Windelfrei trotz Hüftschiene

Die Windelfrei-Erfahrungsberichte-Serie

Maria hatte keinen einfachen Windelfrei-Start. Wie sie trotzdem versucht hat auf die Bedürfnisse ihres Babys einzugehen, lest Ihr heute:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Das Buch „Es geht auch ohne Windeln“ gelesen habe ich schon beim zweiten Kind. Doch obwohl ich meinen Sohn daraufhin eins-, zweimal erfolgreich abhielt, bin ich irgendwie wieder davon abgekommen – wir mussten mehrmals länger ins Krankenhaus und das war, zusammen mit einer auch erst zwei Jahre alten „großen“ Tochter, wohl einfach zu stressig für mich damals, da dabeizubleiben. Sieben Jahre später, während der dritten Schwangerschaft, habe ich das Buch dann wieder rausgeholt und mir auch noch „Geborgene Babies“ besorgt. Dann war klar, dass es dieses Mal auf jeden Fall die „Rundum-artgerecht-aufwachs-Packung“ gibt, also Abhalten, Familienbett, ganz viel Tragen (noch mehr als bei den beiden Großen) und richtig lange Stillen (noch länger als bei den Großen).

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Unsere Schlüssellaute habe ich schon an den ersten beiden Tagen im Krankenhaus gemacht. Leider hieß es bei der U2 dann „Breit wickeln wegen sehr unreifer Hüfte“. Wir haben deshalb zuhause immer noch eine Stoffwindel zusätzlich zur WWW zwischen die Beinchen gelegt, sind aber immer, wenn sich unsere Kleine gemeldet hat, mit ihr zur Toilette gegangen. Die U3 ergab dann, dass sie fast einen Hüftgips gebraucht hätte, wir haben aber erstmal „nur“ die Tübinger Hüftbeugeschiene bekommen. Doch schon nach einem Tag zuhause war klar, dass wir die Schiene niemals 23h am Tag umhaben und gleichzeitig oft genug zur Toilette gehen können, um einen wunden Po zu vermeiden. Also habe ich Wollstulpen bestellt und als Stramplerersatz über Hemdchen und Pullover noch einen Body gezogen. So konnten wir, wenn auch mit etwas Gefummel, die Windel auf der Toilette abmachen und die Schiene gleichzeitig dranlassen. Allerdings war das nur mit WWW einigermaßen händelbar. Mit viereinhalb Monaten durfte die Hüftbeugeschiene dann wieder ab und seitdem gehen wir ganz unbeschwert zur Toilette und können jetzt richtig windelfrei sein.

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Besonders in den ersten Monaten unheimlich viele, da es so oft feuchte Pupse gab, nach denen ich, genau wie nach zu spät erwischtem Pipi, immmer gleich gewechselt habe (eine Hochrechnung unseres wöchentlichen Windelverbrauchs ergab bis zu 14 Stück am Tag). Da es mit der Hüftbeugeschiene ja immer etwas länger dauerte, ist halt auch relativ oft etwas in die Windel gelaufen.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
Unsere „Kleine“ ist jetzt sieben Monate alt. Unser Windelverbrauch hängt sehr vom Tagesgeschehen ab – sind wir viel mit dem Auto unterwegs, gibt`s auch viele Windeln. An einem ruhigen Sonntag zuhause und im Grünen machen wir gar keine Windeln um. Allerdings gibt es bei uns nachts immer eine Windel um (auch wenn sie sie bis ca. 4:00 morgens wohl nicht bräuchte), da bin ich einfach faul…

Nutzt Du auch andere Backups?
In den ersten Wochen nach der Hüftbeugeschiene habe ich meistens in die Schlüpferchen eine Slipeinlage geklebt, wegen der Pupsies. Mittlerweile lassen wir die aber weg und ziehen entweder Schlüpfer, Strumpfhose und Hose an oder eine Splitpant.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Ja, sie wird sehr schnell wund, wenn zum Beispiel doch mal während einer Autofahrt etwas am Po kleben bleibt.

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
nach dem Aufwachen –  immer
beim Stillen – ja, das An- und Abdocken war von Anfang an eines der deutlichsten Zeichen
nach dem Stillen – ja
nach dem Spielen – so lang sind unsere Spielzeiten ja noch nicht, allerdings drückt das auf dem Bauch liegen sehr auf die Blase, deshalb führt das Spielen meist zur Toilette
Andere: beim Tragen, wenn sie sich vom Körper des Tragenden wegschiebt; außerdem sagt sie, seit sie fünf Monate alt ist, oft laut und bedeutungsschwanger „Aah“ oder „Ah-ah“, wenn sie mal muss (zwar nicht immer, aber immer öfter )

Wann klappt es am besten?
Nach dem Aufwachen und sonst, wenn sie noch nicht zu müde ist.

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Nach dem Aufwachen träumt sie oft noch ein Weilchen mit offenen Augen in der Trage vor sich hin, das kann bis 10 min dauern. Wenn sie anzeigt, dass sie muss, sollten wir innerhalb der nächsten fünf Minuten zur Toilette, sonst ist für alle Umziehen angesagt.

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Anfangs habe ich mich hinter ihr auf die Toilette gesetzt. Da sie aber gern in hohem Bogen pullert und oft auch mal länger braucht, haben wir jetzt in jedem Bad ein bequemes Asiatöpfchen, das ich auch unterwegs nutze (wenn ich dran denke).

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein?
Genauso viel Zeit wie beim Wickeln, weil sie oft auch länger braucht, bis vor allem das große Geschäft erscheint. Allerdings ist diese Zeit angenehmer verbracht, als wenn man vollgeschieterte Pos saubermachen und Klamotten wechseln muss. Deshalb helfen die großen Geschwister auch ganz gerne mit. Ihre große Schwester nimmt sich oft sogar was zum Lesen mit, wenn sie mit ihr aufs Töpfchen geht.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Ja, das ist schon eine tolle Sache, wie viel so ein kleiner Mensch sagen kann, obwohl er noch gar nicht sprechen kann… Das habe ich bei den beiden Großen nicht so stark empfunden.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Auf keinen Fall entmutigen lassen – einfach weitermachen! Auch wenn die äußeren Umstände vielleicht nicht so günstig sind, findet sich doch fast immer eine (Kompromiss-)Lösung. Selbst wenn man weit davon entfernt ist, komplett ohne Windeln zu leben, zeigt man dem Kind doch mit jedem Mal, wenn man auf ein Zeichen hin abhält, dass man seine Bedürfnisse und seine Kommunikation wahrnimmt. Und wenn’s mal Phasen gibt, wo man irgendwie wieder ganz viel wickelt – es liegt in der Natur von Phasen, auch ein Ende zu haben!

Ein herzliches Dankeschön für Deinen Bericht.

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