Rezension: "Regelschmerz ade!", C. Oblasser

Vor kurzem fragte mich Caroline Oblasser (einige kennen sicher das Buch „Luxus Privatgeburt“), ob ich Lust hätte, eine Rezension für ihre neuestes Buch zu schreiben, es gehe darin um Menstruation ohne Binden Tampons & Co. „Das klingt ja wie windelfrei“, lachte ich und sagte zu. Kurz darauf bekam ich vom österreichischen Verlag Edition Riedenburg ihr Werk zugeschickt:

Regelschmerz Ade! Regelschmerz Ade! ist im Mai 2011 erschienen. Es ist ein erzählendes Sachbuch, das sich in Ton und Aufmachung an junge Mädchen richtet, das aber auch für ältere Frauen interessante Informationen bereithält.

Verlagstext: „Mach dich frei von Schmerzmitteln und Kauf-Produkten zur Monatshygiene! Dies ist ein Buch für alle Mädchen und Frauen, die auf regelmäßige Regelschmerzen und traditionelle Produkte zur Menstruationshygiene ganz einfach verzichten wollen. Egal, ob du für deine Periode bislang Tampons, Binden oder Menstruationsbecher verwendet hast: Hier erfährst du rasch, wie du all das hinter dir lassen und deine Menstruationsflüssigkeit auf andere Weise wunschgemäß abfließen lassen kannst.

Wow. Das klingt neu und spannend – und ist es auch.

Durch kurze Szenen zwischen der 18 –jährigen Anna und ihrer Mutter wird die Methode der „freien Menstruation“ erklärt. Die Leserin erfährt auf 44 Seiten, nach welchen Gesetzmäßigkeiten der weibliche Zyklus abläuft und wie sie ohne Binden und Tampons den Fluss des Regelblutes steuern kann. Im Anhang gibt es Menstruationskalender für die symptothermale Verhütung.

Regelschmerz Ade! Mens-Kalender

Der Ansatz des Buches ist (mir) absolut neu: Regelblut kontrolliert abfließen lassen? Wie kann das gehen?

Caroline Oblasser bietet eine verblüffende Lösung: Menstruationsblut tropft nicht ständig heraus, sondern löst sich in Wellen und diese Wellen kann frau bewusst abfließen lassen und ist zwischendurch wieder „trocken“ bzw. macht sich durch bewusstes Schließen des Muttermundes „dicht“. Ganz nebenbei ein grandioses Beckenboden-Kennenlernprogramm und –training. Die Autorin berichtet zudem, dass damit Regelschmerzen weniger schlimm sind (die Protagonistin hat die ihrigen „schmerzmittelfrei im Griff“) und Pilz- oder andere Infektionen ausbleiben.

In 10 Punkten argumentiert sie für die Methode und macht der Leserin Mut, sie selbst auszuprobieren. Auf verschiedenen Seiten ist man aufgefordert, wie in einem Seminar eine kleine Selbstbefragung durchzuführen. Beispiele: Was erwartet die Leserin von dem Buch, welche Bilder könnten ihr helfen, den Muttermund bewusst zu entspannen und was hat das Buch bewirkt.

Das Buch eröffnet einen völlig neuen Blickwinkel. Es vermittelt unaufdringlich und doch präzise Wissen um den weiblichen Zyklus und die Abläufe im eigenen Körper und ermuntert zu Selbstuntersuchung und Selbstvertrauen (Dinge, die ich als junge Frau im FFGZ erfuhr, leider nicht in der Schule). Es eröffnet eine ganz neue Perspektive auf das Thema, ist gut aufgemacht und zielgruppengerecht aufgebaut.

Es ist lesenswert für alle, die etwas über den Zyklus lernen wollen und sicher eine Hilfe für alle, die von Tampons Bauchweh und von Binden Pilze kriegen (allerdings sind hier auch Schwämmchen und Mens-Tassen schon eine erste Hilfe).

Regelschmerz Ade! Kapitel

Für mich bleibt die Frage offen, ob es eine Idee von Caroline Oblasser ist, oder ob es andere gibt, die diese Methode schon ausprobiert, erfunden, durchgeführt haben. Und als erwachsene Frau fand ich den Ton des Buches manchmal etwas schwierig zu lesen. Was mich am meisten interessiert, ist natürlich: Klappt das? Es gibt auf der Verlagsseite erste Stimmen dazu.

