Das tun, was möglich ist.

Die Windelfrei-Erfahrungsberichte-Serie…

Helgas Tochter ist schon ein Schulkind, doch für uns hat sie sich zurück erinnert:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Ich habe zwei Bücher davon von meiner Hebamme bekommen, die meinte, das könnte mich vielleicht interessieren, wenn ich schon mit Stoff wickele.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Ich habe es zwischen ihrer zweiten und dritten Lebenswoche probiert, aber es hat zu meinem Lebensrhythmus nicht gepasst. Wir mussten direkt nach ihrer Geburt eine neue Wohnung suchen und beziehen. In dem Durcheinander habe ich nicht das Gefühl gehabt, ich kriege das auf die Reihe, mich so auf sie und mich und unsere gegenseitige Körper-Intuition einzustellen, dass das klappen kann. Wenn ich Zeit und Ruhe hatte, habe ich sie abgehalten, aber nicht regelmässig und auch nicht mit dem Ziel, windelfrei zu werden, sondern mit dem Gefühl, es ist eine schöne Chance, neben der Ebene des Stillens auch eine andere Körperebene als Beziehungsraum zu haben. „Zeichen“ in dem Sinne habe ich nicht mitbekommen. Ich fand aber, dass sie in einer ganz speziellen Art unruhig wurde, wenn sie musste. Wenn sie Stuhlgang haben musste, hat sie manchmal auch aus der Unruhe heraus geweint. Dann konnte ich sie leicht und erfolgreich abhalten. Aber wie gesagt, ich habe nicht genügend Gelegenheiten gefunden, meine Aufmerksamkeit dem Ausscheiden zu widmen.

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Durch das gelegentliche Windelfreie habe ich vielleicht zwei Windeln am Tag weniger gebraucht. Aber wie gesagt, das Windelfreie war nicht mein Ziel, sondern eher der Wunsch, meiner Intuition für mein Kind mehr Raum zum Entwickeln zu geben.
Ich habe selber eine Mutter, die ständig auf mich projizierte, aber nichts von mir mitgekriegt hat. Die körperliche Ebene fand ich da eine gute Chance, mich einzufühlen und eine Verbundenheit zu entwickeln, ohne mir einzubilden, dass alles, was ich will, auch das ist, was meine Tochter will, wie meine Mutter es oftmals gemacht hatte.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
Ich kann mich nicht mehr erinnern, weil meine Tochter inzwischen 8 Jahre alt ist.

Nutzt Du auch andere Backups?
Ich habe fast nur Stoffwindeln benutzt; ganz windelfrei habe ich sie nur zu Hause/oder im Sommer draußen gehabt (wenn wir es denn gemacht haben).

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Gelegentlich, aber das lag an bestimmten Lebensmittelunverträglichkeiten; sie wird auch heute noch gelegentlich von ihrem Urin wund, wenn sie etwas gegessen hat, was sie nicht verträgt (vor allem Bananen).

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
Ich habe ausprobiert: nach dem Aufwachen, nach dem Stillen und wenn ich auf die Toilette musste, habe ich sie mitgenommen und danach über dem Waschbecken abgehalten bzw. später mit auf den Topf gesetzt, so dass wir gemeinsam aufs Klo gingen. Das war super.

Wann klappt es am besten?
Abends/nachts nach dem Stillen, beim gemeinsamen Toilettengang

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Ich habe mir immer ca. 5-10 Minuten Zeit nehmen können.

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Erst hatten wir eine kleine Plastikschüssel, dann eine größere, dann habe ich sie über der Toilette abgehalten. Mit ca. 1,5 Jahren fand sie das auf einmal total gruselig und mochte dann nur noch auf dem Töpfchen sitzen bzw. über dem Waschbecken abgehalten werden.

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein: eher mehr Arbeit – eher weniger Arbeit – genauso viel Arbeit wie beim Wickeln?
Die echte, reine Arbeitsbelastung, wenn man das Gespür entwickelt hat, schätze ich als eher weniger Arbeit ein. Die eigenen Aktivitäten aber so zu strukturieren, dass einfach Zeit und Raum ist, mein mütterliches Gespür für die Ausscheidungszeichen meines Kindes zu entwickeln, das habe ich nicht hingekriegt. In diesem Sinne war es mehr Arbeit. Beim Wickeln habe ich allenfalls einen Zeitrhythmus oder einen Geruch, und dann erledige ich das. Wäsche wäscht sich mit den anderen Sachen, da ist es egal, ob ein paar Windeln dazukommen. Aber meinen Alltag so zu strukturieren, dass ich die Ruhe und Geduld für Windelfrei hinkriege, das war mir damals zu viel Arbeit.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Auf jeden Fall, dass ich bei allem, was ich von ihr wahrnehme, erstmal hingucke und herauszufinden versuche, was jetzt ihr Bedürfnis ist. Und nicht, meinem Zeitplan folge oder meiner Meinung, was sie jetzt wollen sollte. Diese Grundhaltung hat unsere Beziehung auch in vielen anderen Situationen unterstützt. Also ich hoffe und glaube, dass ich mein Ziel, intuitiver und vertrauensvoller auf meine Tochter zu reagieren, erreicht habe, indem ich es so gemacht habe, wie es halt für mich möglich war.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Immer gucken, was für dich geht. Wenn ich das unbedingt gewollt hätte, aber dann bei jedem Schiefgehen erst auf mich sauer gewesen wäre und dann meine Tochter mit meiner miesen Laune verunsichert hätte, wäre das doof gewesen. Wir waren nie wirklich windelfrei, aber ich habe gelernt, mir für Aufmerksamkeit Raum zu nehmen, anderen Bedürfnissen neben meinen Raum zu geben, und das fand und finde ich super. Und meine Tochter hatte viel Spaß an ihren Stoffwindeln und den gemeinsamen Toilettengängen und ist mit zwei tagsüber trocken gewesen und ab 2,5 auch nachts. Und das ganz entspannt und mit einem Gefühl für sich selbst. Das war auch ein Ergebnis unserer teilwindelfreien Zeit.

Lieben Dank für Deinen Bericht! 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.