Bericht: Pinkelstreik vorbei – nach 1 Jahr!

Hurra!!!

Mein Sohn, jetzt 1,5 Jahre alt, lässt sich endlich wieder abhalten. Der so genannte „Pinkelstreik“ ist bei Windelfrei-Kindern ein häufig beobachtetes Phänomen, das meist auftritt, wenn sie mobil werden oder große Veränderungen anstanden.

Bei meinem Sohn war es so, dass er sich ab dem Alter von einer Woche sofort abhalten lies (davor war ich einfach zu fertig von den Nachwehen, um es regelmäßig zu versuchen). Wir haben das ein halbes Jahr sehr gut hingekriegt, mit kleinen Pannen, die aber nicht der Rede wert waren. Nachts habe ich immer Windeln angezogen, weil er sich zwar nachts abhalten lies, ich dann aber zu wach wurde und dann meist nicht mehr gut einschlafen konnte, und später lies er sich auch glaub ich nicht mehr so richtig abhalten, wollte selbst weiter schlafen.

Mit 6 Monaten fing er an, mobil zu werden: krabbelte und dann folgte im zwei-Wochen-Takt immer eine Veränderung auf die nächste. Die Zähne kamen einer nach dem anderen, er hatte mit 10 Monaten auch schon alle, er krabbelte, stand, lief, hüpfte, fing an zu sprechen… in den Entwicklungsschritten kam keine Ruhe rein, und seit er die ersten Krabbelschritte machte, lies er sich partout nicht mehr abhalten. So erklärte ich mir jedenfalls immer seinen Streik: anderes ist eben wichtiger.

Er pinkelte zunächst einfach im Sitzen auf dem Boden, später im Stehen, was wir dann immer aufwischten. Ich hatte immer das Gefühl, er kann es noch, aber will einfach nicht. Ich habe es anfangs öfter probiert, dann nur noch monatlich, dann noch seltener. Wir erkannten auch noch, wann er musste, aber er wollte weder abgehalten werden noch hatte er die Geduld, auf einem Töpfchen zu sitzen. Nach unserem Versuch pinkelte er dann einfach etwas später auf dem Boden…

Normalerweise sind Pinkelstreiks nur einige Wochen lang und dann geht es wieder. Bei uns war es nicht so. Ich hatte schon fast aufgegeben, benutzte ein bisschen öfter Windeln, wollte aber nicht komplett auf Windeln umsteigen, sondern lieber aufwischen, weil ich eben dachte, dass er so wenigstens das Gewahrsein für seinen Körper behält. Er merkte ja, dass er pinkelte, was bei meinem beiden größeren Kindern nicht so war: Sie waren eher überrascht-erschrocken, dass da was rauskam. Sie waren die Windeln einfach sehr gewöhnt.

Mit 9 Monaten hatte ich ein Erlebnis, dass mich einfach weiter vertrauen lies: Er war krank und hatte Fieber, er war so schlapp, dass er sich kaum rührte und nur im Bett lag. Ich hab ihn an diesem Tag 4 Mal abgehalten, und da er so schlapp war, lies er sich auch abhalten und alles klappte haargenau so, wie es ein mal gewesen war. Als er nach einem Tag wieder fit war, wollte er wieder nicht – schade. Aber ich kam zu dem Schluss, dass es wirklich am Mobilsein lag: An dem Tag konnte er sich ja eh nicht bewegen, dann war das Abhalten auch nicht schlimm. Ansonsten war Sichbewegen eben wichtiger.

