was dem einen seine Telepathie …

… ist dem anderen sein Frust 🙁

Ich muss wohl eine ganz andere Wellenlänge haben als mein Kind – zumindest stimmt meine telepathische Vorahnung nicht mehr mit seinen telepathischen Signalen überein.

Das, was sonst immer zuverlässig klappte, nämlich die Knöke lautstark ins Töpfchen zu befördern, findet mucksmäuschenstill ohne (für mich ersichtliche) Zeichen statt und färbt Hände, Arme, Röcke, T-shirts, Fußböden, Handtücher, Bettlaken und was unser Haushalt noch alles hergibt, sonnenblumengelb – also ich mag Sonnenblumen, aber deswegen färbe ich doch nicht meine gesamte Wäsche so, oder?

Und Pipi mag sie anscheinend auch viel lieber woanders machen. Wir sind eigentlich wieder am Anfang angekommen. Standardsituationen!

Nix is mit attachment, da ist Kampf über’m Asiatopf angesagt. Null entspannt. Sie wütend, ich gefrustet, weil ich eigentlich zu wissen glaube, dass sie muss und sie 2 Minuten später in die Windel pinkelt, die ich ihr aus lauter Frust anziehe, damit ich nicht das fünfte Mal angepieselt werde.

Hinzu kommt, dass sie zur Zeit ständig schreit. Sie schreit, wenn sie muss, wenn ich sie abhalte, wenn ich sie nicht abhalte, wenn ich sie stille, weil zuviel Milch heraus sprudelt, wenn ich sie nicht stille, weil ich denke, sie hat schon gespuckt und hat sich überessen, wenn sie aufstoßen muss, wenn ich sie trage, wenn ich sie ablege.
Nur im Tuch ist sie zufrieden, weil sie da einschläft. Aber ich muss auch mal schlafen…

Mir ist zum heulen, wo ist mein Mutterinstinkt????? Sie ist mir so fremd. Was mache ich falsch? Ich trage sie den ganzen Tag, ich stille sie den ganzen Tag, aber sie ist null entspannt, wenn sie wach ist. Dann drehen wir uns in einem Teufekskreis. Viel Weinen = viel stillen = wieder weinen, weil vielleicht müssen = abhalten ohne Erfolg = brüllen = noch mal stillen, was dankend angenommen wird (Hunger oder Frust?) = noch mehr müssen … ach und so weiter. Wie kann ich das durchbrechen? Wie kann ich das Kontinuum erhalten?

Zum Glück gibt es dieses Blog, und so darf ich hoffen, dass es auch wieder besser werden wird, schöner und enger als je zuvor. Aber auch bei mir???
Wenn man so im Frust steckt, mag man es ja nicht glauben wollen, ich denke dann immer so pessimistisch: Ja, bei Euch klappt’s, aber ich bin bin unfähig … oh Mann, ich bin echt gerade depri … mein Teufelchen fordert eben auch gelegentlich seine Daseinsberechtigung!

Aber mein Engelchen schleicht dann zum Glück auch leise um die Ecke und flüstert mir ins Ohr: „Hey, Claudi, Du bist doch sooo früh dabei, noch ist Deine Süße noch nicht einmal so alt wie Nics Kerlchen als die beiden angefangen haben, Du hast alle Zeit der Welt, take it easy“. Hach, ich würd‘ ihm so gerne glauben …
Ich muss ihm vielleicht auch nur mal sagen, dass es nicht zu flüstern braucht 🙂

5 Gedanken zu „was dem einen seine Telepathie …

  1. Liebste Claudia,

    lass Dich umarmen, lass Dich trösten und dann lass Dir liebevoll sagen: freu Dich! Wenn mein Sohn bisher so drauf war (und er war es schon ein paar Mal, oh ja, ick kann dir sajen…) dann steht immer ein Entwicklungssprung bevor – und der kommt glücklicherweise meistens genau dann, wenn ich das Gefühl habe, dass ich einfach nicht mehr kann…

    Aber auf jeden Fall, und vor allem seit ich wieder intensiv Bauer und Boucke lese, darf ich Dir einen Rat eben: mach einen Schritt zurück, mach Topffit-Pause, das Kind hat gerade anderes zu tun und eine gefrustete Claudia ist sowieso und überhaupt nicht akzeptabel. Wickelt ein paar Tage bis ihr euch wieder eingetuned habt. Es wird von selbst wiederkommen, das windelfrei-en, das war bei uns imemr so, wenn man einmal angefangen hat, ist es wie eine Sucht :).

    Ganz ganz liebe Grüße von der, die das anfangs ebenso gefrustet, mittlerweile eiskalt in die Pamperspackung greifend schon ein paar Mal durch hat und nur deshalb so neunmalklug daherreden kann…

    sei umarmt,

    deine nic

  2. Danke, Nic!

    Ich habe die Umarmung gespürt 🙂

    Und nach der Lektüre der aktuellen Beiträge im TopfFit-Forum werde ich mich mal wieder etwas schütteln und mir klipp und klar sagen, dass das Ziel nicht das Auffangen von möglichst vielen Aussscheidungen ist, sondern die Kommunikation mit meinem Kind. Das gerät manchmal in meinem Eifer kurzfristig aus meinem Blickfeld. Verdammter Ehrgeiz …

    Bin schon gespannt auf den Entwicklungsschritt …

  3. Ja, Claudia, hier kommt noch eine Trost-Umarmung angeflogen…

    Nimm es leicht und mit Humor, und denk daran, dass es ein Miteinander ist. Ich frage mich in solchen Momenten immer: Was ist das Schlimmste, was diesbezüglich passieren könnte? Das bringt mich oft sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, denn in gewissen Situationen neigt man doch sehr dazu, alles arg schwarz zu sehen.

    Wische und wasche einfach, und – wenn du Sonnenblumen eh magst – erfreu dich an dem Sonnenblumengelb! So furchtbar ist die Farbe ja nun wirklich nicht… 😉

  4. Hallo Claudia,
    offensichtlich ist es jetzt ja vorbei und ihr habt euch wieder eingegrooved. Das mit den Entwicklungssprüngen kann ich bestätigen. Deine Süße ist jetzt auch ca. 5-6 Wochen alt oder? Das ist ja eine typische Zeit dafür. Wir haben auch grade eine schwierige Phase mit viel Weinen und einer müden Mama durch. Wobei ich nicht sagen kann, ob es sich auch stark auf das OpenAir Pinkeln ausgewirkt hat, weil es bei uns sowieso erst grade anfängt so richtig gut zu laufen. Jetzt ist bei uns auch wieder der Frieden eingekehrt und es läuft immer besser mit immer weniger Windeln.

    …Sagt Andra, deren Häschen grade ins Tragetuch gepinkelt hat und dann seelig eingeschlafen ist. Nasses T-Shirt, nasse Hose, nasses TT – das brauch ich doch!!!!

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