Nichts für schlappe Nerven!

Das Zusammenspiel von Kati und ihrer Tochter wird zunehmend besser, aber sobald die kleinen Menschen ein wenig kränkeln oder einfach „einen dieser Tage“ haben, wird das windelfrei-Sein zum reinen Krimi. Aber lest es selbst…

07.07.2008 – Was für ein Tag!

Um 08.10 Uhr begann der Tag, was auf den ersten Blick für einen Morgen mit Kleinkind ziemlich gut klingt, aber nach der letzten, doch sehr unruhigen Nacht war es eindeutig zu zeitig für mich. Meine Tochter grinste mich an, wälzte sich genüsslich durch die Kissen, zeigte beste Laune, von Müdigkeit keine Spur. Also gut, ich beschloss, nichts anbrennen – oder besser gesagt: nass werden – zu lassen und wackelte mit ihr ins Bad. Dort das übliche Prozedere: Kind aus den Klamotten pellen, Klodeckel öffnen, Kind überm Klo abhalten. Und dann – nichts. Hätte dieser Morgen nicht einfach mal ganz leicht anfangen können? Also schön, Töchterchen in die Badewanne, denn im Stehen pieseln macht einfach mehr Spaß. Mama saß derweil auf dem Klo, kommentierte dies auch offenherzig, und siehe da: Es tröpfelte in die Badewanne, und das um 08.25 Uhr. Erste Etappe geschafft.

Der Tag begann, wir wuselten gemeinsam durch den Morgen, und ich stellte mich auf ca. eine halbe Stunde ein und versuchte es um 09.05 Uhr erneut mit dem Abhalten über dem Klo: Treffer! Wunderbar; so könnte der Tag weitergehen.

Meine Beobachtungen der letzten Tage und Wochen versicherten mir eine weitere halbe Stunde, doch um 09.25 Uhr war es schon so weit: Pipi tröpfelte unverhofft auf den Wohnzimmerteppich. Ich nahm es gelassen, kommentierte das Geschehene ganz ruhig, wischte auf. Irgendwie wurde mir zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass heute irgendwas anders werden würde als sonst, und mit meiner Müdigkeit war ich da schon längst nicht mehr beschäftigt. Meine Tochter durchlebte alle Facetten einer kleinen Kinderseele, war anhänglich bis weinerlich, spielte plötzlich ausgelassen und in sich versunken; es war ein Auf und Ab.

09.50 Uhr. Ich war gerade mit Hausarbeit beschäftigt, als mir meine innere Stimme sagte, dass die üblichen 30 Minuten gleich um seien und ich es doch jetzt schon mal mit Abhalten versuchen sollte. Ein Wäscheteil noch zusammenlegen, und dann… Diesmal traf es den Laminatboden im Flur. Erneutes Wischen und gute Laune bewahren – und es war noch nicht einmal 10 Uhr!

Wir spielten eine Weile, die nächste halbe Stunde verstrich, und mein Kind gab keinerlei Anzeichen, mal aufs Klo zu müssen. Um 10.30 Uhr wurde es mir dann doch zu heikel, und ich bot ihr sowohl das Klo als auch anschließend die Badewanne an, doch beides wurde unter heftigem Protest abgelehnt. Sie meckerte und jammerte vor sich hin, während sie es sich auf meinem Schoß bequem machte und – pieselte los! Das war bisher noch nie passiert. Was war nur los heute?!
Ich wischte also wieder, zog mich um, setzte mich wieder, hoffte auf eine kleine Verschnaufpause… da wurde auch der Holzfußboden im Arbeitszimmer für diesen Tag eingeweiht, und das um 10.40 Uhr, keine 10 Minuten später!

Kurzerhand schnappte ich mir mein Kind und schleppte uns beide in den Garten. Wir waren ohnehin schon zu lange drinnen, und so würde nun wenigstens das Wischen wegfallen. Ich hätte mich also entspannen können. Nichts da. Meine Tochter zeigte nach wie vor alle Stimmungsschwankungen, die man sonst nur von pubertierenden Mädels erwartet, und ich war darüber hinaus noch damit beschäftigt, irgendwelche Anzeichen erkennen zu wollen. So verstrich die Zeit. 11.40 Uhr das nächste Pipi, kräftig und inbrünstig mitten auf die Wiese.