Und so ging das dann einfach weiter. Einige Erlebnisse ab und an zeigten uns, dass er definitiv die Kontrolle darüber hatte, aber das Thema einfach nicht seine Priorität war:

* wenn wir ihn auf die Toilette (mit Einsatz) setzten, machte er manchmal rein
* er sagte uns bis er etwa 1 Jahr und 2-3 Monate alt war, dass und wo er Pipi gemacht hatte.
* wenn man ihm sagte (z.B. im Stehen), dass er Pipi machen soll, sah man, dass er eine entsprechende Bewegung machte, es also quasi versuchte

Und: normalerweise machte er nie auf Matratzen, Teppich oder auf dem Schoß – bis er etwa 1 Jahr und 2-3 Monate alt war. Dann hörte das leider auf, und ich wurde vermehrt auf dem Schoß angepinkelt (er ist meistens nackt oder nur halb angezogen zu Hause). Da bin ich immer hochgeschreckt. Ich konnte ihn dann mittendrin stoppen, zur Toilette tragen und dort machte er willentlich den Rest. Das sieht man, weil er sich auf Toilette nicht soooo entspannen kann, dass alles auf einmal kommt (wie früher beim Abhalten), ich kann aber sagen: „Mach noch mal Pipi“, dann macht er eine entsprechende Bewegung (man sieht es am Bauch und am Penis, und manchmal kommt ein kleiner Entspannungs-Pups mit ;)) und eben auch Pipi. Das wiederholt sich einige Male, bis die Blase entleert ist. Er freut sich dann auch. Ich mich auch. Ich habe mich manchmal so geärgert, dass ich ihn so angemotzt hab, dass er „NICHT AUF DEM SCHOSS!!!“ pinkeln soll, dass wir nun häufiger Windeln benutzt haben (lieber das statt anschreien! Das war ja nun wirklich nicht Sinn der Sache).

Das ging so jetzt etwa 3-4 Monate, Pinkeln auf dem Boden, aufwischen, manchmal Windeln tragen und nachts sowieso. Täglich mal nackt sein, da besteht er sowieso drauf. Mein mittlerer Sohn machte neulich in die Badewanne Pipi, weil die Toilette besetzt war. Dann wollte der Kleine auch: ich hab ihn abgehalten, und das fand er zum ersten Mal OK, anstatt sich zu drehen und zu wenden, sich mit Schwung in Richtung Boden zu werfen.

Seitdem (ca. 3 Tage) halte ich ihn immer öfter ab, und es klappt wie früher – nur dass wir jetzt auch „mach noch mal Pipi“ sagen, damit auch alles raus kommt. Pipi direkt nach dem Aufstehen ist so sicher wie immer, da kommt viel (und meist ohne „nochmal“). Und ansonsten nach Gefühl. Manchmal geht’s auf den Boden.

Hurra! Es hat sich gelohnt zu warten. Es ist (manchmal) nicht vieeel einfacher als mit Windeln. Es ist auch nicht vieeeel schwerer als mit Windeln. Es ist einfach anders, und das Schöne ist einfach zu wissen und zu sehen, dass Kinder in dem Alter sehr wohl Kontrolle über ihre Blase haben – das hat für mich auch was mit Würde zu tun, vor allem später, wenn sie sich ganz bewusst gegen Windeln wehren – sind ja auch super unbequem. Dass er die Kontrolle die ganze Zeit hatte, daran habe ich ab und zu gezweifelt, aber eben doch immer wieder beobachtet, dass es der Fall war. Jetzt hat es sich wieder bestätigt, zuerst durch die Schoßgeschichte und jetzt durch die Wiederaufnahme. Hurrah!!!

Der vielleicht längste Pinkelstreik aller Zeiten ist also überstanden? Wer weiß, vielleicht ändert es sich noch. Macht dann natürlich auch nichts 🙂

9 Gedanken zu „Bericht: Pinkelstreik vorbei – nach 1 Jahr!

  1. Liebe J.,

    ich bin Dir sehr, sehr dankbar für Deinen Bericht! Endlich auch mal jemand, der so sehr er „windelfrei“ toll findet, und alles dafür getan hat, dass es funktioniert, auch diese extreme Abkehr davon erlebt hat. Ich kann mich und meine Tochter in all Deinen Ausführungen wiederfinden. Seit sie 11 Monate alt ist, macht sie das nicht mehr mit – diesen ganzen „Zirkus“ um das Pipi…als würde sie ebenfalls sagen, dass es doch zur Zeit viiiiiiel Wichtigeres gibt als dies Gewese um die Ausscheidung…. ja mei, dann geht’s halt auf den Boden…

    Sie hat mir immer sofort gezeigt, wohin sie gepieselt oder geknökt hatte. Ich hatte aber nicht Deine Haltung, von wegen, dass sie dann eben überall hin pieseln darf, vor allem, weil sie auch überall hin geknökt hat. Das stieß dann auch bei meinem Mann an seine Grenzen. Daher trägt sie *seufz* seitdem eher Windeln. Im Sommer habe ich es noch mit Mokomidis gemacht, aber seit dem Herbst gibt’s eben Vollzeitwickeln.

