Kinderfotos im Netz – ja oder nein?

Im Netz läuft eine Debatte, ob Kinderfotos ins Netz gestellt werden sollten oder nicht. Das „Nuf Advanced“ hat darüber hier klug und ausführlich geschrieben.

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Ich finde das Thema besonders brisant in der Windelfrei-Szene – stellen wir Fotos von unseren Kindern beim Ins-Töpfchen-Machen oder Abhalten ins Netz oder nicht? Eltern tun dies zunehmend, auch in der Windelfrei-Szene. Aber ist das fair?

Ich versuche, nach vorne zu denken und mich in die Kinder hineinzuversetzen (und ich bin mir bewusst, dass ich das nicht kann – mit 20.000 Views war es das meistverbreitete Statement vom Artgerecht-Projekt seit langem!)

Aber denke ich mal nach vorne, frage ich mich:

Wie fühlt sich mein 14-Jähriger, wenn Klassenkameraden seine Kinder-Kacka-Fotos im Netz finden?
Wie fühlt sich meine 16-Jährige, wenn jemand ihre ggf. nackten Kinderbilder im Netz findet – und sogar zu ihr zurückverfolgen kann?

Philipp Wampfler schreibt auf seinem Social-Media-Blog:

„Wer fotografiert wird, hat das Recht am eigenen Bild. Es bedeutet, vereinfacht gesagt, dass fotografierte Personen bestimmen dürfen, wie und ob ihr Bild veröffentlich wird – außer, man befindet sich an einem Anlass, wo man gerechnet werden muss, dass Bilder gemacht und publiziert werden, oder man ist eine Person, an der ein sehr starkes öffentliches Interesse besteht. “

Wenn ich auf dem Klo sitze, ist das definitiv keine Situation, in der ich damit rechne, fotografiert zu werden. Und es gibt auch kein öffentliches Interesse daran, unsere Kinder aufm Topf zu sehen – oder?

Ich bin da sehr gespalten.

Einerseits gibt es von meinen Kindern keine Fotos im Netz, auf denen sie erkennbar sind. Wenn sie online gehen, dann von hinten, dick eingepackt und nie in Situationen, in denen ich auch nicht fotografiert werden möchte.

Andererseits sind wir beim Artgerecht-Projekt ja selbst DANKBAR für jedes Geburt- Still – und Abhalte-Foto, das jemand online stellt. Warum? Weil es einfach viel plastischer macht, wovon wir reden. Weil Menschen glauben, was sie sehen. Wie Schopenhauer sagte: „Was das Auge sieht, hat unmittelbare Überzeugungskraft.“

Und je öfter wir stillende oder abhaltende Eltern sehen, desto normaler wird etwas, das ja eigentlich normal ist. Dumm nur: Wenn die Eltern es im Camp, auf der Strasse oder beim Elterntreffen sehen, dann ist es in 15 Jahren nicht mehr „abrufbar“. Wenn wir es ins Netz stellen, dann schon. Gleichzeitig funktioniert das Netz nunmal über Bilder. Ein Bild entscheidet oft darüber, ob jemand einen Artikel liest oder nicht.

Super schwer zu entscheiden: Was wiegt mehr, die Persönlichkeitsrechte unserer Babys oder die Notwendigkeit, natürliche Säuglingspflege wieder „normal“ werden zu lassen?

Ich freue mich auf eine Diskussion – hier oder auf Facebook.

5 Gedanken zu „Kinderfotos im Netz – ja oder nein?

  1. Warum glaubt eigentlich jeder, dass das Internet „nie vergessen“ würde? Das ist sicherlich nah an der Wahrheit für Berühmtheiten, aber für den Otto-Normal-Mensch nicht. Oder habt Ihr mal versucht, Bilder von Euch von vor 5 Jahren im Internet wiederzufinden? Selbst dann, wenn Ihr wisst, dass sie irgendwo sein mögen, ist das extrem schwierig. Es sollten also alle mal entspannter sein im Umgang mit dem Internet.

  2. Besonders auf Facebook finde ich das zurückverfolgen echt schlimm. Damals hat eine Freundin von mir ein Foto bei FB rein gestellt wo sie meine ältere Tochter auf dem Arm hat(nichts Welt bewegendes – eine Frau hält ein Kind auf dem Arm). Als ich mich mal selbst googelte habe ich genau dieses Bild gefunden, obwohl das Bild schon 2 Jahre zuvor gepostet wurde. Meine Freundin hatte mich auf dem Bild markiert und da wir in einer Freundesliste waren, konnte google durch FB erkennen dass das zu mir gehört bzw. zu dem Namen (also meinen) gehörte. Schon krass. Ich kenne auch welche die in Babyforen mit Fotoalbum-funktion wirklich vollkommen Nackte Bilder einstellen, teilweise auch mit (angedeuteten) Genitalien(!). Die wussten nicht mal dass diese Bilder frei öffentlich zu sehen sind. Man muss nicht mal Forumuser sein um die Bilder zu sehen… Bei solchen Bildern konnte ich mir nie verkneifen ein Kommentar zu hinterlassen. Manche haben dann das Foto entfernt oder eben den Genitalbereich mit einem scherzen Balken verdeckt.

  3. Liebe PF, ich habe mich neulich auch gegoogelt und Bilder gefunden, die ich völlig vergessen hatte. Ich schäme mich nicht für diese Bilder, aber sie zeigen nicht mich, wie ich heute denke und fühle. Mir wäre es lieber, sie wären nicht zu sehen. Also ich habe schon Respekt vor dem Gedächtnis des Netzes!

  4. Wenn Facebook- Freunde einen ins Netz stellen und verlinken ist dies natürlich über google zu finden. Wenn ich selbst mal irgendwann vor vielen Jahren etwas postete und selbst gelöscht habe oder löschen ließ, dann wurde ich bisher selbst bei gezielter Suche nie fündig.
    Und selbst von Stars habe ich schon Bilder gesehen, die ich später nicht mehr finden konnte.
    Wer natürlich seine Kinder durch die Welt schickt, muss sich nicht wundern, wenn sie von anderen gespeichert und ggf. Weiter verteilt werden. Ich untersage sowas für mich selbst und käme wohl deshalb nie auf die Idee potentiell peinliche Kinderfotos ins öffentliche Netz zu stellen.

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