OT: Kleine Anekdote aus der Notaufnahme

Heute haben wir mal einen kleinen Abstecher in die Notaufnahme gemacht. Kein großes Ding, Mutter alleine mit zwei Kindern in der S-Bahn und plötzlich sacken mir die Knie weg und mir ist übel und schwindlig und ich merke, dass ich hyperventiliere. Mir war gleich klar, was los ist: Die Kleine hat seit zwei Tagen eine kleine Magen-Darm-Grippe, nicht weiter wild, sie spuckt 1x pro Nacht und ist ansonsten fit. Aber ich dachte gleich: Ui, ich glaub, ich habs. Das kenn ich schon. Magen-Darm ist bei mir ziemlich ätzend, viel mit Kreislauf-Wegsacken und so. Also ein Blick auf den Plan, bis nach Hause waren es noch etwa 45 Minuten (jaja, die Stadt ist groß).

Plötzlich dreht sich alles – blöd, wenn man 10 Kilo schlafendes Baby auf dem Rücken trägt und ein 4-Jähriger unbedingt an den S-Bahn-Haltestangen hochklettern will. Was tun? Waggon leer bis auf einen jungen Kerl mit einer Bierflasche und wir mitten in der Heide. Juchuh.

Ich tat, was ich wohl auch auf einer sinkenden Titanic getan hätte – erstmal Mama anrufen :). Die hat nicht lange gefackelt: „Du rufst jetzt sofort die Feuerwehr an und steigst aus. An welcher Station bist du? Ich komme.“ Gesagt, getan.

Der Große freut sich, „Du darfst gleich Rettungswagen fahren, mein Schatz“ ist Musik in seinen Ohren. Die netten Sanitäter sehen meine Hände zittern, fackeln ebenfalls nicht lange, laden uns ein, messen Blutdruck und entscheiden: „So können sie nicht weiter, wir fahren jetzt ins nächste Krankenhaus.“ Der Große freut sich nen Keks, er darf vorne mitfahren und das Blaulicht ist an – er ist im Vierjährigen-Himmel.
Mir ist alles egal, ich kann kaum noch was sehen, zittere am ganzen Körper und mir ist speiübel. So komme ich sowieso nicht bis nach Hause, dann eben in die Rettungsstelle.

In der Notaufnahme das Rettungsprozedere: Braunüle legen (aua!), Blutdruck messen, EKG („ihr Zittern könnte ein epileptischer Anfall sein“), der Große kriegt was zum Malen, die Kleine sitzt schlecht gelaunt auf meinem Bauch. Stillen mit Braunüle ist wirklich schwierig.

Aber dann. Die unvermeidliche Stilldiskussion.
Ich: „Mir ist so wahnsinnig übel, ich glaube, ich bin nicht krank, ich glaub, ich hab einfach ne Magen-Darm-Grippe und ein Kreislaufproblem.“
Die – wirklich, wirklich tolle und sehr, sehr liebe – Schwester: „Ja, wir schauen uns das jetzt an. Stillen Sie noch?“
„Ja, die Kleine hats auch, sie stillt gerade quasi 100%“
„Ich gebe ihnen jetzt was gegen die Übelkeit, dann dürfen sie die nächsten 24 Stunden aber nicht stillen.
„Das geht leider nicht.“
„Wie alt ist die Kleine denn?“
„15 Monate.“
„Na, da können sie aber schon zufüttern.“
„Ja, ich weiß, aber sie spuckt seit gestern alles, sie stillt derzeit nur.“
„Aber sie brauchen was gegen die Übelkeit.“
„Hm, geht es nicht ohne?“
„Nein, nehmen sie das mal.“
„Das ist sehr, sehr freundlich, aber wenn ich dann nicht stillen kann, dann geht das nicht. Und ich glaube, ich schaffe das. Wenn mir übel ist, muss es ja eh raus…“

Sie ist nicht begeistert, lässt aber von meiner Braunüle ab und geht erstmal.
Fünf Minuten später die gleiche Diskussion: „Sie brauchen was gegen die Übelkeit.“ „Ja, ich sehe, ein, das ist jetzt doof mit dem Stillen, aber ich kann es nicht ändern.“ Pause. Der Arzt fragt auch nochmal. Nein, verflixt, mir ist in jeder Schwangerschaft monatelang übel, ich brauche wirklich wirklich nix…

Wieder fünf Minuten später rufe ich nach einer Tüte. Alles rennt hektisch herum. Ich erleichtere mich glücklich in einen dieser durchsichtigen Plastiksäcke. „Mannomann“, sagt der nette Assistenzarzt, „Sie haben mir gerade zwei Liter Flüssigkeit hingestellt, das musste wohl raus.“

Jaja, lieber Mann, das musste raus. Mir geht es sofort besser. DAS war mein Mittel gegen die Übelkeit :). Gegen den Kreislaufkollaps – ich kann trinken, aber nix davon behalten – bekomme ich eine Flüssigkeitsinfusion und Kalium. Eine Stunde später bin ich wieder in einem einigermaßen vernünftigen Zustand und darf gehen.

Der Große meckert, weil er sein Bild nicht zu Ende malen darf, das er angefangen hat. Die Kleine hängt an der Brust – und stillt sich nach all der Aufregung in den Schlaf. Selig.

🙂

10 Gedanken zu „OT: Kleine Anekdote aus der Notaufnahme

  1. oh fantastisch, die stilldisskussion 😀 !!
    ich bin mir nicht sicher ob ich jemals so lange stillen werde, aber supi, wie du nicht angelassen hast:) und was die leute immer mit zufüttern wollen ^^

  2. oh fantastisch, die stilldisskussion 😀 !!
    ich bin mir nicht sicher ob ich jemals so lange stillen werde, aber supi, wie du nicht angelassen hast:) und was die leute immer mit zufüttern wollen ^^

  3. das hast du gut gemacht 😉 jetzt hab ich schon mal eine blaupause falls uns mal so etwas passieren sollte. deine kinder haben es gut. selbst auf der sinkenden titanic wird NOCH GESTILLT. euch gute besserung.

  4. Boah, jetzt hab ich echt Gänsehaut bekommen. Mit Kindern in selber Anzahl und selbem Alter, in der selben Stadt kann ich nachfühlen, wie krass das gewesen sein muss. Ich glaub, ich hätte nicht so schnell daran gedacht, jemanden anzurufen. Die Stilldiskussion kenne ich auch zur Genüge. Ich hoffe, es geht dir wieder besser. LG. Dana

  5. Boah, jetzt hab ich echt Gänsehaut bekommen. Mit Kindern in selber Anzahl und selbem Alter, in der selben Stadt kann ich nachfühlen, wie krass das gewesen sein muss. Ich glaub, ich hätte nicht so schnell daran gedacht, jemanden anzurufen. Die Stilldiskussion kenne ich auch zur Genüge. Ich hoffe, es geht dir wieder besser. LG. Dana

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.