Eltern.de zu Topffit

Gerade gefunden: Eltern.de hat sich dem Thema Windelfrei im September letzten Jahres gewidmet, „Babyzeit ohne Windeln?“. Erstmal schön, dass das Thema schon so weit ins allgemeine Bewusstsein gerückt ist!

Allerdings schreibt die Autorin Benita Wintermantel in aller Kürze über das Thema. Wirklich Kurz. 1700 Zeichen, um genau zu sein. Das ist die Länge einer Pressemitteilung. Und bei einem so komplexen Thema war das vielleicht ein wenig zu kurz.

Denn schon die Einleitung zeigt, dass das Grundprinzip von Topffit nicht klar geworden ist:

„Es geht auch ohne Windeln“ ist das Motto von Eltern, die der Meinung sind, dass sogar ganz kleine Babys keine Windeln tragen sollten. Was denken Sie: Ist das Sauberkeits-Training von Geburt an sinnvoll?

„Sauberkeitstraining“ – damit hat Elimination Communication absolut nichts zu tun. Auf der Topffit-Website wird unter der Frage, ob es nicht psychische Schäden hervorruft, ausführlich Ingrid Bauer zitiert, die erklärt, dass Topffit mit herkömmlichem Sauberkeitstraining nichts zu tun hat. „Training“ ist schon der falsche Ansatz, Elimination Communication setzt da den richtigen Akzent: Es geht um Kommunikation. Wer nicht viel Zeit hat: Auf der Topffit-Seite gibt es eine kurze, klare Gegenüberstellung, was der Unterschied zwischen Topffit und Töpfchentraining ist.

Aber weiter:

Grund genug, auf Windeln ganz zu verzichten? Eine kleine Minderheit von Eltern meint „ja“. Ihr Vorbilder sind Mütter aus traditionellen Kulturen in Afrika oder Asien, die ihre Kinder windelfrei großziehen. Ihr Credo: Eltern lernen so besser, auf die Signale ihres Kindes zu hören. So viel zur Theorie. Die Praxis sieht ein wenig anders aus. Denn Säuglinge müssen in den ersten Lebensmonaten etwa 30-mal aufs Klo.

Nur 30 Mal in den ganzen ersten Monaten? Mein Kleiner musste 30 Mal am Tag ;). Okay, von dieser kleinen Ungenauigkeit in der Formulierung abgesehen: Von welchen „ersten Monaten“ spricht die Autorin? Weiß sie, dass Windelfrei-Mütter Back-Ups benutzen? Weiß sie, dass es Rhythmen gibt, nach denen die Kinder müssen? Steht auch auf der Topffit-Seite und zwar hier.

Sie haben keinerlei Kontrolle über Blase und Schließmuskeln.

Dass das nicht korrekt ist, wissen mittlerweile nicht nur Windelfrei-Mütter. Babies können nicht ANHALTEN, aber sie können LOSLASSEN. Steht u.a. auch auf der Topffit-Seite.

Außerdem: Kinder, die mit dem Sauberkeits-Training ab Geburt großgezogen werden, sind keineswegs früher trocken als andere.

Nö, wieso auch? Das ist ja nicht das Ziel des Ganzen, davon hat kein Mensch je geredet oder geschrieben.

Und es bedeutet schlussendlich jede Menge Stress, wenn Eltern ihre Kinder rund um die Uhr beobachten müssen.

Da fragt man sich doch, ob Frau Winterstein Kinder hat? Denn einen Säugling muss man ohnehin rund um die Uhr beobachten: Will er schlafen, stillen, kuscheln, atmet er noch? Und genau wie eine Mutter nach ein paar Monaten weiß, wann ihr Kind müde oder hungrig ist, kann sie wissen, wann es mal muss.

Und da frage ich mich: Ist das alles Insiderwissen? Wenn man über Windelfrei schreibt, ist es dann so schwer, den Begriff in Google einzugeben? Dort ist dann die Topffit-Seite der erste Treffer, den man nur anklicken muss, um alle oben angemerkten Infos zu finden.

Ein ganz gewitzter Journalist könnte dann noch windelfrei.de in den Browser tippen und wäre schwups auf der Website der Rabeneltern, die nicht nur viele Informationen, sondern auch ein sehr aktives Forum haben, in dem man sich mit einer halben Stunde Lesezeit über Topffit in der Praxis leicht hätte informieren können. (Rabeneltern sind aber auch der dritte Hit bei Google.)

Liebe Frau Winterstein, ich erwarte nicht, dass sich hier jemand durch das gesamte Windelfrei-Blog liest. Aber die ersten drei Ergebnisse bei Google, die könnte man sich vorher schon mal angeschaut haben.

2 Gedanken zu „Eltern.de zu Topffit

  1. Das habe ich auch gelesen; war erst vor kurzem im Eltern.de in einer gaaaaanz objektiven Abstimmung à la „Finden Sie windelfrei etwa gut ?? – oder so schlecht, wie auch wir es finden?!“ Ich habe mich der wisssenden Minderheit angeschlossen und für „ausgesprochen super und eine tolle Sache für Mutter und Kind“ votiert und dann auf der Stelle mein „Eltern“-Probeabo gekündigt. Für solch unreflektierte Beiträge von Möchtegern-Fachleuten muss ich wirklich kein Geld ausgeben.

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