Uh, what a night…

Mütter gehen in den ersten Lebensmonaten der Kinder nicht mehr weg – kann ich bestätigen. Aber wozu auch? Ich brauch weder SneakPreview noch 210 Dezibel, um nachts Schweißausbrüche, Bauchkribbeln und emotionale Achterbahnfahrten zu erleben.

Ich war müde vorgestern, so müde! Ein paar Abende bis nach elf gearbeitet, keinen Mittagschlaf gemacht, „sleep when the baby sleeps“-Ratschlag total ignoriert, kumulierter Schlafmangel. Ganz im Gegensatz zu meinem kleinen Engel, der bis um zehn abends putzmunter durch die Wohnung getragen werden wollte, noch hier und da etwas in den Mund schob und sich fröhlich glucksend auf den Bauch pusten ließ. Um halb elf hatte ich ihn dann endlich so müde getobt und gekuschelt, dass er selig neben mir liegend einschlief. Ohne Windel. Ich dachte gerade noch: „Ich bin so saumüde, ob ich ihm für heute Nacht eine anziehen… “ und schwups – war ich ebenfalls im Tiefschlaf.

Murphy lachte sich ins hämische Fäustchen und los gings.

Circa gegen zwölf wollte er trinken. Normale Zeit. Schlaftrunken setze ich mich auf, schnappe mir den Asia, setze mein Kind in Wiegehaltung darauf und docke ihn an. Was ich nicht merke: Ich sitze nicht wie sonst auf der Handtuch-Wickelunterlagen-Kombi, sondern daneben.
Es ist genau der Moment, bei dem man im Krimi denkt: „Wieso schließt sie denn die Tür nicht ab? Das macht sie doch sonst immer!“ Es kommt wie es kommen muss: Der Winkel stimmt nicht, mein Engel entspannt sich und die Hälfte läuft auf die Matratze. Ich merke es, mir bricht der Schweiß aus – bitte nicht auf die Matratze!! Ich habe Glück, denn unter dem Laken und somit unter mir ist auch eine Wickelunterlage, Tage zuvor für alle Fälle dort deponiert. Aber jetzt ist das Laken nass. Ich bin zu müde. Ich lege eines der kleinen Handtücher drauf, das gestillte Kind wieder auf seinen Platz zwischen uns, schlafe komatös ein.

Unbestimmte Zeit später wälzt er sich wie wild hin und her. Wieder Hunger? Ich docke ihn an, er trinkt nur kurz, lässt gleich wieder los. Als ich ihn richtig hinlegen will, merke ich, dass sein Handtuch naß ist. Das ist noch nie passiert. Kurzer Check: Kind ist auch nass, Body aber noch trocken (hochgerutscht). Glück im Unglück. Mir fällt ein Stein vom Herzen – nachts das Kind umzuziehen ist kein Spass und birgt die Gefahr, dass er hellwach wird, in meinem totmüde-Zustand der Super-GAU. Aber ich muss ja nicht, is ja trocken. Ich wechsele im Dreiviertelschlaf die Handtuch/Unterlagen-Kombi, docke ihn ohne Topf an, in der wagemutigen Annahme, dass er jetzt ja leer sei. Die Göttin der Nacht hat Nachsicht mit mir, er dockt an, bleibt trocken, wir schlafen beide wieder ein.

Gegen vier, typische Zeit, hat das Kind Hunger. Ich bin so müde. Egal, hilft ja nix. Also: Aufsetzen, diesmal den Topf auf die Kombi! sage das Reptilienhirn, Asia schnappen, Kind andocken. Er trinkt, sonst nix. Mist, ganze Aktion umsonst. Ich ärgere mich ein wenig, wo ich doch so müde bin, ich hätte im Liegen stillen können! Egal, schnell weiterschlafen. Aber Kind trinkt und nuckelt ewig. Jetzt ablegen könnte ihn aufwecken. Geduldszerreißprobe. Ich sitze herum und schlafe fast dabei ein. Will ihn nicht vorzeitig abdocken, dann weckt er mich nur gleich wieder. Meine Augen werden schwer…ich denke an all die Tatort-Fahnder bei ihren nächtlichen Beschattungsaktionen – die haben wenigstens immer einen Becher Kaffee zur Hand! Ich will sofort einen Windelfrei-Praktikanten, der mir jetzt einen Yogitee macht… Da – endlich ist mein Sohn satt, ich pack noch den Asia weg, wir sinken zur Seite, ich schlafe sofort.

Es dämmert schon, da meldet er sich wieder. Ui, jetzt muss er bestimmt. Asia, Andocken, drei Tropfen ins Töpfchen, er trinkt ein wenig, ich bete, dass er weiterschläft, bitte, bitte – er überlegt es sich kurz, aber dann tut er es. Erleichtert schlafe auch ich. Wache kurze Zeit später selbst auf. Irgendwas stimmt nicht. Meine Seite ist kalt. Feucht. Nass? Fasse hin – ja wirklich, nass. Das Handtuch ist verrutscht, das Laken noch feucht, ich friere. Verflixt. Nochmal neues Handtuch drüber. Ich sollte …nein, ich bin einfach zu müde. Rücke ein Stück zur Seite. Kuschele mich an den Kleinen, ah, das fühlt sich gut an, alles andere ist plötzlich egal, ich schlafe weiter.

Um sechs Uhr dreißig ist der kleine Mann wieder wach – und putzmunter. Meine Glieder sind voller Blei, ich schaue den Asia an und weiß: das packst Du jetzt nicht, das geht wieder daneben. Nehme das Kind auf den Arm, schlurfe zum Badewannenrand – diese Vertiefung treffen wir immer. Und richtig, er muss, ich bin dankbar, nehme ihn zurück mit ins Bett. Papa ist wach und fängt an, mit dem Kleinen zu spielen. Nach etwa einer halben Stunde, lacht das Kind laut auf und verliert Flüssigkeit. Ich klappe einfach die Ecke der Kombi um – jetzt ist es auch schon egal…

Wasch-Bilanz der Nacht: Zwei große und drei kleine Handtücher, ein Laken, zwei Wickelunterlagen, alles zu waschen oder wegzuwerfen.

Und die Moral von der Geschicht: Es ist wie beim Segeln. Wenn man sich fragt, ob man reffen sollte, dann sollte man reffen. Wenn ich abends das Gefühl habe, ich bin zu müde oder es stimmt etwas nicht, dann sollte ich wickeln.

Heute Nacht hat er eine an…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.