    Nachts hatten wir noch die besten Erfolge, aber immer nur gekoppelt mit Stillen über’m Asiatopf. Ich wollte sie nachts aber langsam entwöhnen. Und vor allem das nicht ewig koppeln. Daher trägt sie nun auch nachts Windeln.

    Aber wenn wir mal eine halbe Stunde am Tag nicht wickeln, dann pieselt sie auch nicht sofort los. Nur, wenn ich denke, jetzt müsste sie, dann lässt sie sich partout noch immer nicht abhalten, aber pieselt dann wenige Zeit später auf den Boden oder in die Windel. Wenn ich ihr zeige, dass sie im Stehen auf einem Handtuch pieseln könnte, stellt sie sich auch in Pieselposition, aber findet das nur lustig und hält nicht durch bis es kommt. In der Badewanne mag sie es gar nicht mehr (zu kalt an den Füßen, glaube ich. Sie hasst Wasser eh!)
    Und ich bin mir sicher, dass sie nachts aus einem Pipibedürfnis heraus aufwacht. Sie krümmt sich dann im Liegen irgendwie, und wenn dann der Druck raus ist, legt sie sich wieder entspannt hin. Aber da wir gerade nachts abstillen und das schon eine Aktion für sich ist, mag ich es nicht noch mit abhalten versuchen. Das stresst mich eher.

    Also Danke, J., für Deinen sehr nachvollziehbaren Erfahrungsbericht. Es tut gut, zu sehen, dass auch bei anderen trotz der besten Überzeugung der Mutter doch vom Kind vorgegeben wird, wo der Hase in diesen Dingen langläuft. Wenn es uns schon um Kommunikation geht, dann müssen wir auch verstehen, wenn unsere Kinder eben nicht wollen. Wir haben ihnen die Möglichkeit gegeben, es „natürlich“ anzugehen, haben ihre Würde immer im Blick, aber wenn ihnen etwas anderes wichtiger ist, ja mei……

    Jetzt ist sie 19 Monate alt, und wenn es draussen wärmer wird, werde ich es wieder angehen.

  2. Liebe Claudia,

    schade, dass sie so viel Windeln tragen muss… bei uns laufen die Kinder trotz Winter gerne nackt herum. Sie kommen zum Aufwärmen regelmäßig auf den Schoß oder kuscheln ich ein, es gibt ja auch Babylegs (Stulpen) und solche Dinge. Oft zieht sich mein Sohn die Windel halt auch selbst aus, die stört ihn so sehr.

    Auf den Boden Pinkeln und Kacken. Tja, das ist so ein Thema – ist das nicht eeeeklig? Ich frage immer zurück: ist es nicht total eklig für das Kind, das an sich herum tragen zu müssen? Eigentlich ist es viel einfacher: der Popo ist kaum dreckig, die Kacke ist ganz schnell aufgewischt und selbstverständlich wird sie *sofort* entfernt. Bei Teppich oder vielleicht altem Dielenboden stelle ich es mir allerdings auch nicht besonders prickelnd vor. Mein Sohn hat normalerweise extra nicht auf Teppich, Matratzen, Couch & Schoß gepinkelt, als sich das eben plötzlich änderte, ist es natürlich nicht mehr so toll gewesen – entsprechend habe ich ebenfalls mit mehr Windeln reagiert.

