Stillende Mutter in Hamburg aus dem Bus geworfen

Eine stillende Mutter musste offenbar gestern in Hamburg einen Bus verlassen:

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Bildschirmfoto 2015-06-05 um 12.52.15 Quelle: Hamburger Verkehrsverbund

Gestern erzählte eine Mutter auf Facebook, sie wurde gegen 17 Uhr mit ihrem Kind aus einem Bus der Linie 14 in Hamburg verwiesen. Der Busfahrer forderte nach dem Vernehmen die Mutter über Mikrofon auf, den Bus zu verlassen oder mit dem Stillen aufzuhören, nachdem eine ältere Dame sich beschwert hatte. Die Mutter hatte nach eigenen Angaben diskret gestillt (was immer das heißt und selbst wenn nicht – Hunger geht vor!). Der Busfahrer nötigte sie, auszusteigen. Da er sich weigerte, weiter zu fahren, wurden die anderen Mitfahrer unruhig und sie beugte sich schlussendlich diesem sozialen Druck und verließ den Bus.

Wenn das so stimmt, sind gleich mehrere Dinge unfassbar:

in den Beförderungsbedingungen des HVV (die im übrigen kaum zu finden sind, ich habe sie hier gefunden) steht unter „§ 3 Von der Beförderung ausgeschlossene Personen“, dass nur Personen ausgeschlossen werden können, die „die eine Gefahr für die Sicherheit oder Ordnung des Betriebes oder für die Fahrgäste darstellen“ – darunter Leute mit Schusswaffen. Dass man im Bus nicht stillen darf, steht dort nirgends und wäre im übrigens aus meiner Sicht auch nicht rechtens, denn:

– das deutsche Grundgesetz schützt in Artikel 6 besonders Eltern und verpflichtet uns dazu, uns um unsere Kinder zu kümmern – stillen dürfte ja wohl dazu gehören:

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. (…)
(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

– warum hat niemand für die Frau Partei ergriffen? Wie kann es sein, dass Leute ungeduldig werden, wenn ein Busfahrer eine Mutter mit Kind aus seinem Bus wirft, statt dass sie der Mutter helfen?

In anderen Ländern – von Australien über Taiwan bis zu den USA – ist öffentliches Stillen häufig sogar ausdrücklich gesetzlich geschützt.

Wie können wir alle helfen? Franzi von Einfach-Klein hat etwas zusammengestellt:

Wie könnt ihr helfen?

Ruft beim Fahrgastservice der Hochbahn an und beschwert euch, verlangt höflich und sachlich, dass dieser Fall geklärt wird und fragt nach, was die Bestimmungen der HOCHBAHN zum Stillen in ihren Fahrzeugen sind (besonders, wenn ihr Hamburger seid, Anm. Nicola).

Lasst euch weiterleiten zu den entsprechenden Stellen und klärt über die Wichtigkeit des Stillens auf, über das Stillen als euer und das Grundrecht eures Kindes.

Bittet darum, dass es öffentliche Stellungnahmen gibt und die MitarbeiterInnen und FahrerInnen der Hochbahn geschult werden über die Bestimmungen.

Keine stillende Mutter sollte diese Demütigung erfahren müssen und die Mitarbeiter sollen entsprechende Informationen bekommen, um stillende Mütter zu schützen und unterstützen, statt sie zu diskriminieren.

BITTE an euch alle: bleibt höflich, sachlich und respektvoll! Macht euch für die Sache stark, aber verletzt dabei keine Grenzen und werdet nicht beleidigend.