Wahrscheinlich ist es wie windelfrei – wenn man davon hört, klingt es unglaublich, wenn man es macht, ist es plötzlich völlig normal. Als Vollzeitstillmama konnte ich es bisher leider nicht ausprobieren. Und so hat das Buch auf jeden Fall eines bewirkt: Ich freue mich auf die nächste Gelegenheit, das Experiment durchzuführen.

9 Gedanken zu „Rezension: "Regelschmerz ade!", C. Oblasser

  1. … und ich dachte schon mein Mooncup ist das non-plus-ultra, nachdem ich mir dachte, dass ich doch keine „windeln“ verwenden kann, wenn mein kind doch windelfrei ist… das thema interessiert mich…

  2. Danke für die wieder mal spannende Buchvorstellung! Ganz so neu – wie auch windelfrei – ist das ja doch nicht. Die traditionell lebenden Ureinwohnerinnen Nordamerikas hielten sich während ihrer Menstruation vier Tage lang vom Lager entfernt auf und sind in regelmäßigen Abständen (ich glaube auch vier mal am Tag) zum Bluten an einen abgeschiedenen Ort gegangen. Kräuter gegen Menstruationskrämpfe kannten sie trotzdem.
    Wie dem auch sei – schön, dass das Wissen in unsere „westlich-zivilisierte Welt“ schwappt. Und danke für’s Wortverbreiten :).

  3. Ich fand auch, dass das Buch interessant klang, und habe es mir schon bestellt. Allerdings verdient so ein dünnes Heft meiner Meinung nach den Namen Buch nicht wirklich, ich hatte es nach etwa einer Stunde durchgelesen 😉 Aber den Inhalt fand ich sehr interessant (fühlte mich durch die Sprache aber auch nur wenig angesprochen – ist tatsächlich eher was für Teenies).
    Und obwohl ich immer noch mehr oder weniger voll stille, hatte ich letzte Woche direkt die Gelegenheit, mein neues Wissen praktisch anzuwenden. Ich war aber leider recht erfolglos… Naja, wenn sich das mit den Tagen wieder so richtig einpendelt, werde ich ja ausreichend Gelegenheit haben, es weiter zu testen 😉 Die Idee ist genial und ich fänds großartig, wenn es klappen würde!

  4. Interessant, gleich mal bestellt. Mich bringen vor allem die Regelschmerzen im Moment um den Verstand und das Wort PMS bekommt plötzlich eine Bedeutung. Grmpf, na mal sehen, bin gespannt auf die Teeniesprache und wie alt ich mich fühle.

