Artgerecht Camp 2012 August Nachlese – Jippiiii-Tipi! Eine unglaubliche Geschichte

Wartet mal…pssst…. Wenn ich die Augen schließe, kann ich es noch hören… die Stimmen am Lagerfeuer, die ein Gute-Nacht-Lied singen…. Bastians Puma-Geschichte in der Dunkelheit…das Rauschen der Blätter… am Morgen das Jubeln der Kinder im sonnigen Wald… schau, das sind die frisch gebrannten Schüsseln… hier ist noch Stockbrot von gestern… wie der Beifuß duftet…

Bevor die Asche ganz kalt wird, hier die unglaubliche Geschichte vom zweiten Camp.

Tipi II

Ganz ehrlich: Ich hatte schrecklichen Respekt vor dem Tipi-Camp. Oh weh, oh weh, hoffentlich geht das gut, dachte ich, je zwei Familien in einem Tipi, nachts aufwachende Babys und wenn es dann noch regnet….

Aber wer wagt, der nicht gewinnt. Und wir haben gewonnen – alle.

Die Tipis haben uns ein wunderbares Geschenk gemacht. Sie erschaffen nämlich mit dem Feuerplatz in der Mitte schon von sich aus eine sanfte, runde Clan-Atmosphäre. Man kommt morgens hinaus und es sitzen schon die ersten rund um den Feuerplatz. Irgendjemand ist schon dabei, das Morgenfeuer zu entzünden, denn im Schatten ist es noch recht kühl. Wenn das Feuer brennt, wird Tee gekocht, dann geht’s ab zum Morgenyoga. Alles….passiert einfach…. alle sind da. Clanleben!

Tipi-Dorf

Erstmal grundlegend: Wir hatten eine Woche lang Sonne und am Regentag haben wir uns gemeinsam in die Jurte gekuschelt und Stockbrot gemacht und Geschichten erzählt, was großartig war. Vormittags konnten wieder die Kinder mit Bastian den Wald erobern und die Eltern wahlweise entspannen, Workshops mit mir machen (Stillen, Tragen, Windelfrei, Schlafen, Artgerecht Leben) oder eigenen Projekten nachgehen.

Vater und SohnKind im WaldEs zeigte sich schon nach zwei Tagen, wie das Clanleben wieder einen eigenen Fluss bekommt : Die Kinder suchten sich ihre Bezugspersonen, wenn Mama oder Papa gerade nicht da waren, selbst. Fast den ganzen Tag brannte ein Feuer, an dem von morgens bis abends immer wieder irgendjemand mit dem Herstellen einer Holzschüssel beschäftigt war (Glutbrennen). Eines morgens war die Glut erkaltet und die Streichhölzer nass, was nun? Da griff die Crew beherzt zum Drillbogen, wie sie es bei Bastian gesehen hatten, und versuchte damit Feuer zu machen – freies Lernen im Clan in Aktion (angemacht haben wir es dann schlussendlich mit einem Feuerzeug und Birkenrinde ;)).

DrillbogenfeuerDrillbogenFeuermacher Morgenfeuer

Schnell fiel die Hektik der Anreise (ganze Familien hatten sich aus Österreich oder Schweden auf den Weg zu uns gemacht) von allen ab und bald saßen wir zusammen am Feuer, es wurde gespielt und gesungen, geredet und diskutiert, die Kinder fingen Frösche, fanden ihren „Geheimplatz“ im Wald, rannten umher, tobten auf der Trolleburg und bei Gott, ja, wir aßen und aßen und aßen! Eltern tauschten Wissen und Bücher, Kinder und Nüsse aus :).

BuchgesprächeGesprächFür manche geschah sogar Unerwartetes: Wir machten eine Frauenrunde am dritten Tag, die Kinder waren bei den Papas oder unserem Team und selbst die ganz kleinen Kinder machten das super mit. Für manche Mama waren das ihre ersten 1,5 Stunden im Kreis anderer Frauen während sie ihr Kind in guten Händen wußte. Und als die ersten dann doch nach Mama riefen, wurden sie uns sofort gebracht.

Frauenkreis

Insgesamt – sehr entspanntes Sein.

LachenZuhörenLächeln

Die Väter waren für mich sehr präsent, nicht nur in den Workshops.

