Mit dem Baby im Kontakt bleiben!

Die Windelfrei-Erfahrungsberichte-Serie

Franziska erwischte eine Windelfrei-begeisterte Hebamme und konnte somit ab Geburt ihres Kind mit dem Abhalten starten:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Auf der Homepage des Geburtshauses, in dem ich entbinden wollte, war eine Linkliste zum Thema. So bin ich auch zu eurem Blog gekommen. Das aber erst nach der Geburt. Ich hab im Internet ein wenig drüber gelesen und war sofort begeistert. Auch war ich überzeugt, dass das klappen kann. Das Argument, dass die meisten Kinder auf dieser Welt so aufwachsen, fand ich so überzeugend. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, WIE das klappt. Aber, DASS es klappt, davon war ich überzeugt.
Ich habe dann in einem Vorsorgegespräch mit der Hebamme das Thema „Wickeln und Windelfrei“ angesprochen. Und zwar zufällig genau bei der Hebamme, die sich sehr für Windelfrei engagiert und die auch eine Windelfrei-Gruppe im Geburtshaus anbietet. Sie hat uns Windelfrei nochmal ausführlich erklärt. Und ich glaube, vor allem für meinen Freund war das hilfreich, von einer „kompetenten“ Person alles erklärt zu kriegen und nicht nur von der verrückten Freundin. Ich besuchte vor der Geburt schon mal die Windelfrei-Gruppe und hab mir das angehört. Seitdem bin ich fast immer dort.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Wir haben zwar nach der Geburt mit Stoffwindeln gewickelt, haben unsere Tochter aber immer wieder abgehalten, wenn wir dachten sie muss. Bis sie ungefähr 6 Monate oder so war, konnten wir gut an zwei Händen abzählen, wie oft sie in die Windel bzw. Hose gekackert hatte. Die Windel komplett weggelassen haben wir dann im Laufe des Sommers. Als sie circa 4 oder 5 Monate alt war, da hab ich ihr nur eine Strumpfhose und eine minikleine Unterhosen angezogen.

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Wirklich keine Ahnung.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
Ich habe von der Uni aus Exkursionen, die 4 Stunden oder länger dauern, wo ich ihr dann so Wegwerf-Trainer-(?)-Windeln anziehe. Ich habe für mich entschieden, wenn ich eigentlich dem Dozent zuhören und zeitgleich nach ihr kucken soll, dass sie nicht irgendwelche ungeschickten Pflanzen vespert, dass ich dann nicht auch noch darauf achten kann, ob sie jetzt pinkeln muss oder nicht. Zudem hat sie, seit sie feste Nahrung richtig verwertet, was jetzt erst seit etwa 2 Monaten angefangen hat, manchmal ein bisschen Probleme mit dem Stuhlgang: entweder er ist zu fest und dann kann sie besonders gut, wenn sie steht (warum auch immer), oder er ist viel zu flüssig und dann flutscht’s sowieso raus, wenn sie irgendwelche anderen Anstrengungen unternimmt – wie z.B. sich hochziehen und an der Eckbank rumlaufen und so Zeugs. Und dann mitten in der Exkursion eine vollgekackte Hose zu wechseln wär mir persönlich jetzt nicht so recht… Sie ist jetzt 13 Monate alt.

Nutzt Du auch andere Backups?
Wir haben verschiedenes probiert: eine Mullwindel ins Unterhöschen oder auch eine Slipeinlage. Aber das habe ich schnell wieder gelassen, weil ich die Erfahrung gemacht hab: nass ist nass und auch wenn die Mullwindel oder die Einlage bissl was aufsaugt. Sie ist trotzdem so nass, dass sie eine neue Hose braucht. In der Nacht mach ich’s aber so, dass sie eine Mullwindel zwischen die Beine bekommt und wenn ichs schaff bzw. merke und sie dann auch möchte, halte ich sie ab. Kommt aber sehr selten vor. Die Mullwindel kann ich dann ja ganz schnell wechseln, weil sie immer unten ohne schläft.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Nie, außer als sie im Winter an zwei Tagen die Stoffwindel recht lange anhatte, hatte sie einen roten Popo. Aber das war nach zwei Tagen und bisschen Creme und natürlich in der Zeit keinerlei Windeln, wieder weg. Also ich glaube echt harmlos…

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
nach dem Aufwachen – eigentlich immer und das klappt auch immer. Außer in der Nacht. Aber da würde ich jetzt auch nicht von „Aufwachen“ reden…ist ja eigentlich das Ziel, dass die Kinder genau das nicht tun
beim Stillen – haben wir nie gemacht bzw. wir haben das Stillen dann halt unterbrochen. Beim Stillen merkt man schon ziemlich gut, wann sie müssen. Aber da ich ziemliche Probleme beim Stillen hatte, konnte ich da nicht auch noch ans Abhalten währenddessen denken. Manchmal, wenn sie pustet  – das heißt beim Stillen eigentlich meistens, dass sie auch muss. Oder sie beißt.
nach dem Stillen – manchmal
nach dem Spielen – nein, da es doch recht fließende Übergänge sind, würde ich nicht sagen ’nach dem Spielen‘.
Andere: meistens, wenn ich sie aus Tragetuch oder jetzt Manduca rausnehme. Ganz selten hat sie mich da auch angepieselt. Vielleicht 4 oder 5 Mal, weil sie IN der Tragehilfe SEHR zuverlässig Bescheid sagt. Bevor ich sie in den Autositz setze auch meistens.

