Es ist nur Babypipi!

Die Windelfrei-Erfahrungsberichte-Serie

Der heutige Erfahrungsbericht kommt von Windelfrei-Coach Franziska:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Im Geburtsvorbereitungskurs meiner tollen Hebamme Judith Meyer lag ein Buch, „Es geht auch ohne Windeln“ von Ingrid Bauer. Hahaha dachte ich, na klar.  Dann las ich den Klappentext und habe in den Kurspausen fast das halbe Buch verschlungen. Es war wie eine Erleuchtung! NATÜRLICH können die Babys das. NATÜRLICH brauchen sie keine Windeln. Und… Ach sooo machen die das überall sonst, wo es keine Windeln gibt! (Das habe ich mich früher immer gefragt…)

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Erster Versuch mit erstem Kind gleich nach der Geburt, sie fand es aber doof und hat immer geweint, und wir waren noch so unsicher mit diesem kleinen Würmchen. Nach drei Monaten dachte ich, jetzt könnten wir es noch mal probieren und haben sie nach dem Mittagschlaf abgehalten und zack! Im hohen Bogen fröhlich ins Waschbecken gepieselt.

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Schwer zu sagen. Mal 8 und mal gar keine, je nach Alter des Kindes und Tagesform und was an dem Tag los war.  Zu Hause und in bekannten Umgebungen waren wir gut eingespielt und haben fast immer nur sehr wenig bis keine Windeln gebraucht, unterwegs oder auf dem Spielplatz hatte sie eine an, weil es zu aufregend war und sie nicht Bescheid gesagt hat.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
Sie ist jetzt 27 Monate und wir brauchen noch eine Windel in der Nacht. Tagsüber gar nichts mehr seit sie ca. 20 Monate alt war, und seitdem vielleicht 10 Pipi-Unfälle insgesamt.

Nutzt Du auch andere Backups?
Wir haben WWW genutzt oder auch WWW mit einer Stoffeinlage drin, später dann Unterhosen mit Stück Mullwindel drin.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Nein, NIE! Beim Zahnen nicht, bei Fieber nicht, bei Durchfall nicht.

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
nach dem Aufwachen – Ja
beim Stillen – die ersten drei Monate, Ja
nach dem Stillen – Ja
nach dem Spielen – Ja
Andere: wenn wir nach Hause kommen; beim Herausnehmen aus der Trage

Wann klappt es am besten?
Unterwegs in Tuch oder Trage. IMMER geklappt, sie hat immer Bescheid „gesagt“.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Manchmal nach dem Aufwachen nur ein paar Sekunden, da hat sie schon gepieselt, kaum dass ich die Windel geöffnet hatte. Manchmal auch eine halbe Stunde, wenn sie in der Trage wach wurde und wir erst noch ein Klo gesucht haben.

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Den Hoppop Donut Topf

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein: eher mehr Arbeit – eher weniger Arbeit – genauso viel Arbeit wie beim Wickeln?
Eher eine ANDERE Form der Arbeit. Ich hatte das eben immer mit im Hinterkopf, ob sie evtl. mal müssen könnte, wenn sie quengelte, oder wann sie zuletzt war. Wenn wir irgendwo ankamen, sind wir zuerst aufs Klo, bevor ich mich entspannt niederlassen konnte. Wenn wir unterwegs waren, musste ich eben ein Klo oder einen Baum suchen und habe nicht unbedingt immer bis zu Hause gewartet. Weniger Arbeit ist es definitiv auf lange Sicht, denn die großen Geschäfte gingen seit sie ca. 12 Monate war, zuverlässig (95%) ins Klo. Ich musste also nie einem mobilen Kleinkind mit den Feuchttüchern hinterherrennen oder das Kind auf dem Boden festhalten, um es neu zu wickeln. Ich habe in den Monaten 6 bis 12 vielleicht maximal 10 Windeln mit großem Geschäft gewechselt, der Rest ging direkt ins Klo. DAS nenne ich doch mal weniger Arbeit und vor allem ANGENEHMERE Arbeit. 

