein ZEIT-Artikel dazu). Natürlich geht es in den Studien dazu um „lange“ Isolation und nicht „ab und zu eine kleine Auszeit“. Aber mal ehrlich: Ich schlage mein Kind auch nicht „ab und zu“, nur weil es dazu keine Studien gibt, was das anrichtet, sondern nur Studien zu dauerhafter Misshandlung.

Soziale Ausgrenzung hilft nicht gegen Aggression – sie führt zu Aggression

Außerdem führt soziale Isolation oder Ausgrenzung ihrerseits zu – genau: Aggression. Ein interessantes – wenn auch für mich nicht uneingeschränkt zu übernehmendes – Buch zum Thema: „Schmerzgrenze – Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt“, in dem Autor Joachim Bauer die These aufstellt, dass aggressives Verhalten immer eine Reaktion auf gefühlte Benachteiligung und Ausgrenzung ist.

Kinder brauchen Time-In -nicht Time-Out!

Karl Heinz Brisch hat auf einer Konferenz der WAIMH in Leipzig gesagt: „Die Kinder brauchen kein Time-Out, sie brauchen ein Time-In – einen Rückzug aus der Situation MIT einer Bezugsperson, die ihnen hilft, ihre starken Gefühle zu regulieren, die für sie da ist und ihnen Sicherheit gibt.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

 

7 Schritte zurück ins Dorf – So gehts! – Familienkongress in Graz 2016

Nicola Schmidt - Familienkongress Graz - Artgerecht Babybuch
Ein Glas Wasser vor der Konferenz – meine erste Skype-Übertragung *aufgeregt*

Wir müssen zum Turnen, der Autoschlüssel ist nicht aufzufinden, das große Kind muss nochmal aufs Klo, das Kleine räumt gerade das Schuhregal aus, ich stolpere über einen Haufen Schleich-Pferde und wo zum Himmel ist mein Portemonnaie?! Als wir endlich entnervt beim Auto ankommen, grüßt ein Nachbar „Na, Sie haben ja auch immer frei?“ ARGH.

 

Unser Skype-Setting - so sah es bei mir aus
Unser Skype-Setting – so sah es bei mir aus

Nein, wir haben nicht „immer frei“.

Auch wenn wir nicht arbeiten, Familienmanager zu sein ist ein Vollzeitjob! Und ich wünsche mir so sehr, dass immer mehr Familien sich wieder zusammen tun, um Kinder gemeinsam großzuziehen. Es macht so vieles leichter.

Denn soviel Stress ist ungesund – im Vortrag erzähle ich genau, warum das so schädlich ist. Wir sehen dann nicht mehr, dass der Schlüssel direkt vor uns auf der Kommode liegt, dass es doch toll ist, dass das große Kind so zuverlässig Bescheid sagt und dass das Kleine gerade eine wichtiger Forschungsarbeit erledigt. Wir sind einfach nur gestresst. Und das schadet uns, unseren Kindern, unseren Familien – unserer Gesellschaft.

Als ich mit meinen Kindern einen Monat lang in einer Jäger- und Sammler-Simulation in Schweden „lebte“, stellte ich eines Tages fest: Wenn jetzt die anderen von ihrer Feuerholz-Suche nicht mehr nach Hause kommen, würden wir keine Woche hier überleben können. Sie kamen an dem Abend alle, aber ich hatte etwas Wichtiges gelernt: Alleine mit Kind oder Kindern wäre in den

Meine Karteikarten - werde ich die ALLE brauchen...?
Meine Karteikarten – werde ich die ALLE brauchen…?

vergangenen 120.000 Jahren immer eine Notsituation gewesen. Und so fühlt es sich für viele Familien auch an. Da beschloss ich: Das müssen Familien wissen! Eure Erschöpfung ist echt! Ihr habt nicht „immer frei“, weil ihr nicht arbeitet, es ist wirklich anstrengend! Und ich wünsche mir so sehr, dass immer mehr Familien sich wieder zusammen tun, um Kinder wieder gemeinsam großzuziehen.

Sieben Schritte zurück ins Dorf – Facebook, München, New York!

In meinem Buch artgerecht – Das andere Baby-Buch (Amazon -Partnerlink)

Familienkongress 2016 - so sahen es die Teilnehmer
Familienkongress 2016 – so sahen es die Teilnehmer

erkläre ich deshalb, wie wir sieben Schritte zurück ins Dorf gehen können. Denn das Dorf ist das, was wir brauchen. Das, worin wir uns als Homo sapiens entwickelt haben. Hier sind die Hände, die uns helfen, die Ohren, die uns hören, die Augen, die uns sehen und die Menschen, die unser Zuhause sind. Auch Facebook ist toll! Nutzt es! Fragt um Hilfe! Es gibt soviele Geschichten, dass plötzlich jemand mit einer Suppe oder einem Legebausatz vor der Tür steht <3. Was gehört dazu?

