Pinkelstreik bei Kati & Co.

Pinkelstreik. Seit vier ganzen langen Tagen herrscht bei Kati Pinkelstreik. Ihre Tochter wehrt sich vehement und sehr energisch vor dem Abhalten, nimmt schon Reißaus, wenn nur die Wörter „Toilette“ oder „pullern“ in Reichweite ihres Ohres ertönen, lässt sich bereitwillig eine Windel ummachen, und es geht so gut wie gar nichts mehr, was nur annähernd mit Windelfrei zu tun hätte. Und Kati? Sie schreibt: „Ich bin gestresst, gefrustet und verstehe die Welt nicht mehr. Diese Welt eines kleinen, 16 Monaten alten Mädchens.“

Und dabei lief es doch vor diesem Streik sooo gut. Wir hatten entspannte Tage, verbrachten einen harmonischen Alltag, trafen uns mit Freunden, gingen einkaufen, waren viel draußen, fuhren Fahrrad oder auch mal S-Bahn, tingelten durch die Straßen, genossen die vorerst letzten wärmeren Tage, sammelten Kastanien, verweilten in unserem Garten. Auch unser windelfreies Dasein lief bestens. Es war eine gute, angenehme Mischung aus Rhythmus und Intuition, mein Kind ließ sich bereitwillig abhalten, nutzte diese Möglichkeiten zum Pipimachen, und ich lag gar nicht mehr oft daneben. Wenn es dann doch mal so war, dass meine Tochter nicht musste, signalisierte sie mir das unmissverständlich, und ich konnte sicher sein, dass sie auch tatsächlich nicht musste. Es lief also wunderbar, absolut entspannt, unser Verbrauch an (Sicherheits-)Windeln senkte sich drastisch, ich war immer mutiger auch mit einem windelfreien Kind unterwegs, und es machte mir auch nichts aus, wenn ich doch mal wischen und waschen musste. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, dass es besonders gut lief, wenn ich es möglichst konsequent und entspannt anging. Es gab sogar mal eine Woche, in der wir an drei Tagen vollkommen unfallfrei blieben!

Doch was ist plötzlich anders?!? Mein Kind ist gut drauf und wuselt geschäftig durch die Tage, freut sich über gemeinsame Stunden mit ihrer kleinen Freundin, ist entspannt, schnattert vor sich hin, entdeckt nach wie voller Neugier und Euphorie die Welt. Sind es doch die Zähne, die sie seit geraumer Zeit mächtig plagen? Ist sie so sehr mit der Bildung erster Wörter beschäftigt? Gibt es sonst etwas, was ich übersehe?
Hinzu kommt, dass es seit einigen Tagen mächtig kalt draußen geworden ist. Der Herbst hält mit großen Schritten Einzug, die Kastanien und Eicheln rieseln nur so von den Bäumen, sogar das erste Laub sammelt sich auf den Straßen und Gehwegen. Nichts mehr mit einem Kind, das mal eben einfach nackig durch den Garten springen kann. Nichts mehr mit einem Kind, das ich beim Spaziergang mit einem Kleid tarnen kann. Nichts mehr mit einem Kind, das insgesamt wenig anziehen muss, was natürlich das Abhalten sehr erleichtert Stattdessen kalte Tage, viele Klamotten, dazu unser Pinkelstreik. Ich wische und wasche eigentlich nur noch, lege meinem Kind zwischendurch vor allem draußen sowie zur Schonung meines Nervenkostüms Windeln an, und das Schlimme ist, dass ich keine Erklärung für all das habe. Die einzigen Lichtblicke sind unsere Nächte, die wir weiterhin mit einer trockenen Windel überstehen, unsere Standards nach dem morgendlichen Erwachen und nach dem Mittagsschlaf sowie die täglichen perfekten Landungen von Knöke im Klo. Wenigstens etwas, könnte man meinen, aber gerade nach den vorangegangenen Wochen überwiegt seit vier Tagen ein Gefühl bei mir: Frust.
Ich versuche, das Ganze möglichst locker zu nehmen, lasse mein Kind trotzdem immer wieder ohne Windel rumspringen, biete das Abhalten regelmäßig an, wische und wasche so leichtfüßig-beherzt, wie es geht (wobei ich den Vorteil einer aufgedrehten Heizung durchaus schon erkennen konnte), freue mich über jede trocken gebliebene Windel bzw. über jedes Pipi, das nicht in der Hose meines Kindes landet.
Alles in allem hoffe ich, bei Laune zu bleiben und die Situation nicht allzu negativ oder pessimistisch zu sehen. Aber – hoffentlich ist diese Phase auch bald wieder vorbei, denn Pinkelstreik und kalte Herbsttage, das ist absolut keine gelungene Mischung…

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