Windelfrei-Streik – das hilft!

Was tun beim Windelfrei-Streik? Es gibt Hilfe. Wir haben ihn überstanden!


Was ist ein „Streik“? Sieht so aus: Dein Baby lässt sich nicht abhalten, streckt sich durch, weigert sich, weint, dreht sich weg, macht nicht mehr mit. Die meisten Windelfrei-Mütter kommen früher oder später an diesen Punkt. Meistens passiert eine „Abhalte-Pause“, wie Laurie Boucke das in „Topffit“ nennt, wenn die Babys beginnen, sich zu drehen, zu krabbeln, zu stehen, zu laufen oder zu sprechen – also bei Entwicklungsschüben. Laurie schreibt „Gründe sind entwicklungsbedingt oder emotional“. Unter „emotional“ fällt: Protest gegen Unterbrechen einer Aktivität, eine Änderung im Zeitplan, Änderung der Umstände (Umzug, neue Kita o.ä.) oder plötzlich weniger Aufmerksamkeit zu bekommen.

Was tun?
Als erstes empfiehlt Laurie, herauszufinden, was das Kind hat. Sind es körperliche Gründe wie Blähungen, Zahnen, Durchfall? Dann warten, bis das vorbei ist und bis dahin wickeln. Oder fühlt sich das Kind sonst einfach „nicht gut“? Babys bekommen über Monate hinweg viele Zähne, was zu einem konstanten Quell der Töpfchenverweigerung werden kann. Dann ist es klug, das Kind zu trösten und zu hegen und zu pflegen und zu warten. Auch wenn „sich die Mobilität erhöht, verringert sich die Blasenkontrolle eine Zeit lang. Das ist vollkommen normal und zu erwarten“, schreibt sie.

Laurie empfiehlt: Biete Abhalten oder Töpfchen zu Gelegenheiten an, die „dein Kleines nicht aufregen.Wenn das Leben zu stressbeladen wird, schadet es nicht, eine Weile lang wieder Windeln zu benutzen, bis das Interesse am Töfpechen zurückkehrt.“ Es sei besser, den Entschluss eines beschäftigten Babys zu respektieren und es nicht zu nerven, sonst werde aus einer Pause nämlich ein Streik (wichtige Unterscheidung, die ich bisher nie bedacht habe!).

Beim Streik sendet das Baby nach Laurie „einen Hilferuf der Unzufriedenheit“ und wartet auf eine Lösung. Also: Reduzieren und entspannen! Die Kinder vergessen das mit dem Abhalten nicht. Bietet es nur noch zu strategisch günstigen Zeiten an und sonst nicht. Sobald die Sache stressig wird, geht sie nach hinten los. Viele Mütter wickeln dann einfach und gut ist. Allerdings sollte man weiterhin abhalten, wenn es sich anbietet oder gut anfühlt. Nicht ganz aufgeben! Kreativ sein!

Konkret war es bei uns so:

Mein Baby war definitiv mit Krabbeln, Stehen und Zahnen beschäftigt. Sehr beschäftigt. Also musste ich die Routine ändern. Ich halte sie nur noch ab, wenn ich ihr etwas spannendes „bieten“ kann. Oder wenn sie noch nicht ganz wach ist. Heißt: Nachts, das klappt weiterhin perfekt. Und morgens, aber NICHT auf dem Töpfchen, das nervt sie nur, sondern über der offenen Windel und ich drücke ihr sofort nach dem Aufwachen ein Spielzeug in die Hand. Das schaut sie dann etwas verschlafen eine Weile an und -zack- Kind leer. Sobald sie den Topf am Po spürt, protestiert sie, aber das umgehen wir so. Tagsüber habe ich sie jetzt eine Weile gewickelt. Und dann gestern beschlossen, dass es jetzt genug ist mit Windeln. Heute war sie komplett ohne.

Und da stellte ich fest, was außerdem noch ein Problem war: Sie hat den Rhythmus geändert. Sie macht morgens nur noch zwei Mal kurz hintereinander nach dem Aufwachen – und dann bis mittags nicht. Nachmittags muss sie bis abends nur 2-3 Mal – ich habe sie mindestens 5-10 mal pro Tag abhalten wollen und das war viel zu häufig! Wenn ich jetzt warte, bis ich denke, jetzt platzt sie aber gleich, dann lässt sie sich auch abhalten, weil sie dann nämlich auch muss *andenKopfhau*.

