Windelfrei für Spätstarter

Über Facebook hat eine Mama gefragt, ob man TopfFit oder Windelfrei auch mit älteren Kindern anfangen kann. Klar kann man! Man muss es nur ein wenig anders aufziehen.

Wenn ein Kind mal die magische 6-Monats-Grenze oder sogar die 12-Monats-Grenze hinter sich gelassen hat, dann ist‘ s aus mit Signalen. Die Kinder haben gelernt, kommentarlos in die Windeln zu machen und tun das auch. Ich fasse hier mal die Tipps von Laurie Boucke aus TopfFit zusammen (wer es ganz genau wissen will, dem empfehle ich wärmstens das Buch).

Die 10 wichtisten Tipps „Windelfrei für Spätstarter“

1. Wähle ein Signal
Jedes Mal, wenn das Kind etwas macht, mache ein Geräusch (viele machen „sss“ oder ähnliches). Das hilft dem Kind, das Geräusch mit dem, was da passiert, zu verbinden. Das hilft später wiederum, wenn es lernen soll, WO es diese Dinge tun soll.

2. Lerne dein Kind kennen
Beobachte dein Kind: Wann macht es, besonders hinsichtlich der Bezüge zu Schlafen und Essen? Die meisten Kinder müssen direkt nach dem Schlafen und während oder nach dem Essen. Wie oft zwischendurch macht es, häufiger am vormittag als am nachmittag etc. Hier hilft nur: Windel ab und ein oder zwei Tage das Kind beobachten und wischen 🙂 oder einen Garten aufsuchen (so es denn mal wärmer wird).

3. Finde einen Ort
Finde heraus, wo ihr anfangen wollt: Abhalten, auf dem Töpfchen, auf der Toilette – oder bei älteren Jungen z.B. im Stehen im Garten oder in der Dusche? Spätstarter haben bereits ihre eigenen Vorstellungen, wo und wie sie gerne sein wollen, findet es also gemeinsam heraus. Du kannst z.B. damit anfangen, ein Töpfchen immer in der Nähe des Kindes zu haben oder ihr könnt immer zur Toilette gehen, wenn es etwas gemacht hat- je nachdem, was dem Kind lieber ist.

4. Finde eine Position
Spätstarter können oft schon Krabbeln, Sitzen oder Laufen und damit fallen für sie die Abhaltepositionen auf dem Arm meist weg. Finde heraus, ob dein Kind lieber auf einem möglichst bequemen Töpfchen/Toiletteneinsatz/Toilettensitz sitzen, hocken, stehen oder gehalten werden will.

5. Finde Zeichen
Jedes Kind zeigt ein bestimmtes Verhalten, wenn es mal muss. Gleichzeitig kann jedes Kind lernen, ein Handzeichen oder Wort mit dem Toilettengang zu assoziieren. Es lernen also beide Seiten: Die Eltern lernen, dass ein Griff in den Schritt, herumzappeln oder vom Stuhl springen z.B. heißt, dass das Kind mal muss. Und das Kind lernt, dass diese oder jenes Wort oder Handzeichen damit zusammengehört. Manche Kinder fangen dann an, das Zeichen der Eltern zu übernehmen und machen es anfangs, wenn „es“ schon läuft. Freue dich darüber und mache die Zeichen weiter, es wird sich später auszahlen.

6. Relax!!!
Ein ganz wichtiger Tipp von Laurie: „Versuche es ein paar Wochen und überlege dann, ob Du weitermachen möchtest“. Manche Kleinkinder werden von einem auf den anderen Tag trocken. Bei anderen dauert es scheinbar ewig, scheint alle Mühe vergebens und die Eltern sind frustriert. Forschungen zeigen, dass keine Mühe vergebens ist, die Kinder lernen auch, wenn sich noch keine Effekte einstellen und greifen es später wieder auf, wenn sie soweit sind!

7. Finde einen Raum für TopfFit
Es hat keinen Sinn, ein windelgewöhntes Kind tage – oder wochenlang ständig in die Wohnung machen zu lassen. „Benutze deinen gesunden Menschenverstand!“ mahnt Laurie. Findet Räume oder Stunden, in denen ihr windellose Phasen einbauen könnt, ohne alle verrückt zu werden. Probiert Trainerhosen.