  5. Hallo :-)! Zu dem Buch von Caroline Oblasser: „Regelschmerzen ade“ Natürlich Ablassen Menstruation ohne Binden und Co: Ich kann dazu kurz sagen, es klappt.
    Näheres: Ich habe das Buch letztes Jahr im Internet gefunden, es bestellt und ausprobiert. Ich übe das Ganze jetzt also seit einem Jahr ein. Es hat vom ersten Mal an ganz gut funktioniert. Wenn ich nicht so gestresst wäre, würde ich noch besser ablassen können. Seit dem kaufe ich keine Binden und Tampons mehr. Für den Notfall habe ich aber Slipeinlagen. Aber eine weitere positive Folge davon war: Die Periode ist weniger geworden, das Blut kommt manchmal sogar nur an einem Tag, am zweiten dann nur noch schwach. Das heißt für mich dann, dass ich (fast) normal arbeiten gehen kann am zweiten Tag der Periode. Am ersten Tag habe ich meist frei (es legt sich meistens von selbst aufs Wochenende) oder ich müsste mir frei nehmen was aber wohl schwierig ist auf diesem Arbeitsmarkt. Manchmal gehe ich dann oft zur Toilette auf der Arbeit. Wenn ich frei habe an dem Tag, reicht es manchmal sogar, wenn ich normal auf Toilette gehe, da sich das Blut ansammelt und der Muttermund sich der Blase anpasst, was aber Übungssache ist. Das hört sich unglaublich an. Ich denke es ist eine Übungssache, wie man es dann mit dem Muttermund im Einklang schafft. Nur ist der erste Tag für mich extrem wichtig, da ich auch noch an Schmerzen leide und mich hinsetzen muss. Ich engagiere mich daher auch gerade für eine Gesellschaft, in der Frauen, unabhängig ob mit Job oder ohne, an dem Tag frei nehmen können und dafür einen anderen Tag arbeiten können. In meiner Ansicht beschneidet diese Gesellschaft, zumindest wenn man arbeiten geht, die Grundrechte der Frau. Es könnte mehrere Lösungen dafür geben. Es wäre keine große Sache etwas zu ändern.
    Um auf das Buch nochmals aufmerksam zu machen: Es ist informativ, kurz, könnte für mich etwas ausführlicher sein aber es ist gut für Jugendliche und es ist praxisnah ;), also man kann alles super anwenden. Den Kalender brauchte ich nicht, er ist aber sicher für einige sehr hilfreich. Ich habe die anderen Bücher noch nicht gelesen, aber gekauft habe ich sonst noch: „Still die Badewanne voll“ und Gebären mit Gebärmutter, Scheide und Co“ 🙂 Die Bücher sind eine wahre Revolution, aber wenn wir mal ehrlich mit uns selbst sind, liegt dieses vermittelte Wissen doch eigentlich auf der Hand bzw. in uns selbst. Natürliche Ausflüsse heraus- und abzulassen ist für mich ein Grundbedürfnis. So wie auf die Toilette gehen auch und das ist ja auch erlaubt. Ich würde gerne das Recht auf der Arbeit haben, zu menstruieren oder frei zu nehmen. Zu dem Thema Blutung ablassen bei Frauen hat schon Hippokrates, ein antiker Arzt und Gelehrter vor 2000 Jahren, etwas herausgestellt. Er sagte, es sei den Frauen eigen, das Blut abzulassen und dies sei extrem wichtig.
    Aus einem anderen Artikel habe ich, dass der Körper überflüssige Stoffwechselendprodukte über Menstruationsblut ablässt, diese sollten sich nicht im Tampon wiederfinden um dann wieder in das gesunde Blut und damit in den Kreislauf zurückzugelangen. Ich bin froh, dass ich diese Bücher gefunden habe, ich habe mich wirklich damals sehr alleine mit diesem Wissen gefühlt. VG Alexandra

    1. Danke für eure vielen Kommentare! Ich bin jetzt endlich auch mal dazu gekommen, es ausprobieren und kann nur sagen – WOW. Das klappt. Das klappt total gut. Und es hat ähnliche Effekte wie Windelfrei: Mehr Aufmerksamkeit, mehr Achtsamkeit, und die Überraschung, was unser Körper alles kann, wenn wir es ihm nicht absprechen. Danke an Carolin für dieses tolle Buch und danke an alle, die ihre Erfahrungen hier teilen!
      🙂 nica

  6. Als ich ein knappes Jahr nach der Entbindung das erste Mal wieder meine Regel bekam, hab ich mich an diese Rezension erinnert und mir das Buch gekauft. Die Sprache ist in der Tat für Erwachsene etwas nervig, aber da das Büchlein kurz, informativ und lebenspraktisch ist, kann man den Tonfall ganz gut ignorieren. Ich habe direkt begonnen zu üben und mittlerweile schon mehrere Blutungen komplett ohne Tampon überstanden. Mein Slipeinlagen-Verbrauch ist dabei ein klein wenig angestiegen, aber weit weniger, als ich erwartet hatte. Ansonsten handhabe ich es wie windelfrei: Wenn mal ein Tampon nötig ist, weil ich grad gar keine Möglichkeit hab, mich mit der Blutung zu befassen, dann nehme ich halt einen Tampon, ansonsten menstruiere ich frei. – Mein maximaler Tamponverbrauch seit Lektüre des Buches lag bei zwei Stück pro Menstruation. Ich kann es dringend zur Nachahmung empfehlen!
    An den ersten ein bis zwei Blutungstagen verbringe ich spürbar mehr Zeit auf Klo, um in Ruhe alles raus zu lassen. Das ist aber auch schon die einzige Einschränkung. Ansonsten ist es tatsächlich ein Stück gewonnene Freiheit. Und nachts hab ich seit dem Buch keinen einzigen Tampon mehr verwendet. 🙂

    Kurzum: Das Buch lohnt sich!

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