Begriffssuche

„Windelfrei“
„Topffit“

Das ist schön. Das klingt gut. Aber es führt auch schnell in eine falsche Richtung. Hiermit eröffne ich die Suche nach einem Begriff, der woanders hinführt :).

„Windelfrei“ ist ein schönes Wort. Und ein Wort, das mit „Frei“ erstens impliziert, dass Windeln „unfrei“ machen und zweitens schwingt bei „windelfrei“ immer der 100%-Anspruch mit: „Zieht den Kindern die Windeln aus!!“

Natürlich kann man das machen. Aber es ist viel Stress, es erzeugt viel Frust, wenn man eben nicht in einer Lehmhütte lebt oder für Abhaltestreiks seine tägliche Arbeit am Strand verrichten kann, um sich und das Kind 12x täglich ins Wasser zu tauchen und sauberzumachen. Für unsere Lebensumgebung und unseren Lebensstil sind Windeln zu manchen Gelegenheiten einfach entspannend. Es müssen ja nicht Pampers sein, es gibt viele gute Gründe für Stoffwindeln, aber eben doch Windeln.

Wenn ich von „windelfrei“ spreche, bekomme ich häufig als erstes die entsetzte Frage: „Darf man dann gar keine Windeln mehr verwenden?“ Es klingt einfach so kompromißlos. Daher ist es für Außenstehende abschreckend und Praktizierende sehen sich unbeabsichtigt unter dem Druck, ja keine Windeln verwenden zu dürfen.

„Topffit“ ist auch ein schönes Wort. Und ein Wort, das mit „Fit“ ein Ziel, eine positive Assoziation definiert, deren Gegenteil eben „unfit“ ist. Auch hier schwingt ein Leistungsdruck mit, den keiner der Autorinnen und sicher keine der Erfinderinnen der Wörter im Sinne hatte. Vielleicht liegt es auch an uns „westlichen“ oder speziell an den deutschen Frauen, dass sie aus allem gleich ein Wettrennen machen müssen. Es erinnert mich an einen schönen Eintrag auf Ivyworld von Philipp Kohlhoefer, in dem es um die Frage ging, ob das Nachbarskind eine Banane haben dürfe. „Nur, wenn es eine Biobanane ist!!“ lautete die Antwort der ernährungsfundamentalistischen Mutter.

„Elimination Communication“ ist ein schönes Wort, „EC“ ist eine wunderbare Abkürzung. Aber „Ausscheidungskommunikation“ kann kein Mensch mehr aussprechen, der vier Nächte hintereinander eben wegen selbiger zu wenig geschlafen hat ;).

Es geht um Kommunikation. Es geht für mich einfach darum, auf die Signale des Kinder zu reagieren – wenn sie da sind. Wenn sie nicht da sind, er sich weigert, andere Dinge zu tun hat, nicht mitmacht, dann eben nicht, dann ist das okay. Er soll nur wissen, dass ich da bin und ein Ohr für ihn habe, wenn er signalisiert. Dass ich es ihm anbiete, sich zu erleichtern. So wie ich ihm die Brust anbiete. Wenn er keinen Hunger hat – gut.

Also wäre ein Begriff gut, der Kommunikation beinhaltet, der klar, macht, dass wir einfach zuhören wollen. Und der alles hinsichtlich Wettbewerb, Perfektion oder Leistungsdenken ausschließt. Macht nur Frust und darum geht es ja gar nicht.

Also – was könnte man sagen?

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