Montags-Mantra: Druck erzeugt Gegendruck

Druck erzeugt Gegendruck. Bei uns klingt das so:

„Heb das bitte auf!“
„Nein, ich will nicht!“
„Du hast es heruntergeworfen, heb es bitte wieder auf.“
„Nein! Du!“
„Nein, ich kann gerade nicht und ich sehe es auch nicht ein.“
„DOCH! DU!!!“
„Nein, ich…“

So kann das noch zehn Minuten weitergehen. Bis einer – meist der Kleinere von beiden – weint. Wenn dann einer – meist der Größere von beiden – noch etwas vor hat, übermüdet oder ohnehin gestresst ist, kommt es zu Streit. Am Ende hat keiner gewonnen, es liegen meist noch mehr Dinge auf dem Boden und die Stimmung ist im Eimer.

Ich habe ziemlich lange gebraucht, um es zu kapieren. Druck erzeugt – zumindest bei meinem Kind – Gegendruck.

Heißt das, dass ich alles aufhebe, was er herunterschmeißt? Nein. Er hebt es selbst auf. Und das geht so:

„Heb das bitte auf.“
„Nein, ich will nicht.“
„Du hast es heruntergeworfen, heb es bitte auf. Wir treten sonst drauf oder jemand tut sich dran weh oder es geht kaputt. Das ist doof.“
„Nein! Du!“
„….“
„NEIN! DU!!!! JETZT!!!“
„…“

Ich tue einfach – nichts. Und sage einfach – nichts.

Und dann mache ich etwas anderes. Und etwa drei Minuten später hebt er es auf. Einfach so. Bringt es in den Müll oder wo immer es hingehört. Manchmal ohne Kommentar, manchmal sagt er „Siehst Du, jetzt ist es aufgehoben“ und ich sage artig „Danke, ich freue mich“ und gut ist.

Grmpf. Druck erzeugt Gegendruck. Das Tao sagt, dass Nichtstun die Tat des wahren Kriegers ist – sei wie das Wasser. Und das gilt auch für mein Kind.

Wieso habe ich so lange gebraucht, um das zu kapieren? Und es passiert mir immer noch, dass ich genervt bin und will, dass er JETZT macht, was ich will, dass er es JETZT wegräumt, JETZT aufhebt, sich JETZT die Zähne putzen lässt…. Dabei weiß ich, dass ich niemals aggressiv zu einem aggressiven Kind sein soll. Seufz. Ich bin so Mensch…

Aber er übt geduldig mit mir, jeden Tag. Und zeigt mir jedes Mal, dass ich mich auf ihn verlassen kann, wenn ich den Mut habe, mich auf ihn zu verlassen. Daher versuche ich, mir an schweren Wegkreuzungen zu sagen „Druck erzeugt Gegendruck“ und dann einfachmaldieklappehalten tiiiiief durchatmen und waaaarten.

(Danke an meine Mama für dieses Mantra!)

(Was ist das Mama-Mantra? hier

weitere Mantras: Jeden Tag a bissle, Wasch Dich!, Habe ein Fertigessen, Tue es jetzt!, Dannistdashaltso.de, Routine ehren, Schau nicht auf den Baum!, Reffe! Jetzt!, Prioritäten-Liste, Erst das Wichtige…, Kind, Du bist nicht schuld, , Nichts ist weicher und stärker als Wasser, Diskutiere nicht mit einem müden Kind, Diskutiere nicht mit einem hungrigen Kind.)

0 Gedanken zu „Montags-Mantra: Druck erzeugt Gegendruck

  1. Wow, diese Strategie beeindruckt mich! Die werde ich auch ausprobieren!
    Ich hab mich schon unzählige Male im Leben gefragt, wie man mit sowas umgehen könnte. Und zwar schon als Kind, wenn ich es hasste, dass meine Eltern mir Druck machten, später als große Schwester, wenn die doofen kleinen Geschwister nie machten, was sie sollten, und jetzt als Erwachsene, wenn ich manchmal ratlos daneben stehe, wenn fremder Leute Kinder auf stur schalten und ich die Eltern total verstehen kann, in ihrem Interesse, dass das Kind dies oder jenes aber bitte tun soll. (Manchmal versteht man ja fremde Leute auch nicht, wenn sie etwas von ihrem Kind verlangen. Aber manchmal eben doch.)
    Wie damit umgehen? Wie einen Ausweg finden, bevor alle gefrustet sind? Wie kann man erreichen, dass das Kind bestimmte Dinge tut, weil es nun mal für das Kind oder für mich wichtig ist, dass es das macht? Deine Strategie klingt nach einem wirklich hilfreichen Ausweg. Danke für das Posting!

    Viele Grüße,
    Katharina

  2. SEUFZ!
    Bei uns sieht das so aus:

    „Heb das bitte auf.“
    „Nein, ich will nicht.“
    „Du hast es heruntergeworfen, heb es bitte auf. …. (eventuell Erklärung)“
    „Nein! Du sollst!“
    „….“

    Kind trollt sich und spielt was anderes. (Mutter hebt es schließlich auf.)

    Was aber funktioniert:
    „Heb das bitte auf.“
    „Nein, ich will nicht.“
    „Du hast es heruntergeworfen, heb es bitte auf. …. (eventuell Erklärung)“
    „Nein! Du sollst!“
    „Nein, Du machst das meine Süße! Ich trag dich!v FLUGZEUG!!! Düüüüseee!!!“
    (Ich trage sie in Greifhöhe über dem Objekt vorbei, sie greift es sich, und wir steuern auf den Mülleimer zu).

    oder so:
    Dialog wie oben…
    „Ok, ich mache es aber ich bin erster dort.“
    „Nein ich!“
    Kind rennt!

  3. auch ne coole idee. mein zwerg ist nur noch zu klein, er will noch nicht um die wette zähneputzen 🙁 bei uns ist das jeden abend ein trauerspiel. wir müssen ihn festhalten, sonst geht nichts. und ich hasse das, aber die zähnchen braucht er doch noch ne weile!!! da kann ich leider nicht sein wie das wasser, denn dann würde er mit schmutzigen zähnen ins bett. bin für jeden weiteren ratschlag offen.

    1. wir haben unseren (1,5) auf dem arm zum zähneputzen so dass er sich auch dabei im spiegel sehn kann. außerdem kann er seine eigene zahnbürste halten mit der er sich selbst zähne „putzt“ und ich oder papa putzt dann gleichzeitig oder abwechseld mit… funktioniert eigentlich immer ganz gut.

  4. ja unser ist auch 1,5. das hat bei uns auch so funktioniert, bis er in der badewanne ausgerutscht ist und auf die schneidezähne fiel. seither ist nix mehr zu machen. wird auch bald behandelt beim zahnarzt. ich hoffe dass es danach wieder besser wird!

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