Dein Kleinkind will nicht in den Fahrradsitz? Dann kann Abhalten eine Lösung sein…

Die Windelfrei-Erfahrungsberichte-Serie

Anais bot fand Windelfrei zu öko und fing dann trotzdem an ihrer Tochter das Abhalten anzubieten:

Wie bist Du zu Windelfrei gekommen?
Als meine Tochter ca. 7 Monate alt war, habe ich einen Bericht in der Kidsgo gelesen. Ich fand das ganz interessant und habe es gegoogelt, dann aber erstmal gedacht, das sei nichts für mich, denn meine Tochter war ja schon viel zu alt dafür und irgendwie kam es mir dann doch etwas zu „ökig“ vor… Im Hinterkopf habe ich es aber behalten, für’s zweite Kind vielleicht, so dachte ich. Es kam dann doch anders. Unsere Tochter hatte dann zweimal einen richtig richtig schlimm wunden Po, wirklich böse, mit fast offenen Stellen… Da hab ich mich gefragt, ob wir nicht doch damit anfangen sollten. Ich habe Nicola eine Mail geschrieben und sie gefragt, ob es mit inzwischen elf Monaten noch machbar sein, mit Windelfrei anzufangen. Sie hat ja gesagt und noch ein paar Links geschickt. Ich habe die Tips für Spätstarter gelesen und auch ein paar englischsprachige Seiten zum Thema Parttime-EC (das war nämlich mein zweiter Zweifel, ob es Sinn macht, damit anzufangen, wo unsere Tochter doch bald in die Krippe kommen würde). Dann habe ich ein Töpfchen bestellt – und los ging’s! Vom ersten Tag an übrigens mit Erfolg – schon das erste Kacka nach dem Aufwachen ging ins Töpfchen, und seitdem (es ist jetzt drei Monate her) haben wir nur zwei Kacka-Windeln gehabt.

Wie alt war dein Kind, als Du mit Windelfrei angefangen hast?
Elf Monate.

Wie viele Windeln hast Du vorher pro Tag verbraucht (Durchschnitt)?
Ich habe es ehrlich gesagt nicht gezählt. Vielleicht sechs am Tag (als sie noch klein war, und bei jedem Stillen gekackert hat, sicherlich deutlich mehr) und eine in der Nacht.

Wie viele Windeln verbrauchst Du derzeit und wie alt ist Dein Kind mittlerweile?
Sie ist jetzt vierzehn Monate alt. Heute haben wir tatsächlich eine einzige Windel vom Aufstehen bis zum ins Bett gehen gebraucht. Sie ist den ganzen Tag trocken geblieben, juchu! Ich bin völlig begeistert. Ansonsten gibt es natürlich mal bessere und mal schlechtere Tage. Es hängt davon ab, ob ich sie mit zur Arbeit nehme (da kann ich nicht immer so aufmerksam sein) oder ob sie mit anderen Kindern rumtobt (da kann sie das schonmal vergessen), aber so im Schnitt würde ich jetzt sagen drei Stück vielleicht.   Nachts verbrauchen wir jetzt allerdings mehr, so zwei bis drei Windeln meistens, denn ich kann es mir nun nicht mehr vorstellen, sie so lange in ihrem Pipi liegen zu lassen. Bevor ich ins Bett gehe, wechsel ich ihr die Windel (da ist dann vielleicht eine Ladung Pipi drinnen) und dann seit ein paar Tagen manchmal auch so gegen fünf Uhr morgens (ich hab das Gefühl, sie fängt vielleicht an mir zeigen zu wollen, dass sie muss, einmal bin ich rechtzeitig wach geworden und hab sie über dem Waschbecken abgehalten und es hat geklappt, meistens verschlafe ich es aber). Sie pinkelt nachts relativ viel, wie ich finde, sicherlich, weil ich sie nachts stille und sie teilweise die halbe Nacht an meiner Brust hängt.

Nutzt Du auch andere Backups?
Ich versuche sie viel Zuhause mit nacktem Po rumlaufen zu lassen. Jetzt, wo der Sommer endlich da ist, geht es ja und wir haben auch Dielen, da kann man den Pipi schnell wegwischen.  Ansonsten immer noch Wegwerfwindeln, wobei mir das langsam auch nicht mehr so behagt.Ich glaube, ich muss mal ins Hug & Grow und schauen, was es da so an Alternativen gibt.