Wann klappt es am besten?
Wenn sie will.  Manchmal bin ich sooooooo sicher, dass sie muss und sie will partout nicht abgehalten werden. Setze ich sie irgendwo hin, kann ich darauf wetten, dass sie gepieselt hat. Aber prinzipiell geht es schlechter, wenn ich gestresst bin. Aber momentan ist es echt so: wenn sie will. Sonst nicht. Also prinzipiell ja immer nur, wenn die Kinder auch wollen. Ich habe das Gefühl, dass sie momentan einfach in Kauf nimmt, dass sie halt dann ’ne nasse Hose hat und das schon auch weiß, wie, wo, was.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Nach dem Aufstehen fast gar keine. Sonst schon so fünf Minuten. Manchmal länger, manchmal kürzer. Denke in dieser Rubrik ist es einfach wichtig zu sagen, dass die Kinder auch kurz warten können, wenn man mit ihnen kommuniziert und ihnen sagt, dass man sie verstanden hat. Zumindest ist das meine Erfahrung. Ich denke auch die Erfahrung der ein oder anderen Windelfrei-Mutter bzw. des ein oder andern Windelfrei-Vaters.

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Wir haben eine große Plastikwanne genutzt. Einen Plastikblumentopf. Irgendwelche Eimer die gerade geschickt rumstanden.  Seit einiger Zeit ein Retro-Töpfchen, was schon 40 Jahre alt ist, mit einer Katze und einem Reh drauf.

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein: eher mehr Arbeit – eher weniger Arbeit – genauso viel Arbeit wie beim Wickeln?
Manchmal mehr, manchmal weniger. Insgesamt gesehen aber DEUTLICH weniger als beim Wickeln. Es fallen für mich die Windelbesorgungseinkäufe weg. Und die Windel-und-anderes-dafür-benötigte-Equipment-Schlepperei und immer dran denken müssen, wenn man irgendwo hin geht. Das Wickeln selber natürlich. Das Waschen von Stoffwindeln (obwohl ich ja doch ab und an welche wasche, weil sie nachts ja eine Mullwindeln zwischen die Beine bekommt). Das Entsorgen von WWW. Das Runterkratzen des großen Geschäfts vom Kind. Das ist einfach viel entspannter, wenn man einfach nur das Töpfchen leeren muss und den Popo abwischt. Auch und vor allem für das Kind!

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seid ihr Windelfrei macht und was?
Da wir das ja schon ziemlich ab Geburt gemacht haben, hat sich da nicht groß was verändert. Aber ich bin ziemlich froh, dass ich meistens den Grund ihres Unmutes erkennen kann, da ich ihre Klobedürfnisse als Grund für Unmut mit bedenke. Und dem ist ja dann meist so schnell abgeholfen…

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Weitermachen. Ich war auch mal ein bisschen gestresst, weil ich wirklich darauf wetten konnte, dass sie muss, aber nicht wollte. Und wenn sie dann auf dem Boden saß, garantiert gleich losgepieselt hat. Da muss man entweder sagen: ok, dann jetzt halt mit Windeln oder ok, dann putz ich halt. Aber niemals dem Kind irgendwie Vorwürfe machen. Das Kind macht’s, wie es für sich selbst gerade passt und wir sollten uns daran anpassen. Was ich selbst noch unbedingt besser lernen muss: dem Kind mehr ver- oder zutrauen: manchmal gibt sie einen ganzen Nachmittag lang keine Zeichen und auch beim Abhalten nach dem Motto „Jetzt müsste aber mal wieder was…“, pieselt sie nicht. Da muss ich auch lernen, dass ich vielleicht auf sie höre. Aber prinzipiell einfach machen. So viele Regeln kann man da auch nicht aufstellen und wenn, dann ändern die sich eh ständig. Einfach in Kontakt mit dem Kind bleiben in der Hinsicht. Und sich nicht so arg an Kinderpipi stören.  Kinder/Babys können das!

Dankeschön für Deinen Bericht!

3 Gedanken zu „Mit dem Baby im Kontakt bleiben!

  1. Das Geburtshaus ist in Villingen im Schwarzwald und ist echt toll!Die Treffen sind leider nur jeden zweiten Monat,immer so Mitte des Monats. Kann man im Internet kucken, wenn man „s´Hebammenhaus“ eingibt.
    P.S.:Es ist super, was ihr macht!
    Liebe Grüße Franziska mit Froschi

  2. Toller Bericht.

    Ich habe am 20.03. auch in Villingen meine Tochter zur Welt gebracht.
    Ich kann das Geburtshaus sehr empfehlen. Ich hatte eine Traumgeburt ohne Schmerzen. Die Hebammen dort sind auch super nett. Leider wohne ich etwas weiter weg und habe nicht wirklich die Möglichkeit zu den Treffen zu gehen.

    Liebe Grüsse von Maria & Julie

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