Welt-Down-Syndrom-Tag 2012

Heute ist der internationale Welt-Down-Syndrom-Tag. Ein Grund mehr zu den Menschen mit dem besonderen Handicap in unserer Gesellschaft zu schauen.

Welt-Down-Syndrom-Tag 2012

Ein bindungs- und bedürfnisorientierter Umgang mit Kinder mit Down-Syndrom ist genauso wichtig wie für alle anderen Kinder auch. Ich denke zu diesem Bindungs-/Bedürfnispaket zählt: Stillen, Tragen, Elimination Communication (Ausscheidungskommunikation, welche man für windelfrei nutzen kann), Familienbett sowie eine gleichwürdige Eltern-Kind-Beziehung.

Stillen

(in Anlehnung an den Vortrag „Kindliche Stillprobleme“ von Jana Wald – IBCLC Still- und Laktationsberaterin – im  Rahmen der Fortbildung „Stillförderung im Krankenhaus“ für Kliniken mit dem Zertifikat „Babyfreundliches Krankenhaus“ im November 2011)

Die Besonderheiten beim Stillen eines Babys mit Trisomie 21 sind:

  • Kinder haben häufig einen Herzfehler, welche oft medizinische Interventionen und Krankenhausaufenthalte erfordern
  • Hypotonus (schwache Muskelspannung)
  • erhöhte Infektanfälligkeit

Das Stillen ist für diese Kinder besonders wichtig, weil…

  • Muttermilch vor Infektionen und Darmproblemen schützt,
  • die Mund-Zunge-Koordination sich verbessert,
  • die zusätzliche Stimulation durch Hautkontakt die Kindesentwicklung unterstützt,
  • die Nähe zwischen Mutter und Kind fördert und
  • die mütterliche Kompetenz gestärkt wird.

Generell ist eine Ernährung mit Muttermilch immer das Beste für gesunde und auch kranke Kinder. Kindliche Stillprobleme/-hindernisse können oft gut mit einer kompetenten Stillberatung überwunden werden. Mindestens kann durch die fachlliche Unterstützung die Fütterung mit Muttermilch durch alternative Methoden beibehalten werden.

Tragen

Siri Lehmann – Trageberaterin der Trageschule ® Dresden – sagt generell zu Kindern mit Handicap:

Das Tragen hilft gerade Eltern von „besonderen“ Kindern ihrem Kind nah zu sein, Geborgenheit zu geben, sich an die neue ungewohnte Situation zu gewöhnen und außerdem ganz nebenbei etwas für die Entwicklung des Kindes zu tun. Es ist, sozusagen, eine ständige therapeutische Einheit.

Das Tragen von besonderen Kindern ist eigentlich in (fast) allen Fällen möglich. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Therapeuten, Eltern und Trageberatern wichtig um das Optimum für Eltern und Kind heraus zu holen.

Es [das Tragen] ist ein Schatz für jedes Kind, aber eben besonders für besondere Kinder. Ich hoffe, es wird in Zukunft auf eine breitere Akzeptanz auch in Therapeuten-Kreisen stoßen. Gerade deshalb gibt es Trageportal.de, um auch das Fachpersonal zu informieren und für uns Trageberater und Trageberaterinnen, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, Eltern und Kinder optimal zu unterstützen.
Wenn alle an einem Strang ziehen, kann das Tragen für viele Eltern und Kinder von unschätzbarem Wert sein. Egal ob besonders oder nicht.

Weitere wissenswerte Fakten findet man in ihrem Artikel Tragen – Für einen guten Start ins Leben (aus der Zeitschrift „Leben mit Down-Syndrom“ Nr. 63 / Januar 2010).

Windelfrei

Ich fragte Laurie Boucke, ob sie Erfahrungen mit Elimination Communication bei Down-Syndrom-Kindern hat. Und dies war ihre Antwort:

Yes, some parents of down syndrome babies have had good results with infant potty training (elimination communication).

I have only heard of a few down syndrome babies using IPT [ infant potty training ]. Their mothers used the same procedure as with normal babies. I don’t think they started at birth though.
For signals, one mother reported that her son would scoot to the bathroom door and whine to be put on the potty before he could walk, and that at age 16 months he started walking and would walk to the toilet when he had to go. So yes, at least some down syndrome babies signal. (I don’t know if this boy signaled before he could crawl.)
Ich finde, man kann windelfrei bei besonderen Kindern nicht unversucht lassen.

Gibt es jemand da draußen mit persönlichen Erfahrungen mit windelfreien Down-Syndrom-Babys? Ich wäre auf einen Bericht gespannt.

EDIT: Ich bin im Nachhinein noch auf den Windelfrei-Blog einer Mama mit Down-Syndrom-Baby gestoßen: windelfreie-emelie.blogspot.de

Familienbett

Ich glaube, dass ein Kind mit Handicap ebenfalls im Elternbett schlafen kann, sofern man sich an die Empfehlungen zum sicheren Familienbett hält und nach den individuellen (gesundheitlichen) Bedürfnissen des Kindes geht.

Gleichwürdige Eltern-Kind-Beziehung

Jesper Juul schreibt in seinem Buch „Unser Kind ist chronisch krank – Ein Ratgeber für Eltern“:

Chronisch kranke Kinder haben dieselben Grundbedürfnisse wie alle anderen Kinder, und es gehört oft sehr viel mehr Energie dazu, diese Bedürfnisse zu befriedigen. Das gilt für Kinder mit körperlichen, geistigen und psychischen Krankheiten gleichermaßen und ist ganz unabhängig davon, wie gut sie beispielsweise sprechen, sehen, zuhören oder sich auf andere Art ausdrücken können. Kranke Kinder haben die gleichen Bedürfnisse wie alle anderen Kinder.

Diese Grundbedürfnisse sind:

  • das Bedürfnis, sich als wertvolles Familienmitglied zu fühlen,
  • das Bedürfnis, umsorgt zu werden,
  • das Bedürfnis, persönliche Integrität, Selbstachtung und Verantwortungsgefühl zu entwickeln.

Allgemeingültig ist, dass Kinder stets davon profitieren, wenn es ihren Eltern gut geht.

Ich wünsche allen – egal ob groß oder klein, dick oder dünn, gewöhnlich oder besonders – einen schönen Tag!

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