Ruft an oder mailt dem Fahrgastservice der Hochbahn:

HOCHBAHN Beschwerdemanagement
Telefon: 040/32 88-27 23 (Mo–Fr 9–18 Uhr),
Mail an: info@hochbahn.de

Ruft den Pressesprecher der Hochbahn an:
Pressesprecher: Christoph Kreienbaum Tel.: 040/32 88-21 21
stellv. Pressesprecherin: Christina Becker Tel. 040/32-88-2556
Mail: presse@hochbahn.de

Meine Mail an das Beschwerdemanagement:

Sehr geehrter Herr Kreienbaum, sehr geehrte Frau Becker,
sehr geehrte Damen und Herren der Hamburger Hochbahn AG,

ich schreibe Ihnen, da mir heute bekannt geworden ist, dass eine stillende Mutter gestern gegen 17 Uhr im Bus der Linie 14 vom Busfahrer diskriminiert worden ist.

Der Busfahrer forderte sie über Mikrofon dazu auf, das Stillen zu unterlassen oder den Bus zu verlassen. Als sie sich weigerte, setzte der Busfahrer minutenlang die Fahrt nicht fort. Daraufhin setzten auch die anderen Fahrgäste die Frau unter Druck und die Mama musste schließlich mit ihrem Kind den Bus verlassen.

Damit sind der Frau gleich mehrere ihrer Rechte verweigert worden:

– in den Beförderungsbedingungen des HVV steht unter „§ 3 Von der Beförderung ausgeschlossene Personen“, dass nur Personen ausgeschlossen werden können, die „die eine Gefahr für die Sicherheit oder Ordnung des Betriebes oder für die Fahrgäste darstellen“ – darunter Leute mit Schusswaffen. Dass man im Bus nicht stillen darf, steht dort nirgends und dürfte wohl kaum unter diese Definition fallen.

– das deutsche Grundgesetz schützt in Artikel 6 besonders Eltern und Mütter in der Pflege ihrer Kinder – wobei das Füttern dazugehören dürfte:

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. (…)
(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt ausschließliches Stillen in den ersten 6 Monaten, danach mit Gabe von geeigneter Beikost weiteres Stillen bis zum 2. Geburtstag und darüber hinaus solange Mutter und Kind es wollen.

Ich möchte von Ihnen wissen, ob es weitere Bestimmungen zum Stillen in Ihren Fahrzeugen gibt?
Ist es Ihren MitarbeiterInnen gestattet, einer stillenden Frau die Beförderung zu verweigern?

Ich bitte Sie, Stellung zu nehmen und Ihre Bestimmungen zum Stillen in Ihren Fahrzeugen zu erläutern. Sollte es keine Bestimmungen geben, so bitte ich Sie, schnellstmöglich im Sinne der Familienfreundlichkeit und Förderung des Stillens Regelungen zu finden, die eine Demütigung und Diskriminierung stillender Mütter verhindern.

Weiterhin bitte ich Sie, Ihr Personal zu sensibilisieren hinsichtlich des familienfreundlichen Umgangs und der Unterstützung stillender Mütter.

Meinen Artikel zu dem Vorfall können Sie hier finden: http://windelfrei.blog.de/2015/06/05/stillende-muetter-hamburg-bus-geworfen-20512536/

Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und hoffe, dass Sie den Vorfall schnellstmöglich aufklären werden.

Ich werde gern über Ihre Stellungnahme berichten.

Freundliche Grüße sendet Ihnen

Nicola Schmidt

3 Gedanken zu „Stillende Mutter in Hamburg aus dem Bus geworfen

  1. Ich habe mal auf Rügen in einem Café gestillt. Auch sehr diskret, heißt: es war keine Brust zu sehen. Nach ner Weile fragte eine Dame die Kellnerin, ob sie nächstes Mal auch ihre Kuh mitbringen darf, war ich zuerst geschockt. Doch dann sagte ich: „Ach? Sind Sie von ner Kuh gestillt worden? Dann ist es ja kein Wunder, dass Sie so ein Rindvieh sind!“ Alles lachte und die Frau sagte nichts mehr. So was Ähnliches hätte ich dem Busfahrer gesagt. Schade, dass ich nicht in dem Bus war.
    Antje

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