Montags-Mantra: "Erst denken, dann reagieren"

Gestern sah ich eine Mutter im Supermarkt mit einem schreienden, etwa dreijährigen Mädchen. Die Kleine brüllte und tobte, hüpfte und schrie. Die Mutter – kaufte ein. Ganz ruhig. Hin und wieder streichelte sie der Kleinen über den Kopf, sagte ruhig etwas zu ihr. An der Kasse standen sie hinter mir und ich bekam mit, dass die Kleine in den Wagen wollte. Nicht in den Kindersitz, sondern IN den Einkaufwagen. Der war aber schon voll und die Mama wiederholte das immer wieder, ruhig und freundlich: „Ich setze Dich gerne in den Sitz, magst Du? Nein? Hm, der Wagen ist leider voll.“

Ich war ziemlich beeindruckt. Und dann ging mir auf, dass ich genauso ruhig bin. Wenn ich meine Grenzen wahre. Heißt bei mir: Wenn ich frühzeitig entscheide und sage, was ich will, wie weit ich mitgehe und wo nicht mehr. Und mir das vorher überlege, bevor ich es meinem Kind sage. Erst denken, dann reagieren.

Beispiel: Kürzlich gingen der Große und ich raus, die Kleine schlief bei Papa. Wir wollten uns in die Sonne setzen, er wollte ein Hörspiel hören, ich am Rechner den Flyer fürs Artgerecht-Camp fertig machen. Auf halbem Weg fiel ihm ein, dass er BEIDE Ritter-Rost-CDs hätte mitnehmen wollen. Ich hatte keine Lust, nochmal zurück zu gehen und beging Fehler Nr. 1. Ich sagte halbherzig: „Na, wir hören erstmal die eine und wenn wir dann noch Zeit haben, holen wir die andere.“ Effekt: Kind jammert und schimpft, setzt sich hin und will nicht weiter ohne die CD. Ich diskutiere ein wenig herum, lasse mich dann aber breitschlagen. „Warte hier!“, ich gehe zurück, CD holen. Begehe Fehler Nr.2: Suche halbherzig. Finde CD nicht, komme wieder: „Nicht gefunden, es muss jetzt so gehen.“

Kind weint. Will selbst suchen gehen. „Nein, wenn du so weinst und schreist, weckst Du die Kleine, komm, wir gehen jetzt.“ Kind ist verzweifelt, fängt an zu toben. Jetzt begehe ich Fehler Nr. 3: Ich bin genervt, ich will jetzt endlich arbeiten. Wir streiten. Kind flippt total aus. Ich auch. Irgendwann begreife ich, was für einen Mist ich da verbockt habe, und wir gehen dann doch beide zurück, die CD liegt beim zweiten Hinsehen mitten auf dem Tisch, es dauert 3 Sekunden, sie einzupacken, aber wir brauchen dann draußen noch eine ganze Weile auf-dem-Schoß-kuscheln, bis wir uns wieder beruhigt haben.

Total unnötige Aktion.

Merke: Kinder kooperieren. Wenn wir nicht klar überlegt haben, was wir wirklich wollen, dann helfen sie uns, es herauszufinden. Sie tun das auf ihre Art und der Prozess kann sehr anstrengend sein.

Bei uns ist es immer besser, wenn ich eine klare Position habe (Gott gebe, dass das öfter der Fall ist…). Und diese kann auch sein, dass ich verhandlungsbereit bin:

„Hm. Ich habe eigentlich keine Lust, die CD zu holen. Ist es Dir sehr wichtig?“ Kinder sind authentisch. Kann durchaus sein, dass mein Vierjähriger generös sagt: „Nein, Mama, sooo wichtig ist es nicht.“ Wenn Spielraum da ist, dann ist es auch einen Versuch wert – Tipp vom Kindsvater – das Kind zu fragen, ob er eine Idee hat, wie wir die Situation lösen können. Manchmal kommen überraschende Vorschläge!

Eine klare innere Haltung hat drei Effekte: 1. Kind spürt, was ist. 2. Ich eiere nicht herum. 3. Ich bleibe ruhig, auch wenn er dann doch ausrastet – weil ich innerlich klar bin und mich nicht ärgere, wenn er anderer Meinung ist.

Denn eigentlich ärgern mich seine Wutanfälle nur, wenn ich sie durch mein unklares Hin- und Her verursacht habe. Wenn er sich nicht ernst genommen fühlt, wenn er merkt, dass ich „Nein“ sage ohne wirklichen Grund, wenn ich nicht gemerkt habe, dass er das Tischgespräch stört, weil er nicht weiß, wie er mitteilen soll, dass er auch was sagen will…

Benutzerfehler! Seufz. Eltern müssen soooo viel lernen…

Erst denken, dann reagieren.

Euch allen einen schönen Wochenanfang!


(Was ist das Mama-Mantra? hier

weitere Mantras: Wasch Dich!, Habe ein Fertigessen, Tue es jetzt!, Dannistdashaltso.de, Routine ehren, Schau nicht auf den Baum!, Reffe! Jetzt!, Prioritäten-Liste, Erst das Wichtige…, Kind, Du bist nicht schuld, , Nichts ist weicher und stärker als Wasser, Diskutiere nicht mit einem müden Kind, Diskutiere nicht mit einem hungrigen Kind.)

0 Gedanken zu „Montags-Mantra: "Erst denken, dann reagieren"

  1. Hach Du schreibst mir ja sooo aus der Seele. Wie schön es sich auch anfühlt, wenn das klappt. Das klar und ruhig bleiben. Übrigens auch bei uns immer wieder sehr beliebt die Frage ans Kind: So und so ist das jetzt, was meinst Du, was sollen wir machen? z.B. Der Kleine quengelt, ich kann jetzt nicht vorlesen, was meinst Du, wie können wir das lösen? Antwort: Mama, dann gibst Du ihm jetzt Nana, ich warte noch und danach liest Du mir gaaanz lange was vor!

  2. … danke mal wieder für deine zum Ausdruck gebrachten Gefühle und Gedanken, sie helfen mir sehr beim Denken und im Idealfall beim konstruktiveren Reagieren.

    Mein Sohn möchte in ähnlichen Situationen in erster Linie ernst genommen werden. Er hasst es, wenn ich meinen Wünschen mehr Berechtigung gebe als seinen, weil z.B. das übergangene Kind in mir sich auf jeden Fall durchsetzen will. Mein Sohn ist ein prima Lehrmeister für mich und wenn ich kooperiere tut er das auch, wenn ich aufhöre zu denken „… ne, das was er jetzt will geht nicht, weil… (z.B. keine Zeit, keine Lust, usw.)“. Wenn wir anfangen zusammen nachzudenken und versuchen um die Ecke zu denken, ist alles gut. Schwer fällt mir das besonders wenn ich unter Zeitdruck bin, aber mein bester Sohn hört nicht auf mit mir zu üben…

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