PapaPapaPapa Und immer wurde irgendwo gehackt, gebrannt, gezündelt, gesägt. Wenn Holz knapp war, zogen einige Clanmitglieder los und eins-zwei-fix lagen mehrere Bäume im Camp. Sofort kamen wir zusammen, allen voran die Kids, wir sägten, brachen Äste, sortierten Stapel und im Handumdrehen hatten alle gemeinsam wieder für Holz gesorgt.

Baum holenbHolz machen
SägenHolzstapelKlar machten wir auch wieder Glutbrennen, Stockbrot und manche wurden kreativ und verschönerten täglich den Feuerplatz. Gleichzeitig war viel Zeit für Ruhe, Rückzug, Schlaaaaf und Lesen oder Vorlesen.

Stockbrot CIMG0266 Glutbrennen TipiLesenVorlesen TipiPapa und Kind vor Tipi

Nach nur zwei-drei Nächten berichteten die Eltern, dass die Kinder einander in den Tipis nachts nicht mehr weckten. Etwa zeitgleich war unser Clan so eingespielt, dass wie von Zauberhand der Tagesablauf funktionierte – die einen schürten das Feuer, die anderen riefen mit dem Kuckucksruf alle zusammen, immer alles im Fluß, keine Hektik und doch bekamen auch Workshops und Themenrunden ihren Platz. Und dann bekamen wir auch noch unverhofften Zuwachs und noch mehr Gitarrenmusik.

GitarreBeim Artgerecht-Leben Workshop kamen wir wieder auf den Punkt: So fühlt sich das Leben schon sehr artgerecht an, in unserem Tipi-Dorf. Es gibt vieles, das sich mitnehmen lässt. Gleichzeitig ist gibt es bei vielen aber auch das Gefühl, in Jobs und Zwänge eingebunden zu sein, die eigentlich keinen Raum lassen dafür, überhaupt darüber nachzudenken, was artgerecht für jeden einzelnen sein könnte. Viele sehen sich nach mehr Vernetzung, mehr Gleichgesinnten. Wir arbeiten daran, dabei zu helfen! Auch diesmal sagten alle, es sei viel zu kurz, manch einer wollte gar nicht nach Hause fahren, vor allem die Kinder vergossen manche Träne… Wir werden nächstes Jahr längere Camps machen, mehr Papa-Themen, mehr „Fortgeschrittenen“-Themen und ja, wir denken auch darüber nach, was uns zum Artgerechten Leben sonst noch einfällt…lasst euch überraschen!

Für mich bleibt zu sagen: Nie wieder habe ich Angst vorm Tipi-Dorf. Ein Tipi-Dorf ist großartig!!

Was für ein Geschenk! Danke, dass ihr da wart, danke, dass ihr euch von so weit auf den Weg zu uns gemacht habt und diese Woche so unvergesslich gemacht habt. Danke an Drei Eichen für die liebe Aufnahme. Danke an unser unermüdliches Helferteam, Paul und Maja, ihr zwei Sonnenmenschen. Und einen dicken, dicken Dank an diesen Planeten, der so wunderschöne Plätze und Sonne und Regen und Pflanzen und Tiere für uns bereithält!!

(Bericht vom Juli-Camp hier, hier Infos zu den Camps, Anmeldung für 2013 mailanmich).

5 Gedanken zu „Artgerecht Camp 2012 August Nachlese – Jippiiii-Tipi! Eine unglaubliche Geschichte

  1. von Cornelia, per Mail:

    Liebe Nicola,

    danke für die gut gelungene Zusammenfassung!
    Sie hält die Erinnerung wach! 🙂
    Wir haben alle drei – nachhaltig – vom Camp profitiert!

    Vielen herzlichen Dank!

    Viele Grüße von Peter, Maxl und Cornelia

  2. so manches schwingt immer noch mit, auch noch tage nach der abreise. es war ein ganz anderes leben als sonst, das muss erstmal verarbeitet werden. weil es sich so gesund angefühlt hat, haben wir schon jetzt lust auf mehr! ich bin total gespannt auf 2013. um es nich artgerechter zu machen wünsche ich mir, dass ich meine mutter oder schwiegermutter dafür begeistern kann. ein abenteuerurlaub mit dem enkelkind- welche oma kann da widerstehen 😉 DANKE an alle, die das möglich gemacht haben und vorallem danke an dich, dass du so unermüdlich das tust wofür dein herz schlägt!

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