Ach so – Abhalten, ja, aber nicht auf dem stillen Örtchen. Keine Chance. Nur: Über einer Stoffwindel, draußen, an „komischen“ Orten. Mehr Abwechslung. Manchmal macht sie auch im Stehen. Ist doof, weil man sie dazu ganz ausziehen muss. Findet sie aber besser, weil sie dann mit den Händen irgendwo spielen kann.

Uff. Jedenfalls hier: Pause vorbei. Es geht wieder. Heute war sie den ganzen Tag windelfrei und wir hatten nur eine einzige nasse Hose (und nicht drei, wie in den Tagen davor trotz Windeln). Bin ich froh! Euch allen, die ihr Streik bzw. Töpfchenpause-geplagt seid, alles Gute, viel Durchhaltevermögen, Entspannung und Kreativität. Möge alles gut werden.

9 Gedanken zu „Windelfrei-Streik – das hilft!

  1. komisch eigentlich, dass es nachts immer gut weiter funktioniert – trotz streik. man würde ja eigentlich vermuten, dass die nächte katastrophal sein müssten.
    bei uns ist nie absehbar, ob das abhalten funktioniert – ganz nach der devise „mal sehen ob es diesmal klappt“. wenn nicht, dann haben wir immer noch ne palette anderer varianten auf lager 😉 wir sind jetzt jedenfalls 5 wochen ÜBERALL windelfrei (hoffe hab richtig mitgezählt).

  2. Ich glaube nachts sind sie einfach entspannt und quasi geistig auch nicht wirklich anwesend. Wir hatten neulich einen Stillstreik, der nachts allerdings umgehbar war 😉

    Das mit dem seltener Abhalten hat bei uns auch mal kurz geklappt, seit wir allerdings Mokominis verwenden, verpass ich es oft und hab locker 5 nasse Mullwindeln am Vormittag 🙁

    1. „…seit wir allerdings Mokominis verwenden, verpass ich es oft und hab locker 5 nasse Mullwindeln am Vormittag :-(„

      Schon mal darüber nachgedacht, dass eben genau diese Backups für Windelfrei völlig ungeeignet sein könnten? Das Problem, dass es nicht klappt, steckt bei uns in den Köpfen. Wir halten uns an Zeiten, statt mit dem Kind zu kommunizieren. Wir haben ständig Angst, es geht was daneben und sichern uns mit Trainerhöschen und dergleichen ab, statt Vertrauen zu haben. Wer sich auf sein Kind einlässt und seinen Kopf frei macht, muss nicht ständig auf die Uhr gucken, um den Rhythmus abzupassen. Genau der kann sich nämlich ändern und dann klappt gar nichts mehr, wenn die Kommunikation fehlt. Nicht das Kind streikt in jedem Fall, sondern -so nehme ich an – wird es wohl eher eine gewisse Anspannung bei der Mutter sein.

  3. ich hatte auch immer das gefühl mit der ersten nassen hose am vormittag wird es immer schlimmer. als wenn die kommunikation komplett durcheinander gerät. neuer tag – neuer anfang 😉

  4. Hilfe mir geht es nicht viel anders….er ist jetzt fast 5 Monate und bisher hat es mal besser und mal schlechter geklappt. Aber jetzt will er gar nicht mehr aufs Töpfchen! Er protestiert und rebelliert sobald er den Topf nur sieht. Heute hab ich gewartet bis nach dem Fläschchen, da muss er normalerweise immer! Ich hab ihn mit Spielsachen und Singen abgelenkt und dachte im richtigen Moment schieb ich in den Topf unter….nix da als er musste hat er so lange genörgelt und eingehalten bis ich ihn aufs Handtuch gelegt habe und dann hat er es sofort laufen lassen.
    In der Nacht hab ich es bisher nie versucht, da ich Angst hab ihn zu sehr aufzuwecken.
    Vielleicht hat ja jemand einen guten Rat oder Tip für mich!?

    1. Wenn Dein Kleiner aktuell den Topf nicht mag, dann probiere mit ihm andere Abhaltepostionen und -orte.
      Vielleicht ist auch dieser Blogeintrag für Dich hilfreich: http://windelfrei.blog.de/2013/09/30/anspannung-loslassen-16474214/

      Für das nächtliche Abhalten schau Dir einfach mal das Video an: http://www.youtube.com/watch?v=qkqE59CSntU

      Ansonsten gilt, lieber ein paar (Windelfrei-)Gänge zurückschalten, wenn Du das Gefühl hast, dass Windelfrei Euch stresst.

      … und sehr empfehlenswert sind Windelfrei-Treffen und Kurse, die ein oder andere Mama hat immer ein Tipp parat den man für sich und sein Baby ausprobieren kann: http://www.babysohnewindeln.de/treffenkurse/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.