Windelfrei-Mythen

„Windelfrei-Familien erkennt man am Geruch!“ „Die Mütter müssen ständig auf ihre Babies achten!“ – bei den Rabeneltern gibt es eine Menge schöne Windelfrei-Mythen oder Ammenmärchen und ihre wahren Hintergründe.

Ich hab auch noch zwei:

1. „Windelfrei-Kinder sind alle mit 10 Monaten selbstständig sauber“

Es mag diese Kinder geben, so wie es ja auch Kinder gibt, die mit 10 Monaten laufen. Wenn Windelfrei-Mamas sagen, ihr Kinder seien „sauber“, meinen sie aber nach meiner Erfahrung meistens nicht „selbsständig sauber“. Die Kinder lassen sich abhalten und machen daher – wenn Mama sie regelmäßig abhält – in keine Windel oder in kein Back-Up mehr. Sie bleiben also „sauber“. Der feine Unterschied ist der, dass sie nicht „selbstständig sauber“ sind, was ja die landläufige Definition von „sauber“ beinhaltet. Sie sagen also weder jedes Geschäft von alleine vorher an noch gehen sie selbst ins Bad und erledigen es ohne Hilfe.

Windelfrei-Kinder sind „mit Hilfe sauber“, daher kommt z.B. auch der Name „Assisted Infant Toilet Training“ (AITT). Nach der „mit Hilfe sauber“ – Definition können Windelfrei-Kinder im Prinzip sauber sein, sobald sie anfangen, aufs Abhalten zu warten. Das ist bei den meisten mit 3-4 Monaten der Fall. „Selbstständig sauber“ sind die meist irgendwo um die 24-Monats-Grenze herum. Das war früher „normal“, heute ist das eher früh, soweit ich das beurteilen kann werden die meisten Kinder um uns herum eher mit 30 oder gar 36 Monaten erst richtig „selbstständig sauber“.

2. „Wer 100% Windelfrei praktiziert, hat keinerlei Probleme mit Streiks oder ähnlichem“

Es wäre klasse, wenn es so wäre, und doch ist meine Erfahrung eine andere. Wir sind ja sowieso Teilzeit-Windelfrei, aber um mich herum gibt es ein paar tolle, konsequente 100%-Windelfrei-Familien – und sie haben auch Streiks erlebt. Manche hatten sogar Streiks, die Monate dauerten, während wir meistens nach ein paar Tagen, selten Wochen wieder zusammengearbeitet haben.

Der Sohn einer Freundin hat sich z.B. monatelang nicht abhalten lassen und dann plötzlich aus heiterem Himmel drei Wochen lang doch wieder als wäre nichts gewesen – und dann plötzlich wieder nicht mehr. Und das, obwohl sie konsequent keine Wegwerfwindeln verwendet, das Abhalten immer mal wieder anbietet etc. Andere Mütter berichten, dass sie überhaupt nie Streiks haben.

Der Gedanke, der mir immer wieder kommt: Kinder scheinen auch bei diesem Thema sehr individuell zu sein. Windelfrei ist keine Garantie für nix – nicht für Kooperation des Kindes, nicht für frühes Sauberwerden, ich hab sogar schon von Kindern gehört, die trotz Windelfrei immer mal einen wunden Po beim Zahnen haben.

Warum also Windelfrei? könnte man jetzt fragen. Nun, der Umweltaspekt bleibt, es bleibt auch dabei, dass sie alle ohne großes Töpfchentraining meist im zweiten Lebensjahr zuverlässig sauber sind und es bleibt eine schöne Möglichkeit, mit seinem Kind zu kommunizieren. Selbst wenn das Kind ein „Nein“ kommuniziert, habe ich immer das Gefühl: Wie schön, dass er die Möglichkeit hat, hier eine Entscheidung zu treffen – ist ja schließlich seine Windel bzw. sein Körper. Und wenn es dann doch mal zu Kooperation kommt – ein Traum. Wir sind ja derzeit wieder komplett Windel- und Backup-Frei, weil wir einfach ein eingespieltes, sommermotiviertes Team sind und das ist ein unglaublich schönes Gefühl.

Ein Gedanke zu „Windelfrei-Mythen

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