Topffit im Zug

Topffit im Zug ist definitiv schon etwas für Fortgeschrittene. Versucht mal, bei 250 km ein Baby in der Zugtoilette abzuhalten, möglichst ohne die meist unappetitlichen Sanitäranlagen berühren zu müssen. Aussteigen auf offener Strecke und bei voller Fahrt ist anderseits aber auch nicht so einfach möglich.

Doch gerade Babies haben wenig Verständnis dafür, ihre Bedürfnisse einfach mal aufzuschieben („Wart doch noch 2 Stunden, Schatz, dann sind wir da!“). So hatten wir neulich auf dem Weg zur Oma mal eine gewisse pikante Situation:

Tatort Grossraumabteil, zum Glück nicht voll besetzt. Wir haben es schon ein, zwei Mal zur Toilette gewagt. Dabei schwankend das Baby in der Luft gehalten und sich breitbeinig abgestützt – eine Herausforderung an Menschen mit schlechtem Gleichgewicht!

Nun ist es wieder soweit, ein Warnpups deutet an, was als nächstes geschehen wird. Die Zeichen sind sehr deutlich und es ist klar: Entweder abhalten oder gleich wickeln und zwar hier mitten im Abteil. Einen Wickelplatz gibts hier nämlich auch nicht.

Die Toilette ist besetzt. Na klasse, das war ja abzusehen. Ausgerechnet! Aber es wird passieren. Was sollen wir also tun? Dann fällt mir Trick 17 ein! Die Wegwerfwickelunterlage! Na klar, damit ist mal wieder alles so einfach! Wir legen die Wegwerfwickelunterlage auf den Boden und halten ab. Höchste Zeit!

Ach, welch Erleichterung denkt sich das Kleine vermutlich! Und wie schön, dass nichts an meinem weichen süssen Po klebt.

Eine Frau direkt neben uns dreht sich pikiert weg und guckt für den Rest der Fahrt starr aus dem Fenster. Die Leute etwas weiter tun so, als wäre es das allernormalste der Welt, mitten im Zug sein Geschäft zu verrichten.

Ein kleines Mädchen kommt vom Nachbarsitz herüber und betrachtet ruhig und interessiert das Geschehen. Dann erkundigt sie sich bei uns, warum Konsistenz und Farbe so anders sind als sie das kennt. Während wir unser Kind versorgen, führen wir ein nettes Gespräch mit der Kleinen.

Auf dem Rückweg sitzen wir dann alleine in einem eigenen Abteil. Sehr zu empfehlen! Hier können wir nämlich nicht nur wieder die Saugunterlage zum Einsatz bringen, sondern uns auch noch ganz gemütlich beim Abhalten mit den Füssen auf der gegenüberliegenden Sitzreihe abstützen.

Nun ist es richtig bequem, privat, hygienisch – so wie es sein soll.

6 Gedanken zu „Topffit im Zug

  1. Am langen Pfingstwochenende Berlin-Rostock und zurück… Die Menschen, Fahrräder, Kinderwagen stapeln sich, kein Schaffner traut sich durch den Zug.

    Der Weg zur Toilette ist versperrt und aufgrund der vielen Reisenden kein angenehmer Ort zum Aufsuchen.

    Also blieb uns nur eine Möglichkeit – Abhalten auf dem Schoß über der geöffneten Windel.

    Beim nächsten Mal geht’s mit dem Auto an die Küste…

  2. Windelfrei im Zug – beim ersten mal dachte ich auch noch „Oh weh“. Aber da wir sicher schon ein Dutzend mal mit der Lütten Zug gefahren sind (immer diese langen Strecken quer durch die ganze Republik), kann uns nichts mehr schocken.

    Wir nehmen immer den Asiatopf mit – den brauche ich nachts nach wie vor immer – und so sind wir von der Toilette unabhängig. Mittlerweile halte ich auch viel in der Toilette ab, aber wenn’s pressiert und sie nicht frei ist, nutze ich den Topf.

    Da die Zaubermaus meist im Stehen pieselt, stelle ich sie auf ein/zwei Abreißhandtücher ins Waschbecken. Oder halte sie überm Waschbecken ab. Sollte das große Geschäft anstehen, mache ich es genauso, das Geschäft landet auf den Tüchern und wandert dann in den Müll. Die Klobrille mag ich für dieses Zeremoniell nicht so sehr, ist mir auch zu wackelig.

    Ich habe allerdings auch schon erlebt, dass ich stündliche Abhalteangebote gemacht habe, aber sie einfach nie musste. Ich wollt’s immer nicht glauben, aber in 6 Stunden ICE hat sie original einmal zu Beginn der Reise gepieselt….

    Und wenn alle Stricke reißen, ja mei…dann ziehe ich auch eine Windel an. Aber das ist echt höchst selten. Eigentlich nur, wenn sie sich in einer Streikphase befindet – wie zB derzeit 🙂

  3. Ich hatte neulich eine sehr kurzweilige Zugfahrt … Bis wir in den Zug eingestiegen sind, hat der kleine Zwerg geschlafen, aber dann ging es los. Innerhalb von 90 Minuten meldete er sich etwa 7 Mal. Die ersten fünf Mal hielt ich ihn erfolgreich ab, aber irgendwann dachte ich, der Kleine muss doch jetzt mal langsam „leer“ sein. Pustekuchen. Zum Glück hatte ich meinen genialen Asiatopf dabei, ohne den geht gar nichts mehr.
    Mit der Zeit wurde es mir dann doch etwas unangenehm, dem Kleinen im Abteil andauernd die Windel runterzuziehen, vor allem, da ganz in der Nähe zwei Schweden saßen. Die werden sich wohl über die komischen Sitten deutscher Frauen gewundert haben.

  4. Ja, die Schweden! *lach* Wir wohnen ja hier in Schweden. Im Vergleich zu deutschen Eltern sind schwedische stockkonservativ.
    Ich hab mal doppelt windelfrei im Flugzeug gemacht, da war mein kleiner 4 Wochen und meine Große mit knapp 2. Den Kleinen also immer auf den Asia-Topf und mein Mann mit der Großen auf’s Flugzeugklo. Da hat sie sogar 2 mal Pipi gemacht. Eigentlich wollte sie Kacki machen, aber so viel Entspannung war dann doch nicht drin. Sie hat sich erst erleichtert, als wir im Hotel angekommen waren. Spannend!

  5. Hi!
    Wir fahren ueber Weihnachten zu meinen Eltern und ich bin schon sehr gespannt wie der Kleine das mitmacht bzw. wie wir das Abhalten haendeln. Denn in die Windel wird sich nur unter viel Gezappel und Gezeter entleert…..
    Ich werd dann bald berichten 🙂

    LG,Linda

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