  • Einander vertrauen.
  • Einander um Hilfe fragen- und zwar lange bevor es zu spät ist.
  • Einander Hilfe anbieten – und sie annehmen lernen
  • Einander sehen – begrüßen und verabschieden.
  • Sich bewusst Zeit füreinander nehmen – Handy weg, Tasche abstellen, da sein.
  • Unsere Leben bewusst verzahnen – Autos teilen, Kinder abwechselnd zum Turnen, gemeinsame Wochenenden oder Urlaube.
  • Einander überraschen – eine Blume, ein Stück Kuchen…
  • Einander vertrauen – ja, vielleicht gibt es bei Max kein Bio-Essen, aber dafür bastelt der Opa tolle Sachen mit den Kindern
  • Einander verzeihen – es ist kaum möglich, über die soziale Wiese zu gehen,  ohne auch mal auf ein Gänseblümchen zu treten – macht nichts! Entschuldigen und verzeihen gehört dazu.

Und…geht das auch…in der Stadt? In der Vorstadt? Im Münchner Umland? Im Hochhaus? In Berlin-Spandau oder Bonn-Poppelsdorf? In unserem Buch Slow Family: Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern (Amazon-Partnerpink) haben Julia und ich im Kapitel „Slow Village“ im Detail erklärt, wie wir uns überall ein Zuhause schaffen können. Es fängt damit an, einander wirklich, wirklich zu begegnen, die Nachbarin wirklich mal zu fragen, wie es ihr geht, ohne dabei den Briefkasten zu leeren oder das Handy in der Hand zu halten. Oft sind es die kleinen Dinge, die jeden Tag unser Leben ein bisschen besser machen (zu mehr als ein bisschen jeden Tag haben wir ja auch oft gar nicht mehr die Kraft). Jeden Tag ein bisschen mehr Dorf kann ein ganzes Leben verändern.

Meine Termine in Österreich 2017: 

Trostberg Kulturzentrum, 10.2.2017

Salzburg Artgerecht Coach Grundkurs 10.- 12. Februar 2017

Dein Kalender 2017  – jede Woche Anregungen für achtsames Familienleben:

Der artgerecht Planer 2017 (mit dem weekview Zeitplansystem)

Links und Bücher:

Online Training gegen Stress – Online Training mit Fragebögen und Literatur

Stark und alleinerziehend: Wie du der Erschöpfung entkommst und mutig neue Wege gehst
– Wie man negative Gedanken ändert – meine neue Entdeckung – von Alexandra Widmer – absolut empfehlenswert für alle, die ihr Leben in die Hand nehmen wollen

Stress für Eltern – Stress für Kinder: Stressbelastung der Eltern und kindliches Problemverhalten
– Infos rund ums Thema aus wissenschaftlicher Sicht – von Anette Nina

Achtsame Eltern, glückliche Kinder
– CD und Buch – von Lienhardt Valentin

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Meine Kinder hatten sich beschwert, dass Mama dieses Jahr schon so viel herumgefahren ist, also hatte ich gebeten, meinen Vortrag beim   Familienkongress in Graz von zu Hause aus zu machen. Ein dicker Dank an die Veranstalterinnen und die Teilnehmerinnen, dass ich digital dabei sein durfte. Dank der tollen Organisation von Beatrice und Ellaine konnte ich zum ersten Mal einen Vortrag über Skype halten  – 1000 Dank :D.

Montagsmantra: Schön, dass du da bist!

3372060910_3a9a42484b_o-web_147404_by-d_sharon_pruitt_piqs_deBei einem Vortrag in Bonn erzählte Lienhardt Valentin im Juni 2016: „Sie glauben nicht, was sich in Familien verändert, wenn Eltern ein Mal am Tag ihre Kinder anschauen und denken, fühlen oder sogar sagen: Was für ein Glück, dieses Kind zu haben!“ Er berichtete, dass die Kinder entspannter, die Eltern zufriedener und das gesamte Familienklima besser wurde.

Heidenei, dass kann ich auch! dachte ich mir. Und legte los. Seitdem gibt es in meinem Kopf ein festes Ritual das heißt: „Was ist heute toll an Dir.“ Ein Mal am Tag setze ich mich hin und denke, fühle oder – wenn es passt – sage, was an meinen Kindern einzigartig wundervoll herzzereißend liebenswert ist.

„Ich hätte Dir vorhin stundelang zusehen können, wie Du Lego gebaut hast.“ „Ich höre dich so gerne singen.“ Oder einfach nur: „Es ist so schön, dass Du in meinem Leben bist.“ Das bewusst zu denken, ist schön.

Aber es wirklich auszusprechen, ist noch unfassbar viel schöner. Es verändert alles. Alles sind noch danach noch ein bisschen fröhlicher, singender, leuchtender. Und das Verrückte ist: Solange es wirklich aus tiefstem Herzen kommt, nutzt es sich nicht ab!