Hattet/habt ihr Probleme mit Wundsein?
Früher ja, zweimal sehr schlimm. Unsere Tochter hatte die ersten Monate auch andauernd Pilz im Windelbereich… 

Welche Standardsituationen probierst Du aus?
nach dem Aufwachen – immer, das klappt super, morgens und nachmittags 
beim Stillen – nein
nach dem Stillen – nach dem Ins-Bett-geh-stillen ja, das klappt auch gut, ansonsten trinkt sie tagsüber kaum noch
nach dem Spielen – ja 
Andere: nach Gefühl, wenn ich auch aufs Klo gehe zum Beispiel. Oder wenn ich denke, es könnte mal langsam wieder sein. Wenn sie unruhig ist und quengelig; oft ist es dann das. Heute wollte sie partout nicht in ihren Fahrradsitz, obwohl sie Fahrrad fahren liebt. Also schnell an den nächsten Baum – und siehe da! Ein riesiger Bach! Danach war das mit dem Fahrradsitz kein Problem mehr. Manchmal läuft sie inzwischen auch zu ihrem Töpfchen. Manchmal muss sie dann, manchmal halt auch nicht.

Wann klappt es am besten?
Nach dem aufstehen, ganz klar!

Wie viele Minuten (circa) hast du Zeit, um dein Kind abzuhalten (wenn es z.B. gerade aufgewacht ist oder wenn es Zeichen gibt)?
Hmm… morgens muss es ziemlich schnell gehen, da ist die Blase und der Darm voll sind. Nachmittags etwas länger würde ich schätzen. So fünf Minuten vielleicht?

Was benutzt ihr als Töpfchen, wenn ihr eines benutzt?
Ein Töpfchen von rotho.  Sie sitzt eigentlich ganz gut drauf, es passt auch für schmale Babypopos (sie ist sehr zart). Allerdings finde ich den Spritzschutz unnötig für Mädchen; zu hoch und etwas unpraktisch. Seitdem sie anfängt, sich alleine auf den Topf zu setzen. Oft setzt sie sich dann auf den Spritzschutz, weil das genaue anvisieren (Spritzschutz genau zwischen die Beine bekommen), doch etwas schwer ist und dann tut ihr das halt weh.  Ansonsten sitzt sie gerne auf ihrem Töpfchen, guckt Bücher drauf an und freut sich wie Bolle, wenn was reingeht und bewundert es immer ausgiebig und lautstark („OOOOooooh!“).

Wie schätzt Du die Arbeitsbelastung ein?
Eher weniger Arbeit. Denn das Wickeln ist für uns irgendwann zum absoluten Stress ausgeartet. Sie wollte nicht liegen bleiben, hat sich im falschen Moment umgedreht, die Kacka verschmiert… schrecklich! Ich hab sie dann teilweise im Stehen gewickelt. Mein Freund ist halb verzweifelt, weil er im Stehen wickeln nicht hinbekommt und hat sich immer neue Ablenkungsmanöver einfallen lassen müssen… Es gibt ein großartiges Crappy Baby Comic dazu – so ähnlich war es bei uns.

Hat sich in deiner Kindes-Wahrnehmung etwas verändert, seit ihr Windelfrei macht und was?
Ich hab mir früher keine Gedanken darüber gemacht, ob ein Baby anzeigt, dass es muss. Ich hab halt einfach Windeln benutzt, weil man das halt heute so macht. Im Nachhinein denke ich, dass in vielen Situationen, in denen unsere Tochter als kleines Baby geweint hat und unruhig war und wir nicht wussten, was sie hat, dass das Abhalten durchaus hätte die Lösung sein können. Ich finde es schön zu wissen, dass ich ihr jetzt helfen kann, sich zu erleichtern. Ich finde, es hat auch was mit Respekt zu tun, dass ich sie wenn möglich nicht in ihre Windel machen lasse, denn wer will schon Pipi oder Kacka am Po haben und damit rumlaufen. Ich finde es gut, dass sich unsere „Checkliste für mögliche Ursachen für das Unwohlsein“ unserer Tochter (müde, hunger, durst… ?) um einen sehr wesentlichen Punkt erweitert hat. Ich freue mich mit ihr, wenn sie sich freut, dass es klappt. Mein Freund war anfänglich etwas skeptisch, ist aber inzwischen auch begeistert dabei und auch sehr stolz drauf. Nur das Abhalten unterwegs traut er sich noch nicht.

Hast Du einen heißen Tipp für Windelfrei-Mütter in der gleichen Situation?
Einfach versuchen, auch wenn das Kind schon älter ist. Sich  und das Kind nicht unter Druck setzen. Wenn was in die Windel geht, geht davon auch nicht die Welt unter und man hat nicht versagt, weil man eine unaufmerksame Mutter ist oder so. Spaß auf dem Töpfchen haben, spielen, lesen, dann kann das Kind „locker“ lassen und es „flutscht“. Direkt nach dem Aufwachen war der perfekte Startschuss für uns.

Vielen lieben Dank!

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