Meine Laune verschlechterte sich zunehmend, und ich sehnte mich nach einer kleinen Auszeit. Aber bald würde meine Tochter ja ihren Mittagsschlaf machen – dachte ich zumindest! Normalerweise kommen die ersten Schlafläuse so zwischen 11 und 12 Uhr, doch heute war weit und breit keine Spur von ihnen. Gegen halb eins verlagerte ich unser Tun wieder ins Haus, immerhin ja geografisch dichter am Schlafzimmer… Mein Kind spielte ganz versunken, und ich beschloss, mir einfach Zeit zu nehmen, es zu beobachten, mit einer Wickelunterlage in Reichweite zu verweilen. 12.40 Uhr – da war ein winziges Zeichen, und während ich zu ihr rüberhechtete, ging es auch schon los, aber den größten Teil fing ich gerade noch auf. Na, immerhin.

Da von Müdigkeit weiterhin keine Spur zu sehen war, zogen wir wieder nach draußen in die Sonne, wo mein Kind seelenruhig spielte, buddelte und einfach über die Wiese watschelte. Hockend machte sie Jagd auf einen Käfer, als sie um 13.30 Uhr das nächste Mal piescherte. Danach entspanntes Treiben im Garten, während ich mich bei Laune halten musste. Unterdessen tränte auch das Auge meines Kindes ein wenig; ein recht verlässliches Anzeichen für einen nahenden Schnupfen. Würde sie sich jetzt auch noch erkälten? Was tat ich da nur?! War dieses „windelfrei“ doch eine blöde Idee? Würden die Tage jetzt bestimmt sein von Beobachten, Erahnen, Lauern, erfolglosen Abhalteversuchen, Becker-Hechten und Aufwischen?! Würden wir irgendwann zu größeren Fortschritten kommen? Es war absolut keine gute Tageszeit für mich…
Mittlerweile kam der Papa nach Hause und übernahm die Kleine im Garten, so dass ich ein paar Dinge im Haus erledigen konnte. Als Töchterchen sich anschickte zu drücken, nahm er sie hoch und hielt sie in gewohnter Position über die Wiese: siehe da, Knöke kam – ein ordentlicher Haufen. Sowohl von Pipi als auch von Müdigkeit nach wie vor keine Spur.

Um 14.40 Uhr die nächste Etappe: Pipi ging erfolgreich mit Abhalten ins Klo, und kurz darauf fand die Kleine auch ihren nötigen Mittagsschlaf. So spät, aber was sollte ich tun…

Zweieinhalb Stunden später erwachte mein Kind, schien ganz entspannt, und auch ihre Laune war um einiges besser als am Vormittag. So fanden wir uns um 17.15 Uhr im Bad wieder, der Kloversuch scheiterte, aber dafür funktionierte die Badewannenvariante. Alles klar. Danach erholsames Beisammensein im Garten, wo um 18.25 Uhr auch das nächste Pipi landete.

Unterdessen machten sich Papa und Töchterchen mit dem Fahrrad auf den Weg zum Einkaufen. Kurze Tour hin, schnell ein paar Bioprodukte aus dem Supermarkt geholt, zurück nach Hause. Dort eingetroffen, ging das nächste Pipi sofort nach dem Absetzen um 19.10 Uhr wieder in den Garten.

Wir wurden alle langsam ruhiger, und vor allem wir als Eltern machten uns keinerlei Illusionen, dass die abendlichen Schlafläuse demnächst einmarschieren würden. Stattdessen tummelten wir durch den Garten und das Haus, plauderten, spielten, genossen die gemeinsame Zeit. Zwischendurch versuchten wir es mit Abhalten, aber unser Kind gab uns eindeutig zu verstehen, dass das nicht dran war. Erst um 20.35 Uhr, da ging nach einem Kloversuch wieder Pipi in die Badewanne.

Es gab (eigentlich viel zu spät) Abendessen, während ich mich danach sehnte, einfach mal ein paar Minuten allein für mich zu haben. Aber nichts da – weiter beobachten und lauern. Ungefähr eine Stunde später waren wir Erwachsenen wieder etwas aufmerksamer sowie mit einer Wickelunterlage bewaffnet. Unsere Tochter tollte durch das Arbeitszimmer, juchzte, rannte, inspirierte uns – da ging ihr Blick nach unten. Oh schnell, die Hälfte konnte gerade noch so mit der Unterlage aufgefangen werden.

Schließlich kamen doch die typischen Anzeichen des Müdeseins: Augen reiben, Ohren zupfen, gähnen, Haare wuscheln, und so brachte ich unser Kind um 22.10 Uhr ins Bett, wo es zwanzig Minuten später selig und erschöpft einschlummerte.

Da lag die Kleine nun zufrieden und entspannt im Traumland. Ich dagegen k.o. und abgespannt, aber dennoch glücklich, denn neben all dem Trubel hatte mein Kind heute wieder keine einzige Windel am Po. Was für ein Tag…

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