8. Habt Spass!
Gestaltet die Zeit auf dem Töpfchen angenehm – mit Büchern, Spielen, Lachen. Ältere Kinder können beim Einkauf dabei sein und sich ihren Topf selbst aussuchen. Vielleicht findet dein älteres Kind es lustig, beim Pipi-Machen auf etwas zu zielen – einen Baum, ein Stück Toilettenpapier etc. Rechne damit, dass auch dein Kind Spass haben will und „Unfug“ macht – ein „Nein, ich muss nicht“ kann durchaus eine Pfütze zur Folge haben und das ist normal und okay.

9. Bleib sachlich!
Wenn das Kind in seine Kleidung oder auf den Boden macht, kommentiere sachlich, was passiert ist, wische, wasche, lächle und erkläre, dass das eigentlich ins Töpfchen gehört. Punkt. Kein Schimpfen, kein Loben, kein Drohen, keine Wut. Entspanne dich und sage Dir, das dein Kind auch nur laufen gelernt hat, indem es nach jedem Hinfallen wieder aufgestanden ist.

10. Sei Vorbild!
Lass die Badezimmertür offen, damit das Kind sieht, was Du da machst. Kommentiere laut und klar, wenn Du musst, dann gehe deutlich sichtbar ins Bad etc. Kinder imitieren, was sie sehen. Was sie nie sehen, können sie schwer imitieren.

11. Bonus-Tipp
Wenn Du total genervt bist und das Gefühl hast, dass das NIE klappt – sei willkommen im Artgerecht-Camp. Dort wirst du sehen, wie es gehen kann und findest Verständnis, noch mehr Infos und Tipps, Hilfe und Motivation – absolutes windelfrei-Ehrenwort.

5 Gedanken zu „Windelfrei für Spätstarter

  1. hallo nicola,
    bis meine tochter vor 7 monaten geboren wurde habe ich hier sehr interessiert mitgelesen und mich gefreut, von anfang an windelfrei für meine süße zu ermöglichen. aber dann: absolutes extrem-schreikind trotz all der liebe, tragen, kuscheln….
    windelfrei ging nicht, nur geschrei tag und nacht. ich wusste weder wann sie hunger hat, noch wann sie mal muss. ABER JETZT!!!! hat sie vor einem monat aufgehört zu brüllen und ich schaffe es schon, keine großen geschäfte mehr vom quirligen hintern putzen zu müssen. das verschwindet schon alles im klo! und das kind findets toll!!! und heute bin ich zum ersten mal wieder hier am lesen und finde diesen spätstarter-eintrag. toll! danke! werde mich wenn es wärmer wird mal ans pipi-abpassen machen. kann ja nicht so schwer sein! freue mich, dass ich wieder zeit habe hier zu lesen und mich inspirieren zu lassen.
    mal sehen, wie es weitergeht.
    liebe grüße
    bettina

  2. Hallo Nicola,
    Unser Kind ist 5 Monate alt und wir machen nicht so richtig windelfrei, halten es nur bei jedem Wickeln nach dem Schlafen und Stillen über das Töpfchen da wir gemerkt haben dass ihm das besser gefällt als in die Windel zu machen. Es hats auch gleich verstanden und wir haben ohne nachzudenken
    immer gelobt. Nun drückt es manchmal wenn wir es drüber halten auch wenn gar nichts kommt. Schaden wir dadurch unserm Kind?
    Ist es besser gar nichts zu sagen? Wir reden natürlich auch lieb zu ihm wenn nichts ins Töpfchen geht.

  3. Hi Rabenglück,

    das ist der Klassiker: Baby macht „für Mama“ – das schadet dem Kind nicht, es zeigt dadurch, dass es das Prinzip verstanden hat und kommunizieren will. Solange ihr nicht tadelt, ist alles im grünen Bereich :).

    Das wird bald aufhören, wenn Drehen und Krabbeln kommen, dann sind nämlich andere Dinge wichtiger. Nicht wundern, wenn es sich dann nicht mehr so gut abhalten lässt, einfach kurz pausieren und dann später wieder anbieten, wenn die Motorik-Lern-Phase wieder abebbt :).

    Herzlich,
    nicola

  4. Hallo Rabenglück,
    hast du einen Tipp für ein 22 Monate altes Kind? Haben erst vor ca3 Monaten mit zeitweise windelfreien Zeiten begonnen. Dann kam ein „Streik“ und jetzt bin ich verunsichert wie ich weitermachen soll. Überfordere ich ihn?
    Liebe Grüße

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