    Ich wundere mich allerdings – normalerweise ist der Kackzeitpunkt doch recht regelmäßig. Zumindest, wenn sie nicht krank sind, kacken Menschen doch nur einmal am Tag, schon ältere Babys halten das so. Höchstens zwei mal (wenn sie abgelenkt sind, habe ich gemerkt, wird es eher unterbrochen, dann kommt später noch mal was). Kannst du nicht abwarten, bis das vorbei ist, und dann windelfrei rumlaufen lassen? Dann ist ja nur noch Pipi-Aufwischen zu erwarten. Das wäre doch vielleicht ein Kompromiss.

    Übrigens, als ich von Windelfrei erfahren habe, war mein älterer Sohn etwa 2 Jahre alt (und ein paar Monate). Ich meinte, in einer kinderreichen Gesellschaft würden Kinder ja auch immer ganz viele Vorbilder haben, so ganz automatisch, die ihnen bei uns in der Kleinfamilie fehlen. Mein Jüngster hat ja auch erst wieder angefangen, sich abhalten zu lassen, als er meinen Sohn in die Wanne pinkeln sah. Für meinen großen Sohn hab ich damals auch einfach Vorbild gespielt und hab einige Geschäfte – große und kleine 😉 – ins Töpfchen gemacht… Wenn deine Tochter zusätzlich noch manchmal nackt ist, vielleicht kriegt ihr wieder den Bogen.

    Viele Grüße
    Johanna

  3. Die Sache mit dem Vorbild habe ich mir auch schon überlegt…
    Ich denke auch, wenn unsere Kleinen viele andere kleine Vorbilder hätten, dann müssten wir uns nicht so die Gedanken über Abhalte- und Töpfchenstreiks machen.

  4. Hallo Johanna und Claudia,
    ich kenne das auch mit meiner mittleweile 18 Monate alten Tochter, nur zum Glück nicht ganz so extrem. Laufen, Zähne, Sprechen, Spielen etc. ist einfach alles viel wichtiger als „Klogehen“. Wobei sie sich auch ganz bewußt ist, was sie tut. Wenn sie Lust hat, stürmt sie mit dem Ruf „Klo“ gen Toilette, macht die Tür auf, wenn nur angelehnt, und klappt erwartungsvoll den Klodeckel hoch. Dann läßt sie sich auch anstandslos aus der Hose und der Pampers pellen und abhalten. Wenn keine Lust, dann nicht. Dann schauen wir uns manchmal in die Augen und sie weiß, dass ich weiß, dass sie weiß, dass sie muss… und sie macht sehenden Auges und ganz bewußt ihr Pipi in die Windel. Soll sie, sie ist ein freies Kind. Zum großen Geschäft (i.d.R. 1x am Tag, manchmal auch nur alle 2 Tage) meldet sich sich aber glücklicherweise so gut wie immer, das will sie nicht in der Windel haben.

    Den Effekt, dass bei Krankheit alles viel „besser“ geht, kenne ich auch. Da ist der Widerstand nicht so groß… 🙂 und man fühlt sich in die seligen Babyzeiten zurückerinnert, als man einfach problemlos mit seinem Kind zur Toilette gegangen ist und es protestfrei abhalten konnte. Aber wir wollen ja starke Kinder, die wissen und tun, was sie selbst wollen! Insofern ist „windelfrei“ auf jeden Fall eine gute Übung für alle Beteiligten, und wir müssen damit leben, dass unsere Kinder irgendwann ihren eigenen Willen haben, der nicht immer mit unseren „guten Absichten“ harmoniert.

    Dranbleiben!
    Eva

  5. Mal ne Frage: Geht das mit dem Abhalten auch nicht mit Ablenkung? Ich hab nämlich meist auch so einen zappelnden, sich windenden Wurm auf dem Schoss, der macht da die tollsten Verrenkungen. Lesen wir aber zusammen ein Buch dann kann ich die Sache ein wenig herauszögern. Wie ist es bei Euch?

  6. Wir kommen gar nicht bis auf den Schoß. Entweder sie will, und dann macht sie auch alles mit, oder sie will nicht, und dann kommen wir i.d.R. nicht mal bis zur Toilettentür…

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