"Wo Gewalt entsteht" – AP als Gewaltprävention

Caroline Fetscher schreibt heute im Tagesspiegel einen Kommentar über den Mord in der Münchner S-Bahn und die Rufe der Politiker nach härteren Strafen. Sie fragt dabei, wo Gewaltprävention ansetzt und antwortet: Bei der Hebamme.

Hier kreuzt sic der Ansatz des Attachment Parentings oder des Steinzeit-Babies mit gesellschaftlichen Anliegen. Wenn wir lernen, unsere Babies zu lesen, auf sie adäquat zu reagieren, wenn kleine Kinder diesen Umgang sehen und nachahmen, dann erschaffen wir auch weniger gewaltbereite Erwachsene. Denn wer sich in den anderen hineinversetzen kann, reagiert seltener mit Gewalt.

Natürliche Säuglingspflege als Gewaltprävention? Vielleicht eine Chance. Denn der Kern des „natürlich“ ist, dass wir die Bedürfnisse unserer Babies nach Nähe, Zuwendung und Körperkontakt achten und befriedigen – und damit positive Grunderfahrungen schaffen.

Auf ein Baby und seine Bedürfnisse- nicht nur rund um windelfrei, das ist ja sozusagen nur die Kür, sondern vor allem beim Stillen, beim Schlafen, beim Tragen – zu reagieren, hat nichts mit Verwöhnen zu tun. Es hat etwas damit zu tun, ein Baby als Menschen wahrzunehmen, der von uns abhängig ist und unsere adäquate, prompte und zuverlässige Antwort braucht, um selbst ein gefestigter, empathischer Mensch werden zu können.

Fetscher im Original:

Fragt man Sozialarbeiter, wann Gewaltprävention einsetzen müsse, sagen heute viele: Bei der Hebamme! So früh, so absolut früh, wie irgend möglich. Überwältigend positive Erfahrungen macht man in Kanada, Neuseeland und den USA seit Jahren mit dem Projekt „Roots of Empathy“, das bereits bei kleinen Jungen und Mädchen wie deren Eltern für emotionale Alphabetisierung sorgt. Sie lernen im Kindergarten, Gesichtsausdrücke, Gesten, Gemütszustände zu lesen und in Worte zu übersetzen, in Gruppen beobachten sie die Körpersprache von Babys, sie erfahren, wie wichtig Zuwendung, Zärtlichkeit und Wertschätzung für die Reifung eines Menschen sind. So dramatisch sinkt der Grad an Aggressivität bei den Kindern, dass ein kanadischer Jugendrichter, der das Projekt unterstützt, erklärte, solche Früherziehung, flächendeckend, könne im Lauf der Zeit die Haftanstalten entvölkern.

(Hervorhebungen durch mich)
Seeds of Empathy
Roots of Empathy richtet sich vor allem an Schulklassen. Es gibt parallel dazu ein Programm, das früher einsetzt und auf Kinder zwischen 3-5 Jahren abzielt: Seeds of Empathy. Dort werden Babies regelrecht als „Lehrer“ eingesetzt. In die Kindergruppe werden Mütter mit 4-6 Monate alten Säuglingen eingeladen und die Kinder lernen, die Gesichtsausdrücke, Körperausdrücke und Laute des Babies zu verstehen und ihre eigenen Reaktionen darauf in Worte zu fassen. – Ein Video dazu ist hier.

„Wir erklären, dass ein weinendes Baby immer ein Baby ist, das ein Problem hat und dass die Eltern des Babies dazu da sind, dieses Problem zu lösen.“

Seeds of Empathy

Die Gründerin Mary Gordon erklärt im neuen Buch der Organisation den eigentlich total simplen Ansatz: „We begin with love. Love is the cement of the future that connects us all in a universal chain of possibility. The birth of each baby is the birth of hope. Through loving parenting babies develop empathy. This ability to understand how others feel is a prerequisite for conflict resolution, altruism, and a peaceful tomorrow.“

Yeah. Let’s make a difference.

Roots of Empathy

Alle Bilder von der Website http://www.seedsofempathy.org/

3 Gedanken zu „"Wo Gewalt entsteht" – AP als Gewaltprävention

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