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Ich weiß, dass die Babys es können und sich mitteilen und nicht einfach nur schreien ohne Grund. Sie kommunizieren mit uns und wenn wir genau hinhören, können wir sie verstehen. Ich sehe die Babys jetzt mehr als Menschen, die Bedürfnisse haben, die wir nicht ignorieren sollten. Nur weil sie sich nicht mehr beschweren ab einem bestimmten Zeitpunkt, heißt das nicht, dass sie es gut finden, vier bis sechs Stunden lang (so lautet die Wickel-Häufigkeits-Empfehlung in einigen Ratgebern) in den vollen Windeln zu stecken. Ich finde es ganz erstaunlich, wie schon diese winzigen, sonst so hilflosen Geschöpfe in der Lage sind zu sagen, „Mama! Hilf mir, da ist irgendwas komisch. Mach, dass es aufhört!“ Und ich finde es unglaublich, dass noch so viele Leute – Ärzte eingeschlossen – behaupten, das sei nur Zufall oder gute Gene. Ich sehe es jeden Tag bei so vielen Babys, die von Geburt an Kontrolle über ihre Schließmuskeln haben. Das kann einfach kein Zufall sein.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Informiert euch. Sucht euch Gleichgesinnte. Stellt Fragen. Geht zu (Windelfrei-)Treffen. Tauscht euch aus. Überzeugt die FreundInnen. Gemeinsam macht es viiiel mehr Spaß!  Und: Cool bleiben. Wenn was daneben geht, entspannen. Es ist nur Babypipi!

Vielen lieben Dank!

0 Gedanken zu „Es ist nur Babypipi!

  1. Ein guter Artikel, der Mut macht. Aber bei aller Liebe zum Windelfrei sein und dem Abhalten des Kindes . Mit 27 Monaten sollte ein Kind meiner Ansicht nach definititv komplett sauber sein und überhaupt keine Windeln mehr brauchen.

  2. Danke für den super Beitrag!

    Liebe Sue, unser drittes Kind, ein Mädchen, ist gerade 3 geworden und trägt in der Nacht auch noch Windeln obwohl sie von Geburt an Windelfrei ist. Sie erwacht einfach nicht in der Nacht. Das war bei unserer Ältesten auch so. Sie ist jetzt 7 und muss jede Nacht auf die Toilette. Sie ist also Nachts nicht ‚trocken‘, kann aber selber gehen. Die Kleine noch nicht. Ganz anders bei unserem ersten Jungen, der musste bereits mit 15 Monaten nicht mehr in der Nacht. So ist das halt von Kind zu Kind verschieden, auch wenn von Geburt an Windelfrei gemacht wurde.

    Liebe Grüsse
    Caroline

  3. Ein prima WF-Beitrag, der mir zeigt, wir sind auf dem richtigen Weg.

    Aber Sue, mit 27 muss ein Kind definitiv noch nicht komplett trocken sein, ohne WF schon gar nicht. Bei meinem Dreijährigen (ohne WF) war ich besorgt, dass so gar nichts voran ging mit Trockenwerden. Ich habe mich dann beraten lassen und dort wurde mir gesagt, mit 5 Jahren müsse man es ärztlich abklären lassen, vorher nicht. Und es gibt viele Umständeund Gründe (Vererbung, sehr intelligente Kinder, anatomisch späte Entwicklung…) warum ein Kind vorher eventuell noch nicht trocken ist, auch wenn die Masse es ist. Und siehe da, genau seit dem vierten Geburtstag ist er trocken. Meine Kleine (21M) ist WF und hat natürlich ein viel besseres Gespür. Aber auch sie schein noch relativ weit vom komplett Trocken sein entfernt zu sein.

  4. Vielen Dank für deine ersten 3 Sätze unter „Kindeswahrnehmung“!
    Das ist für mich so ein großes Wunder zu lesen, dass dies möglich ist.
    Und vor allem liegt so eine große Chance darin, eine gute Kommunikation und eine tiefe Beziehung zum Kind aufzubauen, die einem durch das typische Windeln völlig entgeht!

    Dass es sehr gut im Tragetuch klappt (das Signal vom Kind zu bekommen, bzw. wahrzunehmen), schreiben hier viele. Vielleicht, weil da der Kontakt zwischen Mutter und Kind einfach am Besten da ist!?

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