Der Hebammen-Multiplikator

Neulich haben wir uns mit unserer Hebamme vom Geburtsvorbereitungskurs getroffen. Ich hatte da gerade In Liebe wachsen gelesen und fand es sehr spannend, mich mit einer Person „vom Fach“ über Gonzales Ansichten zu unterhalten. Wir hatten ein überaus anregendes Gespräch, in dem wir darüber sprachen, wie wichtig es wäre, der in unser Kultur dominanten distanzierten Haltung gegenüber Kindern etwas entgegenzusetzen.

Gonzales sagt, dass die enge Beziehung zwischen Mutter und Kind in unserer Gesellschaft ein Tabu ist:

Unsere Gesellschaft, die in anderen Aspekten doch so nachsichtig ist, hat so wenig Verständnis für Kinder und Mütter […]

– Tabubereich Weinen:Es ist verboten, sich um weinende Kinder zu kümmern, sie in den Arm zu nehmen, ihnen das zu geben, worum sie bitten.
– Tabubereich Schlafen: Es ist verboten, Kinder im arm oder beim Stillen einschlafen zu lassen, ihnen ein Schlaflied zu singen oder sie in den Schlaf zu wiegen sowie bei ihnen zu schlafen.
– Tabubereich Stillen: Es ist verboten, jederzeit pder an jedem Ort zu stillen oder ein „allzu“ grosses Kind zu stillen.

Fast alle Tabus haben eins gemeinsam: Sie verbieten den körperlichen Kontakt zwischen Mutter und Kind.

Auf der anderen Seite geniessen alle Handlungen, die zu einer Verringerung des Körperkontaktes führen und die Distanz zwischen Mutter und Kind fördern, besondere Anerkennung:

– Das Kind im eigenen Zimmer alleine lassen
– Es im Kinderwagen oder in einer dieser extrem unbequemen Sitzschalen aus Plastik transportieren
[…]
– Elterliche „Privatbereiche“ haben, ohne Kinder ausgehen und ein „Leben als Paar“ führen

Obwohl einige Menschen versuchen, diese Empfehlungen damit zu begründen, dass „die Mutter ausruhen kann“ verbietet keine einzige etwas, was wirklich anstrengend ist. Niemand sagt: „Du sollst nicht so viel putzen, sonst verwöhnst du die Kinder zu sehr mit der Sauberkeit im Haus.“ […]

In Wahrheit wird normalerweise der angenehmste Teil der Mutterschaft untersagt.
Vielleicht macht gerade das einigen Müttern die Kindererziehung so schwer. Sie haben zwar weniger Arbeit als früher [..], aber sie bekommen auch weniger zurück. […]

Aber wenn es verboten ist, das Kind in den Arm zu nehmen, bei ihm zu schlafen, es zu stillen und zu trösten, dann weint das Kind mehr, und die Mutter erlebt dieses Weinen mit einem Gefühl der Machtlosigkeit, das sich im Laufe der Zeit in Wut und Feindseligkeit verwandelt.

Meine Hebamme war genau meiner Meinung und bat darum, dass ich ihr den Titel des Buches doch nochmal schicken sollte. Das hat mich wirklich überzeugt! Genau das müssen wir tun:

Wir müssen Experten, die schon längst das richtige tun, mit Argumentationshilfen unterstützen! Sprecht mit Euren Hebammen. Sie haben viel Einfluss auf Mütter, zum Beipiel in den Kursen und können einiges bewirken. Selbst wenn die eine oder andere Mutter es gleich wieder vergisst – vielleicht erinnert sie sich ja später wieder daran und weiss dann gleich, wonach sie suchen muss.

Ein Gedanke zu „Der Hebammen-Multiplikator

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